Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.
1 | 2 Pfeil rechts

Ursachen für den Verlust von Tierarten


14.8.2008
Das Aussterben der Dinosaurier zog sich über einen langen Zeitraum hin, bei vielen Tierarten läuft dieser Prozess heute deutlich schneller ab. Dafür ist in hohem Maße der Mensch verantwortlich.

Ein weiblicher Mantarochen schwimmet vor der Küste in der Keauhou Bay, Hawaii. Derzeit hat Hawaii keine Gesetze zum Schutz der Mantarochen und obwohl der Staat keine Tradition der Mantafischerei kennt, warnen Befürworter eines solchen Gesetzes vor dem Aufkommen einer Fischerei-Industrie als Reflex auf die durch Überfischung dezimierten Populationen in Indonesien, den Philippinen und Mexiko.Der Rochen ist vom Aussterben bedroht. (© AP)

Die Vielfalt an Arten und Lebensräumen stellt einen nicht abschätzbaren Nutzen für die Menschheit dar. Eine immer größer werdende Bevölkerung beeinträchtigt die Biodiversität jedoch extrem negativ.

Besonders der Verlust von Tierarten hat ein Ausmaß erreicht, das einzigartig in der geologischen Geschichte ist. Dies mag manchen überraschen, denn viele nehmen an, dass das Massensterben der Dinosaurier ebenfalls einer dramatischen Entwicklung folgte. Dabei wird jedoch vergessen, dass sich das Aussterben der Dinosaurier über mehrere Millionen Jahre erstreckt hat, während derzeit in sehr viel kürzerer Zeit Arten von der Erde verschwinden. Alljährlich geht man von etwa 50.000 Tier- und Pflanzenarten aus, eine Aussterberate, die 100 bis 1.000 Mal höher liegt als in irgendeiner anderen Epoche der geologischen Geschichte unserer Erde. Die Hauptfaktoren für den Verlust von Arten lassen sich in vier Gruppen einteilen:

1. Ausbeutung der Natur, also die direkte Ausrottung einer Art, zum Beispiel durch Jagd und extensiven Fischfang;

2. Habitatverlust und -degeneration, das heißt die Zerstörung oder Schädigung der Lebensräume von Tieren;

3. Einführung fremder Tierarten, etwa durch Hobby-Tierhalter oder durch Warenlieferungen aus entfernten Regionen;

4. Aussterbekaskaden: Damit wird der Effekt bezeichnet, bei dem eine aussterbende Art zum Verlust weiterer Arten führt, da sie elementar wichtige Funktionen für den Erhalt der anderen Arten übernimmt, zum Beispiel als Nahrung dient.

Die entscheidenden Ursachen für den derzeitigen Verlust von Tierarten stellen die hohe Bevölkerungszahl und der Bevölkerungszuwachs der Menschen dar. Verantwortlich sind auch die Ausmaße der Landwirtschaft, der Industrie, des Tourismus und des internationalen Handels.

Was bedeutet Artenverlust?



Über den Verlust von Tier- oder Pflanzenarten kann der Artenreichtum einer Region bestimmt werden, der als Gradmesser für die Biodiversität gilt. Biodiversität beschreibt, wie viele Arten in einem bestimmten Raum beobachtet werden, jedoch nicht, wie häufig die Einzelindividuen einer Art vorkommen. Biodiversität spielt eine herausragende Rolle für die Ökosystemfunktionen. Zu diesen Funktionen zählen zum Beispiel die Reinigung von Gewässern und der Luft. Der Verlust einer Art erscheint auf den ersten Blick vielleicht verschmerzbar. Da aber jede Art eine bestimmte Aufgabe in einem hochkomplexen System übernimmt, sind die Folgen in den wenigsten Fällen abschätzbar (siehe hierzu "Aussterbekaskaden"). Geht diese eine Art verloren, so wird das Ökosystem durch den Verlust seiner Funktion instabil – mit unter Umständen weitreichenden Folgen.

Störfaktor Mensch



Der Einfluss des Menschen auf den Artenreichtum reicht 100.000 bis 200.000 Jahre in die Vergangenheit zurück und stellt nicht nur in der modernen Gesellschaft ein Problem dar. Schon im Pleistozän (Eiszeitalter) verursachte der frühe Homo sapiens sapiens das Aussterben vieler großer Vogel- und Säugetierarten, indem er alle größeren Landflächen der Erde besiedelte, die Tiere bejagte und die Ökosysteme veränderte.

Ein gutes Beispiel ist die Kolonisierung der Pazifischen Inseln, die vor circa 30.000 Jahren v. Chr. eingesetzt hat. Ihr fielen ca. 50 Prozent aller dortigen Vogelarten zum Opfer, die Ursachen waren Jagd, Entwaldung und die Einführung fremder Arten. Die heutige Artenvielfalt, die wir immer noch als beeindruckend empfinden, weist deshalb wohl nur einen Bruchteil der Arten auf, die heutzutage ohne den Einfluss des Menschen die Erde bevölkern würden.

In den letzten 400 Jahren wurde für 1.000 der bekanntesten Arten das Aussterben offiziell registriert. Dieser beeindruckende Wert stellt sehr wahrscheinlich eine grobe Unterschätzung der tatsächlichen Anzahl der verlorenen Arten dar, da
  • wir nicht alle Tierarten kennen,
  • wir nicht alle Lebensräume mit der gleichen Intensität beobachten,
  • ein Aussterben einer Tierart nur dann offiziell wird, wenn eine ausreichende Zahl an Beweisen gesammelt wurde.
Der zunehmende Einfluss des Menschen auf das Überleben von Tieren spiegelt sich auch deutlich in der so genannten mittleren Existenzdauer einer Tierart wider, die angibt, wie lange eine Art im Durchschnitt existiert(e). Dabei kann das Ende einer Tierart durch Aussterben bedingt sein, oder durch einen Artbildungsprozess, aus dem zwei oder mehr Arten hervorgehen. Die mittlere Existenzdauer von fossilen Arten wurde auf circa 5 bis 10 Millionen Jahre geschätzt. Diese verkürzte sich für Vögel und Säugetiere im letzten Jahrhundert auf nur noch etwa 10.000 Jahre und wird bei gleichbleibendem menschlichen Einfluss in der Zukunft nur noch 200 bis 400 Jahre betragen. Auf den Menschen übertragen würde dies bedeuten, dass Angehörige dieser Art – also wir alle – innerhalb des ersten Lebensjahres sterben würden.


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/

 

Dossier

Klimawandel

Globale Erwärmung und Klimawandel: diese beiden Worte sind in aller Munde. Wie konnte es überhaupt zum Klimawandel kommen? Und reichen die Bemühungen im Kampf gegen die globale Erwärmung aus? Weiter... 

Dossier

Bioethik

Wann beginnt das Leben? Was genau ist die Würde des Menschen? Gibt es ein Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende? Und welchen moralischen Status haben Tiere? Die Bioethik setzt sich mit grundsätzlichen Fragen des Seins auseinander. Sie liefert Antworten für die politischen Entscheidungen der Gegenwart. Aber wirft auch neue Fragen und Probleme auf. Weiter... 

Spezial

"Plastic Planet"

"Nach der Stein-, der Bronze- und der Eisenzeit haben wir jetzt die Plastikzeit" - mit diesem Zitat beginnt eine Reise des österreichischen Regisseurs Werner Boote von den 1960er-Jahren, als Plastik immer mehr verbreitet wurde, bis in die heutige Zeit. Heute sind wir von Plastik umgeben. Weiter...