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Hintergrund aktuell (20.08.2008)
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40 Jahre Prager FrühlingDemokratisch, sozial gerecht, modern - so stellt sich Alexander Dubcek im
Frühjahr 1968 die Zukunft seines Landes vor. Doch am 21. August rücken
Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei ein. Blutig
zerschlagen sie die Hoffnung der Menschen auf einen "Sozialismus mit
menschlichem Antlitz".
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Soldaten des Warschauer Paktes besetzen wichtige Regierungseinrichtungen und Redaktionsräume. Foto: AP
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Am 20. August 1968, kurz vor 22 Uhr, landet eine sowjetische Militärmaschine
in Prag. Kurze Zeit später rollen die ersten Panzer der
Warschauer-Pakt- Staaten in die tschechoslowakische Hauptstadt und andere
Städte der CSSR ein. Der zivile Widerstand der Bevölkerung ist enorm:
friedlich protestieren sie gegen die Invasion. Doch gegen die Überzahl der
Soldaten können sie letztendlich nichts ausrichten: Mit aller Brutalität
schlagen die Truppen des Warschauer Pakts den Prager Frühling nieder. Etwa
150 Menschen kommen ums Leben, hunderte weitere werden verletzt.
Der Begriff "Prager Frühling" wird heute für zwei sehr unterschiedliche
Ereignisse verwendet. Er beschreibt zum einen die Phase der Reformbewegung
in der Tschechoslowakei unter Alexander Dubcek. Zum anderen ist der Prager
Frühling als Synonym für die blutige Niederschlagung dieser Reformbewegung
durch die Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten in die Geschichtsbücher
eingegangen.
Die Wahl Alexander Dubceks zum Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei
der Tschechoslowakei im Januar 1968 markiert den Auftakt einer
innenpolitischen Wende. Dubcek ist die Symbolfigur des Prager Frühlings. Er
will den Sozialismus im Sinne eines Dritten Weges demokratisieren und ihm
ein "menschliches Antlitz" verleihen. Zwar erlaubt auch Dubcek keine
Oppositionsparteien. Er bringt aber ein umfassendes "Aktionsprogramm" auf
den Weg, das weitreichende Liberalisierungs- und Demokratisierungsmaßnahmen
vorsieht. Nach nur einem Monat an der Macht hebt Dubcek die Pressezensur
auf, was eine Informationsflut in den Medien des Landes entfacht. Im April
werden die Rede- und Versammlungsfreiheit eingeführt, Reisen ins westliche
Ausland erlaubt, Privatisierungen kleinerer und mittlerer Betriebe sowie
Entscheidungskompetenzen für Betriebsräte eingeleitet. Dubceks Reformeifer
geht schnell auf seine Landsleute über, insbesondere die Jugend ist
begeistert. Mit dem Reformkurs verbindet sich die Hoffnung, dem politischen
und wirtschaftlichen Einfluss Moskaus zu entrinnen und mehr nationale
Selbstständigkeit erlangen zu können.
Moskau, das die Wahl Dubceks zunächst noch gutgeheißen hatte, ist angesichts
der Entwicklungen im Bruderstaat alarmiert: Der Kreml sieht durch die
Reformen die Einheit des Ostblocks in Gefahr. Eine zusätzliche Provokation
stellt das am 27. Juni erscheinende "Manifest der 2000 Worte" dar - eines
der wichtigsten Texte des Prager Frühlings, das von verschiedenen
Intellektuellen unterzeichnet wurde und weitere politische und
gesellschaftliche Reformen einfordert. Die Kommunistische Partei der
Sowjetunion (KpdSU) interpretiert das Manifest als eine Plattform der
Konterrevolution. Die Moskauer Tageszeitung Prawda warnt vor einem "Umsturz"
und der Restauration des Kapitalismus. Große Teile der Moskauer Führung
sprechen sich für eine militärische Lösung aus, um die CSSR wieder auf Linie
zu bringen. Im Juli 1968 fordern Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn, Polen und
die DDR im "Warschauer Brief" die tschechoslowakische Führung zu einer
Kurskorrektur auf. Der Tenor: Feindliche Kräfte würden die CSSR vom Weg des
Sozialismus abbringen und eine Trennung der Tschechoslowakei von der
sozialistischen Gemeinschaft heraufbeschwören. Die Weichen für eine
militärische Intervention sind gestellt.
Als am Morgen des 21. August die Panzer auf Prag zurollen, versuchen die
Bürger der CSSR ihre neu errungene Freiheit zu verteidigen: Mit Bussen,
Baufahrzeugen und Bulldozern errichten sie Barrikaden gegen die
Militärfahrzeuge. Eine wichtige Rolle kommt dabei den Radiosendern zu, die
auf allen Wellen den passiven Widerstand organisieren. Tschechoslowakische
Politiker rufen über Rundfunk und Fernsehen zur absoluten Gewaltlosigkeit
auf. Die sowjetischen Soldaten sollen lediglich von der Sinnlosigkeit ihres
Tuns überzeugt werden. Frauen und Mädchen ziehen ihre feinsten Kleider an
und hängen ihre Handtaschen an die Panzerläufe, um die Soldaten zu
irritieren. Um die Besetzer mit falschen Informationen in die Irre zu
führen, werden Straßenschilder abmontiert oder übermalt. Hinweisschilder
weisen in die falsche Richtung oder tragen Aufschriften wie Moskau,
Warschau, Budapest, Sofia oder Berlin.
Trotz des zivilen Ungehorsams der Bevölkerung gewinnen die Soldaten der
Warschauer-Pakt-Staaten die Oberhand. Blutig schlagen sie den friedlichen
Protest nieder und ersticken die Reformbewegung im Keim. Dubcek und andere
führende Parteimitglieder werden nach Moskau entführt. Dubcek wird
gezwungen, das "Moskauer Protokoll" zu unterschreiben. Es sieht die
Aufhebung fast aller Reformprojekte sowie die Stationierung sowjetischen
Truppen in der Tschechoslowakei vor und markiert das Ende des Prager
Frühlings.
Mehr zum Thema |
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euro|topics - Magazin
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Prag 1968
Vor 40 Jahren, am 21. August 1968, marschierten die Truppen des Warschauer Paktes in Prag ein. Damit endete das erst im Frühjahr ausgerufene Reformprogramm der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei abrupt. Wie prägte das Scheitern des Prager Frühlings die Menschen in Ost- und Westeuropa? |
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09. Februar 2012
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Aus Politik und Zeitgeschichte |
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Prag 1968
Alexander Dubceks "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" hatte
nicht nur bei den Menschen im Ostblock Hoffnungen geweckt.
Doch am 20. August rücken Soldaten und Panzer der
Warschauer-Pakt- Staaten in die Tschechoslowakei ein. Blutig
zerschlagen sie das ehrgeizige Experiment. |
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