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Hintergrund aktuell (27.07.2010)

Wikileaks veröffentlicht geheime Militärakten

Die Internetplattform Wikileaks hat über 91.000 geheime Dokumente über die US-amerikanische Kriegsführung in Afghanistan veröffentlicht und damit eine Kontroverse ausgelöst: Sind die Enthüllungen ein Sicherheitsrisiko oder notwendige journalistische Aufklärung?

WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange während einer Pressekonferenz
Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange während einer Pressekonferenz am 26. Juli 2010 in London. Foto: AP
Wikileaks hat am Sonntag (26. Juli 2010) über 91.000 geheime Dokumente des US-Militärs im Internet zugänglich gemacht. Dabei handelt es sich nach Angaben der Betreiber der Plattform um Feldberichte von Soldaten sowie Vermerke und interne Analysen von US-Geheimdienstoffizieren über den Afghanistan-Einsatz zwischen 2004 bis 2009. Sie enthalten zum Teil detaillierte Informationen über die US-amerikanische Kriegsführung: So soll eine US-Sondereinheit "Task Force 373" gezielt feindliche Kämpfer töten. Auch seien deutlich mehr CIA-Truppen im Einsatz als bisher bekannt. Nach den Quellen von Wikileaks sollen die Taliban militärisch besser ausgerüstet sein als öffentlich bekannt und zudem vom pakistanischen Geheimdienst unterstützt werden. Informationen, die für die Sicherheit der Soldaten relevant sein können, etwa über aktuelle Truppenbewegungen, hat Wikileaks nach eigenen Angaben mit Absicht nicht veröffentlicht.

Die Unterlagen sind laut Wikileaks den Betreibern der Internetplattform von bislang unbekannter Quelle zugespielt worden. Wikileaks hatte das Material bereits vor Veröffentlichung an das Nachrichtenmagazin "Spiegel" sowie die Zeitungen "New York Times" und "The Guardian" weitergegeben. Diese analysierten das Material und kamen unabhängig voneinander zu dem Schluss, dass die Angaben authentisch seien. Allerdings seien viele Angaben bereits öffentlich bekannt und entsprächen dem allgemeinen Kenntnisstand. Die New York Times verweist ferner darauf, dass viele der Informationen nicht verifiziert werden könnten.

Die Dokumente über Afghanistan haben eine kontroverse Diskussion über die möglichen Folgen der Veröffentlichung geheimer Informationen durch Wikileaks ausgelöst. Scharfe Kritik kam etwa aus dem Weißen Haus: Die Preisgabe interner Informationen zu genauen Einsatzorten der Truppen gefährde nach Ansicht der USA die Sicherheit und das Leben der Soldaten.

Wikileaks dagegen will durch die Veröffentlichungen nach eigenen Angaben das Handeln von Regierungen überwachen und transparent machen, um Missstände aufzudecken und die Demokratie zu stärken. Die Betreiber konzentrieren sich auf Staaten mit autoritären Regimes und Regionen, die Austragungsort bewaffneter Konflikte sind. Dokumente können anonym an die Plattform übermittelt werden, um die Informanten nicht zu gefährden. Der Schutz von Quellen ist eines der wichtigsten Prinzipien von Wikileaks.

Wikileaks finanziert sich über Spenden von Privatpersonen, die vor allem die Kosten für Internetserver decken sollen. Ein Teil des Geldes wird ferner dafür aufgewandt, die Kosten für Gerichtsverfahren zu begleichen. Verschiedene Länder haben bereits gegen die Betreiber der Plattform geklagt - bislang allerdings ohne Erfolg.

Wikileaks wurde nach eigenen Angaben 2006 von chinesischen Dissidenten, Journalisten und Technikern aus den USA, Taiwan, Europa, Australien und Südafrika gegründet. Das englische Wort "leaking" bedeutet, dass etwas "undicht" ist.

Bereits im April hatte Wikileaks mit der Veröffentlichung von Video-Aufnahmen aus einem Kampfhubschrauber der US-Armee im Irak aus eine Diskussion über die Kriegsführung der USA hervorgerufen: Die Aufnahmen zeigen, wie die Hubschrauberbesatzung eine Gruppe von Menschen beschießt. Bei dem Angriff kamen mehrere Zivilisten ums Leben, darunter zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Mittlerweile wurde ein Mitarbeiter der US-Armee verhaftet, dem vorgeworfen wird, das Video weitergegeben zu haben.


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