Skyline von Schanghai

Megastädte

17.9.2008
1950 waren New York und Tokio die einzigen Megastädte. Gegenwärtig gibt es 20 Megastädte, an der Spitze mit großem Abstand Tokio (35,2 Mio.), gefolgt von Mexiko-Stadt (19,4 Mio.) und New York (18,7 Mio.).

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    Rom, Bagdad und Peking hatten schon in der Antike, im 11. oder 16. Jahrhundert einige Hunderttausend bis eine Million Einwohner. Vorindustrielle "Megastädte" sind also keine neue Erscheinung, die Zusammenballung von 10, 20 oder 30 Millionen Menschen in einer einzigen Stadt oder Agglomeration ist jedoch ein neues Phänomen. Dabei sagt die Bevölkerungszahl nichts darüber aus, ob eine Megastadt arm oder reich, kompakt oder ausufernd, effizient geplant oder "chaotisch" ist.

    Die Megastädte stellen sozusagen die Spitze des "Verstädterungs-Eisbergs" dar. Rund 10% der globalen Stadtbevölkerung (3,3 Mrd.) lebt in Megastädten, 90% in kleineren Millionen-Städten (< 10 Mio. EW.) oder in Groß-, Mittel- und Kleinstädten (< 1 Mio. EW.).

    1950 waren New York und Tokio die einzigen Megastädte, 1975 kam Mexiko-Stadt als erste Südmetropole hinzu. Gegenwärtig (2005) gibt es 20 Megastädte, an der Spitze mit großem Abstand Tokio (35,2 Mio.), gefolgt von Mexiko-Stadt (19,4 Mio.), New York (18,7 Mio.), Sao Paulo (18,3 Mio.), Mumbai / Bombay (18,2 Mio.), Delhi (15,0 Mio.), Shanghai (14,5 Mio.), Kolkata / Kalkutta (14,2 Mio.), Jakarta (13,2 Mio.), Buenos Aires (12,5 Mio.), Dhaka (12,4 Mio.), Los Angeles (12,3 Mio.), Karatschi (11,6 Mio.), Rio de Janeiro (11,5 Mio.), Osaka-Kobe (11,3 Mio.), Kairo (11,1 Mio.) und Lagos (10,9 Mio.). Am Ende der aktuellen Megastadt-Liste stehen Peking (10,7 Mio.), Manila (10,7 Mio.) und Moskau (10,6 Mio.). Knapp unterhalb der 10-Millionen-Schwelle folgen Paris, Istanbul, Seoul und in etwas größerem Abstand Chicago und London.

    1975 lebten in den damaligen Industriemetropolen Tokio und New York fast viermal so viele Menschen wie in Mexiko-Stadt. Heute (2005) hat sich das Zahlenverhältnis dramatisch umgekehrt: Rund 90 Mio. Menschen leben in den "reichen" Megastädten und rund 200 Mio. in den "armen" Megastädten der Entwicklungs- und Schwellenländer.

    Von 1975-2005 ist die Megastadt-Bevölkerung von 3,5% auf 9,3% gestiegen, d.h. fast jeder 10. Stadtbewohner lebt heute in einer Megastadt. Diese Dynamik hat 17 neue Megastädte hervorgebracht, - ein regelrechter Megastadt-Boom, der sich so aber nicht fortsetzen wird. Vielmehr wird erwartet, dass bis 2015 die Zahl der Megastädte nur sehr moderat von 20 auf 22 steigt, wobei sich diese – wie schon jetzt – sehr ungleich auf die hoch entwickelte (5) und die weniger entwickelte Welt (17) verteilen. Wachsen werden ausschließlich die Megastädte in den Entwicklungs- und Schwellenländern, wo die Megastadt-Bevölkerung auf 270 Mio. ansteigen wird, während diese in den hoch entwickelten Ländern bei rund 90 Mio. stagniert.

    Die zukünftige Rangliste der Megastädte unterscheidet sich je nach Datenquelle erheblich. Bei UN-DESA sieht die Megastadt-Liste 2015 wie folgt aus: Tokio, Mumbai, Mexiko-Stadt, Sao Paulo, New York, Delhi, Shanghai, Kolkata, Dhaka, Jakarta, Lagos, Karatschi, Buenos Aires, Kairo, Los Angeles, Manila, Peking, Rio de Janeiro, Osaka-Kobe, Istanbul, Moskau, Guangzhou. Knapp unterhalb der 10-Millionen-Schwelle folgen Paris, Seoul, Chicago und Kinshasa.

