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Tutzinger Appell

Initiative FAIR RADIO


Ziel ist ein glaubwürdiges Qualitätsradio
Horst Müller

  • Interview mit Sandra Müller von der Initiative "Fair Radio"
  • Text und Unterzeichner des Tutzinger Appells als PDF

    Logo Fair Radio
     
    7. August 2007. Schön, dass wir mal darüber geredet haben. Mit solchen Erkenntnissen enden nicht selten Seminare und Diskussionsveranstaltungen von Radiomachern. Damit wollten sich engagierte Hörfunkjournalisten nicht zufrieden geben, die sich auf Einladung der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der Akademie für Politische Bildung Tutzing Ende Juni am Starnberger See trafen. Aus dem Workshop "Ethik im Radio" ging die Initiative FAIR RADIO hervor, die jetzt den "Tutzinger Appell für ein glaubwürdiges Radio" veröffentlichte.

    Anstoß für die Initiative gaben Berichte von Hörfunkjournalisten privater und öffentlich-rechtlicher Radioprogramme während der Tagung in Tutzing. Manipuliert wird längst nicht nur bei Gewinnspielen und PR-Aktionen der Sender. Auch in journalistischen Beiträgen wird regelmäßig geschummelt: Extern produzierte PR-Beiträge fließen ohne Kennzeichnung in das redaktionelle Programm ein, Reporter melden sich von Orten, die sie selbst gar nicht aufgesucht haben, Originaltöne werden nachträglich zu Interviews aufbereitet. Das sind nur wenige Varianten des Hörerbetrugs, wie sie heute in vielen Radioprogrammen offenbar üblich sind - auch bei öffentlich-rechtlichen Anstalten.

  • Zur Person
    Udo Seiwert-Fauti, Jahrgang 1950, ist Diplom-Betriebswirt und hat 21 Jahre als leitender Redakteur in der ARD (SWF, SDR, hr) gearbeitet. Seit 1998 berichtet er als freier Reporter/Korrespondent für ARD, BBC, Zeitungen und Medienmagazine. Er ist Mitbegründer der Initiative FAIR RADIO.

    "Der Schock saß tief darüber, wie wir Radiomacher mit unserem Medium umgehen und wie wir es täglich 'verkaufen'", fasst Udo Seiwert-Fauti die engagierten Diskussionen mit Berufskollegen während des Hörfunk-Seminars zusammen. Der erfahrene Hörfunkjournalist mit reichlich Auslandserfahrungen, die er unter anderem als Jahrzehnte langer Korrespondent für die BBC sammelte, sah noch während der Veranstaltung Handlungsbedarf und erarbeitete umgehend einen ersten Entwurf des "Tutzinger Appells", der nach weiteren Diskussionen mit Mitgliedern der Initiative FAIR RADIO Anfang August der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die beteiligten Hörfunkjournalisten und Wissenschaftler haben sich auf sechs Eckpunkte im Sinne der Glaubwürdigkeit des Radios verständigt:
    • Recherche muss vor Schnelligkeit gehen.
    • Es wird nichts vorgegaukelt, was nicht tatsächlich so ist (der Reporter, der angeblich vom Ort des Geschehens berichtet, tatsächlich aber im Studio sitzt; der Verkehrsreporter, der vorgibt, aus einem Verkehrsflieger zu berichten)
    • Was nicht wirklich live ist, wird auch nicht als live verkauft.
    • PR-Beiträge gehören in den Werbeblock und nicht ins redaktionelle Programm.
    • Nachrichtensendungen werden nicht vorher aufgezeichnet.
    • Mogeleien bei Gewinnspielen sind tabu.
    Schon jetzt haben zwölf Hörfunkjournalisten und Medienwissenschaftler den "Tutzinger Appell" unterzeichnet. Die Initiatoren hoffen auf weitere Unterstützung durch Berufskollegen in den kommenden Wochen. Udo Seiwert-Fauti fordert von Verantwortlichen und Redakteuren in den Sendern, dass sie sich endlich wieder mehr mit Inhalten und weniger mit "Quote und Verkaufe" beschäftigen sollten. "Nur ein Radio, das seine Hörer nicht belügt wird als Medium im digitalen Zeitalter bestehen können", heißt es wohl zutreffend im Tutzinger Appell.


     
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    Redaktion
    Interview
    Ein Gütesiegel für das Radio
    Ein Gütesiegel für das Radio
    Die Hörfunkjournalistin Sandra Müller ist Mitbegründerin der Initiative "Fair Radio". Ihr Ziel: Engagierte Radiomacher, die das Alltagsgeschäft und die Produktionsmethoden im Radio hinterfragen, sollten nicht länger als Nestbeschmutzer gelten.
    Ein Gütesiegel für das Radio
    Links zum Thema

    Weitere Informationen zur Initiative FAIR RADIO und zum Tutzinger Appell: Im Internet unter www.FAIR-RADIO.net

    Text und Unterzeichner des Tutzinger Appells als PDF

    Weitere Informationen zum Radio-Workshop 2007 in Tutzing
    Hörfunker
    Ethik in der Radiopraxis
    Was eine ausgearbeitete journalistische Ethik in Radiostationen betrifft, ist Deutschland förmlich Entwicklungsland. Nur wenige Stationen haben sich schriftlich ausgearbeitete Regelungen oder Leitbilder gegeben, die ethische Fragestellungen zur Programmarbeit zumindest berühren.
    Ethik in der Radiopraxis

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