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Die Geschichte der "afro look"


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Jeannine Kantara
Inhalte

Ausgabe Nr. 10 der "afro look", 1993
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Ausgabe Nr. 10 der "afro look", 1993 © Jeannine Kantara/Ricky Reiser

Ursprünglich als Kulturzeitschrift geplant, entwickelte sich "afro look" schnell zum politischen Sprachrohr der ISD. Das Feedback war unglaublich. Viele Leser schickten eigene Beiträge in Form von Geschichten, Aufsätzen und Gedichten. "afro look" berichtete ebenso über historische Fakten, z.B. Schwarze Menschen in der NS-Zeit wie über Sichelzellenanämie, eine spezifische Krankheit, von der fast ausschließlich Schwarze Menschen betroffen sind. Sie prangerte rassistische Sprache in deutschen Medien an und stellte Schwarze Gruppen im In- und Ausland vor. Nachrufe auf Audre Lourde, Fasia Jansen und May Ayim gehörten ebenso zum Inhalt der "afro look" wie Glückwünsche zu Geburten, Beförderungen und Eheschließungen innerhalb der Schwarzen Community.

Ein wichtiger Bestandteil der "afro look" waren vor allem Gedichte und Geschichten, die oft sehr persönlich und z.T. anonym veröffentlicht wurden.
Ausgabe Nr. 11 der "afro look", 1993
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Ausgabe Nr. 11 der "afro look", 1993 © Jeannine Kantara/Ricky Reiser, Coverfoto: Alexander Schirrmann-Ayeni
Hierin spiegelte sich das ganze Repertoire Schwarzer künstlerischer Begabung, aber auch persönlicher Verletzungen wider. Für viele Autoren bedeutete die Veröffentlichung der Texte einen wichtigen Schritt bei der Identitätsfindung. "afro look" nahm sie ernst.

Der Fall der Berliner Mauer eröffnete der "afro look" eine neue Leserschaft. Aber auch vor 1989 fuhren Mitglieder der Redaktion in den Ostteil der Stadt, um sich mit Afro-Deutschen in der DDR auszutauschen, die wiederum interessante neue Perspektiven der afro-deutschen Identität einbrachten. Über die Jahre wuchs auch im Ausland das Interesse an der Zeitschrift, vor allem in den USA. "afro look" schaffte es sogar, einen Verteiler in den Vereinigten Staaten aufzubauen. Zahlreiche amerikanische Universitäten und Professoren verwendeten "afro look" für ihren Deutsch- oder Geschichtsunterricht. Mindestens eine Magisterarbeit hatte die Zeitschrift zum Thema.


10. August 2004


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