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Die europäische Debatte

Pluralismus oder Laizismus?

Heide Oestreich

Religionsfreundliche Demokratien wie Deutschland hüteten sich bislang vor expliziten Verboten religiöser Symbole. Mit wachsender Multikulturalität müssen sie sich für eine von zwei europäischen Traditionen entscheiden: Als Kind des Laizismus verbannt Frankreich die Religion strikt aus dem öffentlichen Raum. Auf der anderen Seite üben multikulturell geprägte Nationen wie Österreich, Großbritannien oder die Niederlande konsequent Pluralismus – trotz Staatsreligion oder tiefer religiöser Traditionen. Die taz-Redakteurin Heide Oestreich stellt die beiden Seiten gegenüber: Welche Regelungen haben sie für den Kopftuchstreit gefunden, welche Erfahrungen haben sie jeweils damit gemacht? Und welche geschichtlichen Motive verbergen sich dahinter?

Nasr Hamid Abu Zeid


Laizistisches Gesetz vertieft die Diskrimierung in Frankreich

"Andererseits fragt sich, ob ein Gesetz das Problem lösen kann - vorausgesetzt, es gibt überhaupt ein Problem. Oder steht dieses Gesetz eher im Widerspruch zu dem offenen, dem aufgeschlossenen Laizismus?"

Navid Kermani


Französisches Gesetz bedeutet keine ungleiche Behandlung

"Deshalb unterscheidet sich der Gesetzentwurf in Frankreich von dem, was in einigen Bundesländern in Deutschland geplant ist. Hier geht es ja ganz explizit darum, nur die religiösen Symbole des Islam im Unterricht auszuschließen."


Jacques Chirac

Die staatliche Schule bleibt laizistisch

"Aber auffällige Zeichen, deren Zweck darin besteht, Aufsehen zu erregen oder sofort auf die religiöse Zugehörigkeit hinzu- weisen, können nicht zugelassen werden. Das ist zum Beispiel der islamische Schleier".

Tahar Ben Jelloun

Religion ist Privatsache

"Das Kopftuch in der Schule ist eine bewusste Verweigerung, an bestimmten Unterrichtseinheiten wie dem Schwimm- und dem Biologieunterricht teilzunehmen. Das Kopftuch ist für mich der Triumph der Unwissenheit, der Ignoranz."
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