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Konfliktporträts
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Kaschmir |
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| Katja Schubert / Jakob Rösel |
| Durch die blutigen Attentate von November 2008 im indischen Mumbai hat sich der Konflikt zwischen den Nachbarländern Indien und Pakistan um die Kaschmir-Region erneut zugespitzt. Indien wirft Pakistan vor, den islamistischen Terrorismus zu unterstützen, während Pakistan Indien für massive Menschenrechtsverletzungen verantwortlich macht.
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| Eine muslimische Frau protestiert vor dem Sitz der UNMOGIP in Srinagar gegen die Benachteiligung der muslimischen Bevölkerung im indischen Teil Kaschmirs. Foto: AP |
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Aktuelle Situation
Durch die Anschläge in Indien von November 2008 sind die Friedensgespräche zwischen Indien und Pakistan über den Kaschmir-Konflikt ins Stocken geraten. Zehn Attentäter hatten drei Tage lang die Stadt Mumbai terrorisiert und 170 Inder und etliche Ausländer getötet. Indien beschuldigt den Erzfeind Pakistan, nicht ausreichend gegen terroristische Aktivitäten im eigenen Land vorzugehen und islamistische Vereinigungen zu unterstützen. Die Republik hat Pakistan aufgefordert, die Attentäter und ihre Hintermänner zur Verantwortung zu ziehen.
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Zur Person |
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Katja Schubert Katja Schubert, M.A. arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Internationale Politik und Entwicklungszusammenarbeit am Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Rostock. Forschungsschwerpunkt ist Südasien. Derzeit promoviert sie über geostrategische Interessen im Indischen Ozean.
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2002 hatte die Auseinandersetzung bedrohliche Ausmaße angenommen. Die Angst vor einem nuklearen Schlagabtausch stieg. Dank der Vermittlung der internationalen Gemeinschaft, vor allem der USA, konnten die Parteien von kriegerischen Maßnahmen abgehalten werden. 2003 kehrten beide Länder an den Verhandlungstisch zurück und begannen Friedensgespräche. Die Lage in Kaschmir beruhigte sich. Die Gespräche brachten jedoch keine Lösung. Beide Parteien beharrten weiter auf ihren Standpunkten. Immerhin kam es 2005 zu einer Verständigung über die Einrichtung einer Buslinie zwischen dem indischen und dem pakistanischen Teil Kaschmirs und zwischen Amritsar (Indien) und Lahore (Pakistan).
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Zur Person |
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Prof. Dr. Jakob Rösel Prof. Dr. Jakob Rösel, geb. 1948; Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Ethnologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; Promotion 1976, Habilitation 1994, Inhaber des Lehrstuhles für Internationale Politik und Entwicklungszusammenarbeit an der Universität Rostock. Forschungsschwerpunkt sind die EU-Integration, Demokratisierungsprozesse sowie ethnische und nationalistische Konflikte in der Dritten Welt und insbesondere in Südasien.
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Im Tal von Kaschmir gehören seit Beginn der 1990er Jahre Unruhen und Anschläge zum Alltag. Bei den letzten Regionalwahlen im indischen Teil (Dezember 2008), die von Protesten überschattet wurde, hat die Bevölkerung radikal-islamistischen Parteien eine Absage erteilt.
Ursachen und Hintergründe
Indien und Pakistan kämpfen seit der Teilung des indischen Subkontinents (1947) um den ehemaligen Fürstenstaat. Das
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Pakistan
Karte: CIA The World Factbook
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geostrategisch günstig gelegene Kaschmir grenzt neben Pakistan und Indien an Afghanistan und China und ist mit einer Fläche von etwa 222.000 km² fast so groß wie Großbritannien. Somit dreht sich der Konflikt zunächst um ein Territorium, doch ist er wesentlich komplexer. Für Pakistan bedeutet der Verlust eines Gebiets mit überwiegend muslimischer Mehrheit eine Gefahr für die eigene Identität. Der Staat war vor allem mit religiös und kulturell nationalistischen Argumentationen erkämpft worden. Für die indische Führung, die sich der Trennung von Staat und Religion verschrieben hat, war und ist Kaschmir der Beweis, dass Menschen aller Religionen und Kulturen in Indien eine Heimstätte finden können. Der Kaschmir-Konflikt dient also im Endeffekt der Legitimation beider politischen Systeme.
