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Hintergrund aktuell (02.09.2010)

Weltwasser-Woche: Wasserqualität im Fokus

Drei Viertel der Erde sind mit Wasser bedeckt. Dennoch haben mehr als 1 Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wie dieser Mangel behoben und die Qualität von Wasser weltweit verbessert werden kann, diskutieren Experten auf der "20. Weltwasserwoche" vom 5. bis 11. September 2010 in Stockholm.

Bewohner eines Slums in Neu Delhi sammeln Wasser
Bewohner eines Slums in der indischen Stadt Neu Delhi holen Wasser von einem mobilen Wassertank. Foto: AP
Wasserknappheit und die Unterversorgung mit sauberem Trinkwasser haben unterschiedliche Ursachen. Einerseits steigt der weltweite Wasserverbrauch durch Bevölkerungswachstum, Verstädterung und einen höheren Lebensstandard. Andererseits verursachen Klimawandel und geografische Gegebenheiten in einigen Regionen niedrige oder sinkende Niederschlagsmengen. Auch führt die Verschmutzung und Übernutzug von Wasser durch Industrie und Landwirtschaft zu einer Verknappung der Ressource Wasser. Weltweit gelangen Tag für Tag schätzungsweise zwei Millionen Tonnen Abfälle in Gewässer. In Entwicklungsländern fließen etwa 70 Prozent der Industrieabfälle ungefiltert ins Wasser, wodurch notwendige Trinkwasservorkommen verschmutzt werden.

Rund 1,1 Milliarde Menschen haben laut Vereinten Nationen keinen regelmäßigen Zugang zu einer Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Rund 90 Prozent aller tödlichen Durchfallerkrankungen sind auf verunreinigtes Trinkwasser, fehlende Sanitärversorgung sowie mangelnde Hygiene zurückzuführen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben täglich etwa 5.000 Kinder an Durchfallerkrankungen – die zweithäufigste Todesursache in dieser Altersgruppe. Leidtragende der zunehmenden Wasserknappheit und der Folgen verunreinigten Trinkwassers sind die Entwicklungsländer – vor allem in Südostasien und in Afrika südlich der Sahara. In den Entwicklungsländern fehlen zudem oft funktionierende Versorgungssysteme mit Wasser.

Das Thema Wasserversorgung und Wasserqualität beschäftigt vom 5. bis 9. September auch die Experten der 20. Weltwasserwoche in Stockholm. Hier werden sowohl Ursachen der Verschmutzung wie auch die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in den Blick genommen. Auf der Agenda stehen unter anderem Möglichkeiten der Wasseraufbereitung, die Auswirkungen des Klimawandels wie auch internationale Kooperationen beim Wassermanagement. Zudem werden verschiedene Chancen diskutiert, wie die Verschmutzung von Wasser eingedämmt werden kann. Eine Möglichkeit ist die aus dem Verursacherprinzip ("Polluter Pays Principle") abgeleitete Maßnahme, dass Verursacher für ihre Verschmutzung zahlen müssen. Ein weiteres Prinzip ist die Veröffentlichung von Unternehmen und Personen, die wiederholt für Wasserverschmutzung verantwortlich gemacht werden ("name and shame").

Infobox
Weltwasserwoche
Die Weltwasserwoche bietet Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Nichtregierungsorganisationen die Möglichkeit, globale Lösungsansätze zum Thema Wasser und Entwicklung zu erarbeiten. Das interdisziplinäre Forum wurde 1991 vom Stockholm International Water Institute (SIWI) gegründet und findet jedes Jahr statt. Obwohl hier keine völkerrechtlich verbindlichen Abkommen oder Verträge abgeschlossen werden, hat sich die Weltwasserwoche inzwischen als bedeutende internationale Institution etabliert. Sie trägt dazu bei, nachhaltige politische Instrumente zu erarbeiten sowie neue Partnerschaften und Projekte ins Leben zu rufen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das Bundesumweltministerium und die Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind seit Jahren Partner der Weltwasserwoche.

Eine häufig diskutierte Frage bleibt, ob die Wasserversorgung in Entwicklungsländern privat oder öffentlich organisiert werden sollte. Oft kümmern sich Regierungen zu wenig um die Versorgung mit Wasser. Viele Menschen müssen daher ihr Wasser teurer von privaten Wasserhändlern kaufen, was vor allem für arme Haushalte eine Belastung darstellt. In der Entwicklungszusammenarbeit setzte man in den vergangenen Jahren vor allem auf Privatisierung: Demnach sollen Investoren aus Industrieländern die teilweise maroden Wasserversorgungssysteme in den Großstädten der Entwicklungsländer übernehmen und in die Wasserversorgungssysteme investieren. Während sich Befürworter dieser Maßnahmen mehr Effizienz und Investitionen erhoffen, befürchten Kritiker, dass die Gewinnorientierung auf Kosten der Armen gehen könnte.

Ein positives Beispiel für die Wasserversorgung von staatlicher Seite in einem Entwicklungsland stellt Uganda dar: Hier teilen sich das Staatsunternehmen National Water und kleinere einheimische Firmen die Wasserversorgung. Seit 1998 haben sich nicht nur die Wasserverluste – etwa durch undichte Leitungen – fast halbiert. Auch die Zahl der Wasseranschlüsse hat sich seither fast verzehnfacht. In der ugandischen Hauptstadt Kampala können sich die Menschen zudem an etwa 100 elektronischen "Wasser-Tankstellen" mit sauberem Trinkwasser versorgen. Mit einer Art Geldchipkarte werden die öffentlichen Wasserhähne entsperrt und sauberes Wasser kann – je nach Guthaben - gezapft werden. Rund 20.000 Menschen sollen durch dieses Pilotprojekt, das von der die KfW-Entwicklungsbank finanziert wurde, Zugang zu sauberem und vergleichweise günstigem Trinkwasser erhalten.


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10. Februar 2012
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