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Aussiedler

Aussiedlermigration in Deutschland

Inhalt
Zahlen und Fakten
Aussiedleraufnahme in den 1990er-Jahren
Deutsche "Bleibehilfen" für die Minderheiten in den Herkunftsländern
Zahlen und Fakten

In Deutschland leben viele Menschen nicht-deutscher Herkunft, häufig als Ausländer und Ausländerinnen bezeichnet. Aber auch Deutsche oder Deutschstämmige leben in fast allen anderen Regionen der Welt
Freizeit in der Wohnsiedlung Kanadaring in Lahr
Grossansicht des Bildes
Freizeit: Nach der Berufsschule verbringt der Kasache Artur die Zeit mit seiner Freundin in der Wohnsiedlung Kanadaring in Lahr. © Dirk Gebhardt für Körber-Foto-Award 2003
- aus unterschiedlichen Gründen: Manche haben sich entschlossen, auf Dauer im Ausland zu leben (Emigration). Andere wohnen in Gebieten, die früher einmal zum Deutschen Reich gehörten, aber jetzt Teil von europäischen Nachbarländern sind. Wieder andere haben aufgrund früherer Wanderungs-
bewegungen bereits seit Jahrhunderten ihre familiären Wurzeln dort. In der deutschen Geschichte gab es besonders starke Migrationbewegungen in Richtung Osteuropa. Als Folge höchst unterschiedlicher historischer Entwicklungen bestanden auch über den Zweiten Weltkrieg hinaus größere, zusammenhängende deutsche Siedlungsgebiete - insbesondere im Gebiet der früheren Sowjetunion, der früheren Tschechoslowakei, des ehemaligen Jugoslawiens, des heutigen Polens sowie in Rumänien und Ungarn. Die Nachkommen dieser Deutschen in Osteuropa haben seit den 1950er-Jahren unter bestimmten Voraussetzungen das Recht, als Zugehörige des deutschen Volkes in die Bundesrepublik einzureisen und die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Von 1950 bis Mitte der 80er-Jahre übersiedelten etwa 1,5 Mio. Aussiedler in die Bundesrepublik - abgesehen von einem kurzen Hoch 1957/58 relativ gleichmäßig über die Jahre verteilt. Gegen Ende des Jahrzehnts stiegen die Aussiedlerzuzugszahlen - parallel zu jenen von Asylsuchenden - stark an. Ab Sommer 1989/90 trugen ferner die zahlreichen deutsch-deutschen Übersiedler aus Ostdeutschland zu einer hohen Gesamtzahl an Einwanderern bei. Dies sorgte für politischen Diskussionsstoff im "De-facto-Einwanderungsland" der Bundesrepublik Deutschland. 1990 reisten fast 400.000 Aussiedler bzw. ihre Familienangehörigen ein. In der Asyldebatte 1992/1993 wurde daher die Forderung nach einer Quotierung der Gesamteinwanderungszahl laut. Das hatte auch Konsequenzen für die Aussiedlermigration: pro Jahr sollten nicht mehr als 200.000 bis 220.000 von ihnen einwandern. In den letzten Jahren haben sich die Zuzugszahlen weiter verringert. Im Jahr 2000 wurde das jährliche Kontingent nochmals halbiert. Seither ist die Spätaussiedlermigration fast zum Erliegen gekommen: 2006 siedelten weniger als 8.000 Menschen nach Deutschland aus.

Herkunftsländer von Spätaussiedlern

Trotz Maßnahmen zur Begrenzung des Zuzugs sind seit 1990 über 3 Millionen Spätaussiedler zugewandert, die meisten von ihnen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. In den letzten Jahren reisten ca. drei Viertel der umgangssprachlich oft Russlanddeutsche genannten Zuwanderer als Familienangehörigen von Spätaussiedlern in die Bundesrepublik ein. Die Bundesregierung ging 2003 davon aus, dass nur noch jeder fünfte Einreisende über Deutschkenntnisse verfügt.

Man rechnet mit mehreren hunderttausend Deutschstämmigen, die noch in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion leben, aber in die Bundesrepublik kommen wollen. Die Anzahl potenzieller Spätaussiedlerfamilien in den übrigen ost- und südosteuropäischen Staaten ist dagegen relativ gering. So ist in Rumänien beispielsweise ein Auslaufen der Aussiedlung zu beobachten. Ihr Höhepunkt war im Jahr nach der politischen Wende von 1989. Heute leben dort aufgrund familiärer oder anderer Verwurzelung geschätzte 100.000 "deutsche Volkszugehörige". Auch in Polen ist die Aussiedlermigration rückläufig: von 250.000 im Jahr 1989 (66,4 Prozent der Gesamtaussiedlerzahl) auf jährlich unter 5.000 seit 1996. Der Hauptgrund liegt darin, dass der 1991 geschlossene, deutsch-polnische Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit umfangreiche Minderheitenrechte festschrieb. Dazu gehören: der freie Gebrauch der Muttersprache, das Recht auf Bildungs-, Kultur- und Religionseinrichtungen sowie Vereinigungsfreiheit. Dies bremste unter den Berechtigten den Willen zur Aussiedlung. Daneben wirkten der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung und der anstehende Beitritt Polens in die EU.


15. März 2005


 
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Dr. Christoph Bergner

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www.migration-info.de: Informationen zur Aussiedlermigration
PDF-Dokumente

BAMF: Migrationsbericht 2005, S. 39-45

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