Der Konflikt ist im Laufe der Zeit zu einer Auseinandersetzung mit zunehmend religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Komponenten geworden. So sind die Posten in der öffentlichen Verwaltung im indischen Teil Kaschmirs zum größten Teil mit Hindus besetzt, der Einstieg für Muslime in diese Positionen ist begrenzt. Hinzu kommt die Zunahme der Arbeitslosigkeit, insbesondere seitdem viele junge ausgebildete Muslime auf den Arbeitsmarkt drängen. Wirtschaftlich sind Muslime oftmals schlechter gestellt als ihre hinduistischen Nachbarn. Dies hat neben einer oft fehlgeleiteten Politik der Indischen Union
dazu beigetragen, dass sich der Unmut unter den Muslimen immer mehr verstärkt. Seit den 1990er Jahren haben all diese Entwicklungen zu einem Anstieg der Bildung islamistischer Vereinigungen geführt, die das Tal von Kaschmir mit Terror überziehen.
Bearbeitungs- und Lösungsansätze
Lösungsansätze zur Bewältigung des Kaschmir-Konflikts hat es im Laufe der Zeit immer wieder gegeben. Die UNO hat sich kurz nach ihrer Gründung dem Problem angenommen, was den Konflikt seitdem zu einem Dauerthema macht. Es wurden mehrere Resolutionen verabschiedet, weshalb unter anderem Pakistan seither auf eine Volksabstimmung besteht. Darüber hinaus wurde eine Beobachtermission (UNMOGIP) in das umkämpfte Gebiet geschickt, die die Waffenstillstandslinie beobachten soll. Bis heute konnte die UNMOGIP die Kriege zwischen Indien und Pakistan jedoch nicht verhindern. Es ist außerdem fraglich, welchen Einfluss die Beobachtermission tatsächlich ausübt, zumal sie von Indien abgelehnt wird.
Probleme ergeben sich vor allem aus den unterschiedlichen Vorstellungen Indiens und Pakistans, wie der Konflikt gelöst werden soll. Indien betrachtet den Konflikt als rein bilaterale Angelegenheit und lehnt jedwede Einflussnahme der internationalen Gemeinschaft ab. Obwohl der Vertrag von Simla, der 1972 zwischen Indien und Pakistan geschlossen wurde, eindeutig besagt, dass der Kaschmir-Konflikt nur zwischen beiden Staaten verhandelt wird, versucht Pakistan konsequent, den Kaschmir-Konflikt zu internationalisieren.
Während der Spannungen infolge des versuchten Anschlags auf das indische Parlament von 2001 haben wie in der Vergangenheit vor allem Großbritannien und die Vereinigten Staaten versucht, Druck auf Indien und Pakistan auszuüben, um die Kontrahenten wieder an den Verhandlungstisch zu zwingen. Dabei wurde jedoch deutlich gemacht, dass die internationale Gemeinschaft in diesem Dialog keine eine aktive Rolle spielen kann. Vielmehr ist es ihr Anliegen, die Friedensgespräche wieder in Gang zu bringen und einen drohenden Einsatz pakistanischer (und eventuell indischer) Nuklearwaffen zu verhindern.
Bis heute haben die Friedensgespräche keine Ergebnisse erzielt. Indien beschuldigt Pakistan, islamistische Terrorgruppen zu unterstützen und nicht gegen die terroristische Infrastruktur vorzugehen. Islamabad würde die Attentäter decken. Pakistan wirft Indien vor, Staatsterrorismus zu betreiben. Polizei und Armee werden im indischen Teil Kaschmirs Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.
03. Februar 2010 |
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Aus Politik und Zeitgeschichte |
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Indien
Indiens wirtschafliche Entwicklung ist beeindruckend: In den vergangen vier Jahren betrug das Wachstum durchschnittlich über acht Prozent. Dennoch hat das Land schwerwiegende Probleme. Drei Viertel der Bevölkerung leben in Armut. Wachsender Energiebedarf und Klimawandel stellen Indien vor neue Herausforderungen. |
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Schriftenreihe |
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Pakistan
Herrscherdynastien und uniformierte Politiker prägen Pakistan. Bevölkerung und Staat sind am Ende die Verlierer der elitären Machtspiele. Zugleich kämpft Pakistan gegen islamistische Extremisten. Wie sieht die Zukunft des Landes aus? |
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