    Bei UN-HABITAT belegen 2015 folgende Städte die ersten 10 Plätze: Tokio, Mumbai, Lagos, Dhaka, Sao Paulo, Karatschi, Mexiko-Stadt, New York, Jakarta und Kolkata. Es fällt auf, dass Lagos bei UN-HABITAT auf dem 3. Platz und bei UN-DESA auf dem 11. Platz erscheint. Bei UN-DESA ist Mexiko-Stadt auch 2015 noch die drittgrößte Stadt der Welt, während die lateinamerikanische Metropole bei UN-HABITAT auf den 7. Platz zurückgefallen ist.

    Der Grund hierfür ist natürlich kein Rechenfehler, sondern die unterschiedliche Abgrenzung der Mega-Agglomerationen, die in der Regel aus einer Kernstadt und zahlreichen Randgemeinden bestehen. Je nachdem, welche administrativen, räumlichen oder funktionalen Grenzen man zieht, variiert auch die Bevölkerungszahl und Siedlungsfläche der Megastädte. Ein drastisches Beispiel ist Tokio, die größte Stadt der Welt, für die UN-DESA 2005 eine Einwohnerzahl von 35,2 Mio. und UN-HABITAT von 26,8 Mio. ermittelt hat. Ein ähnlicher Fall ist Seoul. Die Hauptstadt Südkoreas erscheint bei www.citypopulation.de mit 23 Mio. Einwohnern weit oben in der Megastadt-Liste, bei UN-DESA dagegen hat Seoul die 10-Millionen-Schwelle noch nicht erreicht.

    Hält man sich an UN-DESA, so wird 2015 die Megastadt-Liste von Tokio (35,5 Mio.) und Mumbai (21,9 Mio.) angeführt, am Ende stehen Moskau (11,0 Mio.) und Guangzhou (10,4 Mio.). Tokio wird – bei stagnierender Bevölkerung – die Spitzenposition noch lange behaupten, während andere Nord-Metropolen (New York, Los Angeles, Osaka-Kobe, Moskau) ihre Plätze an asiatische Aufsteiger abgeben. Vor allem Mumbai, Delhi, Shanghai und Kolkata schieben sich unaufhaltsam nach vorn, aber auch Lagos und Kairo steigen von den unteren in die mittleren Ränge der Megastadt-Liste auf. Insgesamt wird es 2015 12 asiatische, 4 lateinamerikanische, 2 afrikanische, 2 nordamerikanische und 2 europäische Megastädte geben.

    Die meisten Megastädte wachsen in Zukunft langsamer als bisher, z.B. Kairo, Manila und Mexiko-Stadt. Gleichzeitig gibt es eine Gruppe schnell wachsender Megastädte, zu der vor allem Lagos, Dhaka, Karatschi und Jakarta gehören. Dies ist besonders problematisch, weil das demographische Wachstum nicht von einer entsprechenden ökonomischen Entwicklung begleitet wird, was unvermeidlich zu einer Verschlechterung der urbanen Lebensverhältnisse und zu einer wachsenden Slum-Bevölkerung führt. In den großen Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien springt die Wachstumsdynamik bereits von den Megastädten auf andere große Städte über, deshalb stehen dort insbesondere die kleinen Millionen-Städte (1-5 Mio. EW.) unter einem hohen Wachstumsdruck.

    Was das demographische Wachstum betrifft, stagnieren in Europa und Nordamerika die Megastädte ebenso wie die kleineren Städte. Auch die lateinamerikanischen Metropolen wachsen in Zukunft nur noch langsam, allerdings bedeutet selbst ein geringes Wachstum von 1% in Mexiko-Stadt oder Sao Paulo einen jährlichen Zuwachs von fast 200.000 Menschen, die beschäftigt, untergebracht und versorgt sein wollen.

    Auch wenn die Zahl der Megastädte bis 2015 nur sehr moderat von 20 auf 22 steigen wird, so wird sich langfristig das globale Megastadt-Panorama nochmals drastisch ändern, weil spätestens 2030 eine größere Gruppe von "nachwachsenden Megastädten" die Schwelle von 10 Mio. Einwohnern erreichen wird. Hierzu gehören – je nach Quelle – u.a. Kinshasa, Tianjin, Hongkong, Bangalore, Madras, Teheran, Lahore, Seoul, Bangkok, Bogotá und Lima. 2030 wird es also mehr als 30 Megastädte geben, deshalb erscheint die Dekade 2005-2015 nur als kurze Atempause, die bald wieder von einem neuen Megastadt-Boom abgelöst werden wird.

