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"Mein Leben ist meine Botschaft"

Mahatma Gandhi – Vater der Nation


18.1.2007
Mahatma Gandhi war die bestimmende Figur der indischen Unabhängigkeitsbewegung, die erst durch ihn zu einer wirklichen Massenbewegung wurde. Dabei hat er der Welt gezeigt, dass soziale und politische Veränderungen nicht nur durch Gewalt und Terror, sondern auch durch Liebe und Mitleid erreicht werden können.

Eine Statue Mahatma Gandhis in Bhubaneshwar, Indien.Eine Statue Mahatma Gandhis in Bhubaneshwar, Indien. (© AP)

Als Mahatma Gandhi am 30. Januar 1948 erschossen wird, ist sein Leben bereits Legende. Der Mann, der als Mohandas Karamchand Gandhi am 2. Oktober 1869 in Porbandar, einer Küstenstadt in Gujarat, geboren wurde, hat der Welt gezeigt, dass soziale und politische Veränderungen nicht nur durch Gewalt und Terror, sondern auch durch Liebe und Mitleid erreicht werden können. In der indischen Kultur und den großen Religionen Hinduismus, Buddhismus und Jainismus gibt es die Tradition der Gewaltfreiheit (Ahimsa). Dazu gehören Toleranz gegenüber anderen Religionen und eine möglichst vegetarische Ernährung. Der Weg der Liebe zu Wahrheit (Satya) und Gewaltfreiheit bei Gandhi erklärt sich auch vor dem Hintergrund dieser kulturellen Tradition auf dem indischen Subkontinent.

In erster Linie versuchte Gandhi, seine eigenen Fehler und Schwächen zu erkennen und strebte so nach Selbstvervollkommnung. Auf diese Weise konnte er den Lebewesen und Schöpfungen der Natur mit großer Achtung und Demut begegnen. Er stritt und kämpfte für seine Überzeugungen und Ziele aber stets mit friedlichen und gewaltfreien Mitteln. Gottessuche, Gewaltfreiheit und Selbstkontrolle gehören bei Gandhi untrennbar zusammen und bilden eine ganzheitliche Lebensweise, die Gandhi mit dem Begriff Satyagraha – dem Festhalten an der Wahrheit – bezeichnet hat. In ihr sind Religion und Alltag, Denken und Handeln, Ziel und Mittel nicht getrennt. Das letztendliche Ziel menschlichen Strebens nach Wahrheit ist es, Gott zu finden und damit seine eigene Erlösung (Moksha) zu erlangen, das heißt den Austritt aus dem Kreislauf des Lebens (Samsara).

Weitere Informationen

Es gibt exzellente Ausstellungen über das Leben und Wirken Gandhis, eine Oper, mehrere Theaterstücke, zahlreiche Dokumentar- und Spielfilme für Fernsehen und Kino und gegenwärtig ist sogar ein Musical in Arbeit. Selbstverständlich kommen auch stets neue Bücher, CD und DVD auf den Markt – mittlerweile gibt es weit über 10.000 Bücher über Gandhi in allen Sprachen. Das Internet, als immer wichtiger werdendes Medium, hat sehr zur anhaltenden Popularität Gandhis beigetragen. Auf den zahlreichen Websites wie »www.gandhiserve.org«, die sich dem Leben und Wirken Gandhis widmen, sind mittlerweile nahezu alle Fotos, Filme, Bücher und Dokumente über Gandhi kostenlos einsehbar.

Gandhi entstammte einer gut situierten Familie, die – formal der Kaste der Kaufleute und Bauern (Vaishya) zugehörig – in politischen Diensten des Lokalfürsten stand. Seine Mutter war tief religiös und übte früh einen starken Einfluss auf ihn aus. Nach Abschluss seiner nicht sehr erfolgreichen Schulzeit machte er sich im Jahr 1888 nach London auf, um dort das Jurastudium aufzunehmen. Als Mitglied der Londoner Vegetarischen Gesellschaft und der Theosophischen Gesellschaft interessierte er sich stark für Fragen der Ernährung und Religion, nachdem seine zuweilen komisch anmutenden Bemühungen, seinen Lebensstil den üblichen Konventionen der britischen Oberschicht anzupassen, kläglich gescheitert waren.

Nach bestandenem Juraexamen kehrte Gandhi im Juli 1891 nach Indien zurück. Seine Versuche, eine eigene Existenz als Rechtsanwalt in Bombay (heute Mumbai) aufzubauen, waren nicht von Erfolg gekrönt: seine Schüchternheit und Nervosität ließen ihn nicht zum rhetorischen Meister werden.

Über seinen Bruder Lakshmidas, ebenfalls Rechtsanwalt, erhielt Gandhi den Auftrag, einen juristischen Fall in Südafrika zu bearbeiten. Im April 1893 reiste er dorthin. Seinen ursprünglichen Plan, nur ein Jahr in Südafrika zu verbringen, ließ er angesichts der massiven Diskriminierungen, denen seine Landsleute dort ausgesetzt waren, bald fallen und blieb – von wenigen Auslandsreisen abgesehen – für weitere 21 Jahre in diesem Land.

