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Dossier bpb.de

Gehirn: Aus Spielen lernen

Der Computer als Lehrer

Was Edutainmentsoftware verspricht und was sie halten kann
Horst Sleegers und Jürgen Pohlmann
Inhalt
Einleitung
Edutainment – man bemerkt nicht, dass man lernt
Teachtainment
Infotainment
Lernspiel
Simtainment
I/O-Devices
Tooltainment
Lehrreiche Entertainment-Software
Fazit
Mediennachweise
Tooltainment

Music Maker für Kids

Der Music Maker ist im Bereich der digitalen Soundbearbeitung in verschiedenen Ausführungen, für Hobbyisten, aber auch für Semiprofis erhältlich. Mit Music Maker für Kids werden in einer zielgruppengerechteren Umsetzung nun auch Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren bedacht.

Hauptaugenmerk wurde bei diesem Produkt auf eine besonders leichte Bedienung und einen leichten Einstieg gelegt. Ein Wizard (ein elektronischer Assistent) leitet durch das Programm. Mit seiner Hilfe lassen sich auf einfache Weise aus einzelnen Musikbausteinen ganze Stücke erstellen. Über 500 dieser Bausteine stehen zur Verfügung. Die Spanne der Musikrichtungen reicht von Soul über Techno bis Rock und Pop.

Ohne musikalische Vorkenntnisse zu besitzen, kann man durch Anordnen der einzelnen Bass-, Drum- oder Melodie-Soundbausteine durchaus komplexe Songs produzieren. Diese können durch Effekte wie Echo oder Hall noch verfeinert werden. Wem das nicht genügt, der kann zusätzlich noch zum Mikrofon greifen und seine Komposition durch eigenen Gesang oder live eingespielte Instrumente "verfeinern".

Kids der Videoclip-Generation haben die Möglichkeit, zu ihren selbst erstellten Songs ein passendes Video zu kreieren. Hierfür stehen 200 Videoclip-Bausteine zur Verfügung. Aus ihnen lässt sich einfach und schnell durch Drag & Drop ein Videoclip mit entsprechenden Videoeffekten zusammenstellen. Music Maker für Kids ist ein Musik-Einstiegsprogramm, das neben einem frühen und spielerischen Umgang mit Musik auch die Tür in die Welt der digitalen Soundbearbeitung öffnet. Musikalische Kenntnisse allerdings (Notenlehre, das Erlernen eines Instrumentes etc.) werden nicht vermittelt. Wer etwas Rhythmusgefühl besitzt, der wird auch so in der Lage sein, ein akzeptables erstes Musikstück zu arrangieren.

Durch die kindgerechte Umsetzung von Anwendungsprogrammen (Toolsoft) für die Gruppe der jüngeren Computernutzer bleibt auch ihnen eine der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten eines Multimedia-Computers nicht verschlossen. Sie erhalten die Möglichkeit relativ einfach eigene Musik zu erstellen, ohne auf kompliziert zu bedienende Programme zurückgreifen zu müssen. Diejenigen, die hier Interesse bekommen, sich auch komplexeren Musikproduktionen zuzuwenden, werden sich in professionelleren Sound-Editoren durch ihre erworbenen Grundkenntnisse besser zurecht finden.

Cosmopolitan My Style 2

Ein ganz anderes Lernfeld für Kinder und Jugendliche bietet Cosmopolitan My Style 2, das sich als "virtuelles Kosmetikstudio" eigentlich an Erwachsene richtet. Eingescannte Fotos dienen als Ausgangsobjekte für die virtuelle Veränderung der eigenen Person. Unterschiedliche Frisuren, Haar- und Hautfarben, Makeup und Accessoires wie Brillen, Bärte oder Hüte können sehr einfach auf das eigene Foto angewendet und betrachtet werden. Bevor eine reale, radikale Änderung des Aussehens z. B. beim Friseur durchgeführt wird, lässt sich so ausprobieren, wie man mit kürzeren Haaren tatsächlich aussehen würde oder ob ein Bart nicht mehr aus der eigenen Person machen könnte. Die Möglichkeit des Abspeicherns und Weiterverwendens der Veränderungen bietet weitere kreative Nutzungsmöglichkeiten der Ergebnisse. Die einfache Bedienung des Programms ermöglicht es auch unerfahrenen Anwendern, sich schnell im Programm zurechtzufinden.

Cosmopolitan My Style 2 kann so als Einstieg in die Welt der computergestützten Grafikanwendungen dienen. Motivation kommt hier vor allem dadurch auf, dass nicht an einem fremden Objekt, sondern an der eigenen Person gearbeitet wird. Neben diesem technischen oder computerbezogenen Lernfeld bietet es Kindern und Jugendlichen auch die Möglichkeit, sich mit dem eigenen Aussehen zu beschäftigen und ohne direkte Folgen mit ihm zu experimentieren.

In Erprobungen stellte sich heraus, dass Jungen anders an das Programm heran gehen, als Mädchen. Dient es Mädchen in erster Linie dazu, sich ernsthafter mit der Veränderung der eigenen Person zu befassen, stand bei Jungen das Verfremden und das Lustigmachen über die Ergebnisse im Vordergrund der Beschäftigung. Der Einsatz der Software in Gruppen von Kindern und Jugendlichen führte zu Diskussionen über Aussehen und Identität. Hier sind also nicht Fakten oder Informationen der Lerngegenstand, stattdessen steht die eigene Person im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit der Software.


06. Dezember 2005

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