    Etliche Megastädte bewegen sich auf eine Bevölkerungszahl von 20 Mio. zu, - eine demographische Schwelle, für die UN-HABITAT den Begriff "Hyperstadt" geprägt hat. Die einzige Hyperstadt ist gegenwärtig Tokio, bis 2015 werden aber Mumbai, Sao Paulo, Mexiko-Stadt, Delhi, Dhaka und andere folgen. Die aktuelle Megastadt-Diskussion wird also zunehmend zu einer Hyperstadt-Diskussion, wobei sich die Frage nach den Grenzen des städtischen Wachstums neu stellt.

    Auch wenn 90% der globalen Stadtbevölkerung nicht in Megastädten, sondern in kleineren Städten lebt, werden die Metropolen, Mega- und Hyperstädte weiterhin im Blickpunkt stehen. Dies einfach deshalb, weil es immer noch an Erfahrungen fehlt, wie mit diesen "Monster-Städten" politisch und planerisch umzugehen ist. Selbst Experten können kaum noch erklären, was die informell wuchernden Agglomerationen wie z.B. Lagos, wo die institutionellen und ökonomischen Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Megastadt-Entwicklung weitgehend fehlen, eigentlich strukturiert und was diese zusammen hält.

    Andererseits zeigt das Beispiel Tokio, dass auch "Hyperstädte" mit über 30 Mio. Einwohnern durchaus funktionsfähig sind und eine hohe Lebensqualität bieten, wenn eine entsprechende ökonomische Entwicklung gegeben ist. Allerdings schwebt auch über dieser erdbebengefährdeten Stadt immer die Gefahr einer Mega-Katastrophe. Andere Megastädte sind durch Überflutung, Wassermangel, soziale Unruhen oder andere Risiken bedroht, was der Megastadt-Diskussion eine besondere Brisanz verleiht.

    Definition

    "Megastädte" sind städtische Agglomerationen mit 10 oder mehr Millionen Einwohnern. Dieser Schwellenwert wurde in der Vergangenheit mehrfach angehoben (5, 8, 10 Mio. EW.). Megastädte sind in der Regel diffus wuchernde Agglomerationen, die aus einer Kernstadt und zahlreichen Randgemeinden bestehen, was eine eindeutige Abgrenzung schwierig macht. Deshalb kommt es oft zu unterschiedlichen Angaben im Hinblick auf die Siedlungsfläche und Bevölkerungszahl.

    Statistik



    Liste der Megastädte 2005 / 2015 (Mio. Einwohner)

    Liste der Megastädte 2005 / 2015 (Mio. Einwohner)
    2005 2015
    Tokio (35,2) Tokio (35,5)
    Mexiko-Stadt (19,4) Mumbai / Bombay (21,9)
    New York (18,7) Mexiko-Stadt (21,6)
    Sao Paolo (18,3) Sao Paolo (20,5)
    Mumbai / Bombay (18,2) New York (19,9)
    Delhi (15,0) Delhi (18,6)
    Schanghai (14,5) Shanghai (17,2)
    Kalkutta (14,3) Kalkutta (16,9)
    Jakarta (13,2) Dhaka (16,8)
    Buenos Aires (12,5) Jakarta (16,8)
    Dhaka (12,4) Lagos (16,1)
    Los Angeles (12,3) Karatschi (15,1)
    Karatschi (11,6) Buenos Aires (13,4)
    Rio de Janeiro (11,5) Kairo (13,1)
    Osaka-Kobe (11,3) Los Angeles (13,1)
    Kairo (11,1) Manila (12,9)
    Lagos (10,9) Peking (12,8)
    Peking (10,7) Rio de Janeiro (12,7)
    Manila (10,7) Osaka-Kobe (11,3)
    Moskau (10,7) Istanbul (11,2)
      Moskau (11,0)
      Guangzhou (10,4)


    Quelle
    United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2006). World Urbanization Prospects: The 2005 Revision. Working Paper No. ESA/P/WP/200.
    »www.un.org/esa/«
    »www.un.org/esa/«
    »www.un.org/esa/«

    Links



    »UN-HABITAT - Facts and Figures«

    »UN-HABITAT - Urbanization: Mega & Meta Cities, New City States?«

    »citypopulation - The Principal Agglomerations of the World«

    Autor: Prof. Dr. Eckhart Ribbeck



     
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