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Die Abhängigkeit der Europäischen Union von Energielieferungen aus Drittländern ist kein neues Phänomen, ist allerdings in den letzten Jahren stark in den Vordergrund der Diskussion getreten. Besonders hervorgehoben wird dabei die Rolle Russlands als größtem Energielieferanten. Insgesamt erhält die Europäische Union rund ein Viertel ihrer Erdgaslieferungen aus Russland.

Gas ist ein wichtiger und begehrter Energieträger. Anders als Öl ist seine Lieferung allerdings leitungsgebunden. Zwar gibt es auch die Möglichkeit, Gas zu verflüssigen und dann beispielsweise per Schiff zu transportieren. Diese Lösung ist jedoch wesentlich teurer als der Transport durch Pipelines, außerdem setzt er voraus, dass es beim Absender und beim Empfänger entsprechende Anlagen gibt, um das Gas in einen flüssigen bzw. wiederum gasförmigen Zustand zu versetzen. Insofern unterscheidet sich die Situation bei Gas und Öl, das überwiegend und billiger mit Tankern transportiert wird, grundsätzlich.

Durch die Leitungsbindung des Gastransports sind auch die Lieferbeziehungen zwischen den Produzenten von Erdgas und den Konsumenten wesentlich stabiler. Weder kann ein Land seine Lieferungen kurzfristig woanders hin schicken, noch kann ein Abnehmer den Lieferanten wechseln. Das Gas folgt den Pipelines, die daher von großer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung sind. Die Abhängigkeit von Lieferant und Abnehmer ist wechselseitig. Seit den 1970er Jahren bezieht der Westen Erdgas aus dem Osten, vor allem aus der damaligen Sowjetunion. Seit deren Zerfall 1991 ist Russland der größte Gaslieferant der EU-Länder. Macht sein Lieferanteil derzeit insgesamt ca. 25 Prozent aus, stellt sich die Situation für die einzelnen Abnehmerländer sehr unterschiedlich dar. Zum Teil sind sie – wie beispielsweise Finnland – vollständig oder annähernd vollständig auf russisches Gas angewiesen.

Für die sichere Gasversorgung sind allerdings nicht nur stabile Beziehungen zwischen Lieferanten und Abnehmern von Bedeutung, sondern auch ein zuverlässiger Transit durch die Länder, die zwischen Liefer- und Abnehmerstaat liegen. In den letzten Jahren ist es mehrfach zu Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine gekommen, in denen es vordergründig um den Gaspreis ging, den die Ukraine entrichten sollte, im Hintergrund allerdings auch und vor allem darum, dass der russische Gaslieferant Gazprom die Kontrolle über das ukrainische Leitungsnetz übernehmen wollte. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat Russland mehrfach die Gaslieferungen an die Ukraine reduziert bzw. ganz eingestellt. Die Ukraine hat daraufhin den Leitungen Gas entnommen, das eigentlich für die Weiterleitung nach Westen vorgesehen war. Als Russland den Konflikt Anfang 2009 dadurch verschärfte, dass es seine gesamten Lieferungen in Richtung Westen einstellte, wurden auch EU-Länder wie Tschechien, Ungarn, oder Bulgarien stark betroffen.

Um Transitländer auszuschalten ist die direkte "Nord Stream"-Pipeline von Russland durch die Ostsee nach Deutschland geplant. Der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder ist Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft, die die "Ostseepipeline" bauen möchte. Die umgangenen Transitländer, also die baltischen Staaten und Polen, haben sich deutlich gegen diese Leitung ausgesprochen, weil sie fürchten, russischem Druck stärker ausgeliefert zu sein, wenn sie nicht das Faustpfand des Energietransits in der Hand haben.

Die Europäische Union bemüht sich seit einiger Zeit, ihre Lieferbeziehungen zu diversifizieren. Wichtigstes Vorhaben ist die Nabucco-Pipeline, die vom Kaspischen Meer unter Umgehung Russlands nach Mitteleuropa führen soll. Neben Finanzierungsfragen ist allerdings derzeit noch offen, ob es genug Gas aus Zentralasien geben wird, um die Leitung zu füllen. Die Lage würde sich ändern, wenn der Iran als Lieferant zur Verfügung stünde, was aus politischen Gründen derzeit nicht der Fall ist.





 
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