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Konzepte, Strategien und Tätigkeitsfelder

Krisen- und Gewaltprävention als Instrument der Konfliktvorbeugung und -bearbeitung


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Lutz Schrader
Der Gewalt vorzubeugen ist die ist die wichtigste Methode, um bewaffnete Konflikte zu bearbeiten. Genauso wichtig ist es zu verhindern, dass sich schwelende Konflikte verhärten.

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UN-Soldaten versuchen eine Frau in Port-au-Prince (Haiti) zu beruhigen. Foto: UN Photo / Eskinder Debebe
"Krisenprävention" ist in den fast fünfzehn Jahren nach dem programmatischen Dokument "Agenda für den Frieden" von Boutros Boutros-Ghali aus dem Jahr 1992 von einer Forderung der Friedens- und Konfliktforschung zu einem zentralen und weithin akzeptierten Politikansatz der internationalen Staatengemeinschaft geworden. Damit reagierte der damalige UN-Generalsekretär auf die sprunghafte Zunahme vornehmlich innerstaatlicher Konflikte im Gefolge der regionalen und globalen Umbruchsprozesse nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation. Das Konzept wurde von seinem Nachfolger, Kofi Annan, durch die Forderung nach einer "Kultur der Prävention" ergänzt.

Zur Person
Lutz Schrader
Lutz Schrader (Jg. 1953) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Frieden und Demokratie der FernUniversität in Hagen. Dort koordiniert er zwei friedenswissenschaftliche Studiengänge. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Konfliktentwicklung im westlichen Balkan, Handlungsmöglichkeiten zivilgesellschaftlicher Akteure in bewaffneten Konflikten sowie Friedens- und Konflikttheorien.

In einem eigens zu diesem Thema erstellten Bericht an den UN-Sicherheitsrat von Juni 2001 formulierte Annan ein umfangreiches Konzept mit konkreten Empfehlungen, wie die UNO gemeinsam mit den Staaten, mit Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen wirksamer zu einer rechtzeitigen Verhinderung und Bearbeitung gewaltsamer Konflikte beitragen kann. Der Bericht begründet die Notwendigkeit neuer Anstrengungen u.a. mit den gewaltigen Kosten, die die UN-Friedensoperationen verursachen.

Zitiert werden die Schätzungen der Commission on Preventing Deadly Conflict der US-amerikanischen Carnegie Foundation, wonach allein die sieben wichtigsten UN-Interventionen in den 1990er Jahren in Bosnien und Herzegowina, Somalia, Ruanda, Haiti, dem Persischen Golf, Kambodscha and El Salvador rd. 200 Mrd. US-Dollar verschlungen haben. In diesen Betrag sind die Kosten der UN-Missionen in Ost-Timor und Kosovo noch nicht eingerechnet. Ein präventiver Ansatz hätte der internationalen Gemeinschaft aller Voraussicht nach etwa 130 Mrd. Dollar gekostet. Was eine Einsparung von mindesten 70 Mrd. Dollar bedeutet hätte.

In dem UN-Bericht werden mehrere Kategorien von Kernmaßnahmen zur Krisenprävention ausgewiesen, durch deren Umsetzung ein umfassender Wandel von einer "Kultur der Reaktion zu einer Kultur der Prävention" erreicht werden soll. Dazu gehörten insbesondere:

(a) Frühwarnung, rechtzeitige Information und Analyse;
(b) Gute Dienste und Vermittlung;
(c) Förderung von Demokratie, gutem Regieren und einer Kultur der Prävention;
(d) Abrüstung und Rüstungskontrolle;
(e) gerechte sozio-ökonomische Entwicklung;
(f) Achtung der Menschenrechte, des humanitären Rechts und der internationalen Gerechtigkeit.


Mit diesem Maßnahmenkatalog übernahm die UNO die im Bericht der Carnegie Foundation und in anderen einschlägigen
Demokratieförderung in Serbien und Montenegro
Grossansicht des Bildes
Projekt im Rahmen der "Initiative zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten" der Europäischen Kommission (EIDHR) in Serbien und Montenegro. Foto: European Comission/Z. Zestic-FoNet News Agency
Positionsbestimmungen der Friedens- und Konfliktforschung[1] vorgeschlagene Unterscheidung zwischen operationaler und struktureller Prävention. Die Früherkennung von Gewaltkonflikten und die Bemühungen um eine rechtzeitige Verhandlungslösung zielen als typische operationale Maßnahmen unmittelbar auf die Verhinderung des Ausbruchs von Gewalt und die damit einhergehenden menschlichen Opfer und materiellen Kosten.

Dagegen ist die strukturelle Prävention darauf gerichtet, dass politische, soziale und Umweltkrisen sowie von Menschen verursachte Naturkatastrophen gar nicht erst entstehen. Dazu gehören auch Maßnahmen, die sicherstellen sollen, dass einmal befriedete Gewaltkonflikte und Kriege nicht erneut eskalieren. Insofern müssen (strukturelle) Konfliktprävention, Post-Konfliktkonsolidierung und Entwicklungszusammenarbeit so angelegt sein, dass sich ihre Wirkungen gegenseitig nachhaltig verstärken.

Im Fortschrittsbericht des UN-Generalsekretärs „Über die Prävention bewaffneter Konflikte von Juli 2006 wird mit der systemischen Prävention ein dritter Aktionsbereich hinzugefügt. Er bezieht sich auf "globale Risiken, die Einzelstaaten überschreiten". Gemeint sind u.a. die Regulierung des Handels mit Waren, die Konflikte anheizen, wie Diamanten und Kleinwaffen, die Nichtverbreitung von Kern-, Chemie- und biologischen Waffen, die Bekämpfung von Drogenanbau, -handel und -sucht sowie Maßnahmen gegen Krankheitsepidemien und Umweltzerstörung.[2]

Der Notwendigkeit von Vorsorgebemühungen über gesamten Konfliktverlauf hinweg trägt die Unterteilung in primäre, sekundäre und tertiäre Prävention Rechnung. Während primäre Maßnahmen vor dem Ausbruch des Konflikts auf die Verhinderung von Gewalt zielen, sind sekundäre Schritte auf die Vorbeugung zusätzlicher und erneuter Gewalt und deren Folgen während des Konflikts gerichtet. Tertiäre Prävention soll in erster Linie verhindern, dass ein Rückfall auftritt und anderweitige vermeidbare Gewaltfolgen bis hin zu einer dauerhaften/chronischen Verhärtung der Feindseligkeiten entstehen.


15. Februar 2007

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