In dieser Zeit kam er in Kontakt mit den Schriften Thoreaus, Ruskins und Tolstois, entwickelte und erprobte Schritt für Schritt Theorie und Praxis einer der Wahrheit und Gewaltfreiheit verpflichteten Lebensweise, die weit über die politische Sphäre hinausreicht. 1904 gründete er die Phoenix-Siedlung, eine Landkommune in der Nähe Durbans, die er sechs Jahre später zugunsten der größeren Tolstoi-Farm aufgab. In diesen Kommunen unternahmen die Mitglieder den Versuch, ein einfaches, autarkes Leben zu führen, in dem die Trennung von Hand- und Kopfarbeit aufgehoben war: Jeder musste durch seiner Hände Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen.

Bestimmende Figur der indischen Unabhängigkeitsbewegung



Historische Aufnahme des Salzmarsches 1931.Historische Aufnahme des Salzmarsches 1931.
Bevor Gandhi mit seiner Familie Ende 1914 nach Indien zurückkehrte, wurde ihm bei einer Abschiedsveranstaltung der Ehrentitel Mahatma (Grosse Seele) verliehen, den er stets ablehnte. Er wollte nicht als "Staatsmann im Gewande eines Heiligen" gesehen werden, sondern als Wahrheitssucher, der sich nicht scheut "die bittere Wahrheit auszusprechen, wann immer sich eine Gelegenheit dazu bietet". Fortan wurde er zur bestimmenden Figur der indischen Unabhängigkeitsbewegung, die erst durch ihn zu einer wirklichen Massenbewegung wurde.

Gandhi war gleichzeitig kompromissbereit und beharrlich, wenn es um die Bürger- und Menschenrechte ging. Gandhi führte Indien aus der kolonialen Abhängigkeit in die politische Unabhängigkeit. Seine bedeutendste Kampagne war zweifelsohne der Salzmarsch, bei dem er sich im März 1930, von 79 Mitstreiterinnen und Mitstreitern – so genannten Satyagrahis – begleitet, auf den 380 Kilometer langen Fußmarsch von Ahmedabad (heute Hauptstadt des Unionsstaates Gujarat) nach Dandi (nördlich von Mumbai) begab, um dort das Salz-Gesetz zu brechen, das es den Indern verbot, selbständig Salz herzustellen und zu verkaufen.

Unter Teilnahme der Weltöffentlichkeit erreichten die Satyagrahis gemeinsam mit mehreren hundert Mitwanderern am 5. April 1930 Dandi. Am folgenden Morgen hob Gandhi nach einem Morgenbad im Indischen Ozean eine Handvoll Salz vom Strand auf und löste damit eine landesweite Übertretung des Salzgesetzes aus, indem das "britische" Salz boykottiert und die Förderung, Verarbeitung und der Verkauf des "indischen" Salzes eingeführt wurde. Schließlich stimmen auch die Briten dem Verkauf des "indischen" Salzes zu und gestatten Gandhi, an der 2. Rundtischkonferenz in London teilzunehmen, die jedoch hinsichtlich der Unabhängigkeit Indiens ergebnislos verlief.

Da ein Aufflammen des Widerstandes zu erwarten war, wurde Gandhi am 4. Januar 1932 als gefährlicher Staatsfeind verhaftet und für unbestimmte Zeit in Pune inhaftiert. Insgesamt verbrachte Gandhi über acht Jahre in südafrikanischen und indischen Gefängnissen. Gandhi zog sich nach der Haftentlassung 1934 von der Parteipolitik zurück und widmete sich der Arbeit für die Unberührbaren und der Dorfentwicklung.

Nach einer weiteren Kampagne des "zivilen Ungehorsams" schickte das britische Kriegskabinett 1942 eine Delegation nach Indien, um über eine Unabhängigkeit nach dem Kriege zu diskutieren, deren Vorschläge jedoch von allen Parteien und Gruppierungen als nicht annehmbar zurückgewiesen wurden. In Gandhis Geist nahm die Quit-India-Kampagne (sinngemäß: Raus aus Indien) Gestalt an. Der Indische Nationalkongress (Indian National Congress, INC), dem Gandhi seit 1915 aktiv angehörte und dessen Präsident er 1924 war, hatte sich die vollständige Unabhängigkeit Indiens vom Britischen Imperium zum Ziel gesetzt.

Der Arbeitsausschuss des INC stimmte auf einer Sitzung am 7. August 1942 in Mumbai mit Gandhis Ansicht überein, dass Indiens Abhängigkeit von den Briten seine Verteidigung schwächte. Er verkündete, dass die britische Herrschaft in Indien nun endlich aufhören müsse. In einer langen Ansprache forderte Gandhi die Briten auf "Indien jetzt ordentlich zu verlassen" und gab für seine gewaltfreien Mitstreiter die Parole aus "Do or Die – Handle oder Stirb".

Trotz Pressezensur verbreitete sich dieses Motto wie ein Lauffeuer und es kam überall im Land zu Revolten. Die INC-Ausschüsse wurden für illegal erklärt und deren Mitglieder inhaftiert. Gandhi, seine Frau Kasturba, sein Sekretär Mahadev Desai und seine englische Mitarbeiterin Madeleine Slade, die von Gandhi den Namen Mirabehn erhalten hatte, wurden ebenfalls verhaftet und ohne Gerichtsverfahren in Pune inhaftiert. Während der fast zweijährigen Haft starben Mahadev Desai und auch Kasturba. Gandhi reagierte auf den Tod seiner Lebenspartnerin mit den Worten: "Ich kann mir ein Leben ohne Ba nicht vorstellen."



 

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