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Radio im Web 2.0
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Auch Radio ist "Social Media" |

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Von Inge Seibel-Müller
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Man mag es schon fast nicht mehr aufschreiben, denn nahezu jeder Artikel zur Situation der Medien und des Journalismus beschäftigt sich mit dem "grundlegenden Wandel der Kommunikationssituation" und dem damit einhergehenden "dramatischen Umbruch" im Berufsbild der Journalisten. Am "Mitmach-Internet" kommt kaum ein Journalist vorbei, denn der vormals passive Leser und Zuschauer hat via Internet die Möglichkeit zum Dialog - und das öffentlich. Sei es in Form des direkten Kommentars unter Online-Artikeln oder über Facebook, Youtube und den Kurznachrichtendienst Twitter - das Web 2.0 eröffnet unter dem Schlagwort „Social Media“ viele neue Kommunikationskanäle.
Manch Journalisten stürzt dies in eine Identitätskrise. "Wozu noch Journalismus?", fragte in diesem Frühjahr die Süddeutsche Zeitung namhafte deutsche Journalisten, Blogger, Publizisten und Wissenschaftler. Unter den Autoren ist auch Dirk von Gehlen, seit 2002 Redaktionsleiter von jetzt.de, dem Jugend-Onlinemagazin der Süddeutschen Zeitung. Das junge Magazin wurde mehrfach ausgezeichnet, für die gelungene Verbindung von Print und Online und die Integration der Leser in den Produktionsprozess.
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Zur Person |
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Dirk von Gehlen ist nicht nur Redaktionsleiter des Onlinemagazins jetzt.de, sondern auch ein gefragter Referent rund um die neuen Kommunikationskanäle im Mitmach-Netz. Wie sich soziale Netzwerke sinnvoll in die journalistische Arbeit integrieren lassen, praktiziert er täglich mit seinen Redakteuren. |  |
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„Unsere Leser, Zuhörer und Zuschauer hatten schon immer eine Meinung, ab sofort können wir diese aber nicht nur hören und lesen, wir müssen auch einen Weg finden, damit umzugehen“, sagt von Gehlen, der an der Universität Stuttgart-Hohenheim einen Lehrauftrag zum Thema "Der aktive Rezipient" inne hat. Privat bloggt er unter digitale-notizen.de über den Medienwandel. Die Fragen: Wie kommunizieren wir mit unserem Leser, Zuschauer oder Zuhörer? Wie reagieren wir auf den aktiven Konsumenten? Wie binden wir ihn ein? sind für Gehlen eine Herausforderung, der sich die etablierten Medien stellen müssen. "Und sie sind zwingender als Debatten über Flash-Applikationen oder Multimediaanwendungen", ist Gehlen überzeugt. Bei den Redakteuren von "jetzt.de" gehört zum Anforderungsprofil, dass sie die Kommentare unter ihren Texten nicht nur lesen, sondern auch darauf reagieren: "Oft resultiert daraus ein Anschlussprozess, ein Weiterdreh des Themas, den es früher nicht gab", sagt von Gehlen und hält gerade im regionalen Bereich die Erschließung neuer Quellen für wesentlich und noch relativ unausgeschöpft.
Die Begrenzung auf Twitter, Facebook und ähnliche Communitys als "Social Media" hält von Gehlen für falsch: "Radio ist, wenn man es richtig versteht, selbst ein soziales Medium. Auch hier macht das Internet als Rückkanal aus einer Einbahnstraßen-Publikation eine echte Kommunikation. Und daher wird die Frage immer wichtiger: Aus welcher Haltung heraus kommunizieren wir eigentlich? Ein Beispiel, das mir immer einfällt, wenn ich über soziale Medien und aktive Rezipienten nachdenke, sind die Staumelder, die ja in jeder Radiostation auftauchen. Es gibt Stimmen, die sagen, diese Staumelder sind nicht immer echt, sie werden nachgestellt. Das ist eine Form der Interaktion, die nicht zukunftsträchtig ist. Die richtige Frage muss vielmehr lauten, wie bekomme ich den Hörer dazu, sich aktiv am Programm zu beteiligen." Gehlen nennt das "authentische Kommunikation" und hält dies neben der Glaubwürdigkeit und Seriosität eines Mediums für die wichtigsten Faktoren des Erfolgs.
Wenn Radioredakteure sich darüber wundern, dass Hörer auf sozialen Netzwerken aktiver sind als auf der Telefonhotline des Senders, dann liegt das für von Gehlen zum einen am antiquierten Kommunikationsmittel Telefon und zum anderen an der neuen Zielgruppenerschließung von beispielsweise jungen Leuten, die den Senders ansonsten gar nicht gehört hätten. Die Kanäle des Netzes sorgen demnach für eine größere Reichweite.
Umfrageergebnissen wie beispielsweise der jetzt im August erschienenen ARD-ZDF-Onlinestudie 2010, die Blogs, Twitter und Co. eine eher bescheidene Teilhabe bescheinigen, hält Gehlen die "90-9-1-Regel" des Webexperten Jakob Nielsen entgegen. Nielsen hat 2006 die Regel zur Nutzung von Communitys aufgestellt: 90% der Nutzer lesen und schauen nur zu, 9% der Nutzer beteiligen sich von Zeit zu Zeit, und nur 1% der Nutzer tragen aktiven Content bei.
"Falsch wäre es, daraus den Schluss zu ziehen, das sind so wenige, darum müssen wir uns nicht kümmern", sagt von Gehlen, "denn im Web hat jeder die Möglichkeit auf gleicher Augenhöhe quasi auch zu senden. Eine Konfrontation, die wir Journalisten positiv nutzen sollten." |
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Va bene?! Radio diesseits und jenseits der Alpen |
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High-Tech kontra Spontan-Talk
Beim "Tapetenwechsel" des Projektes "Va bene", einer Initiative des Goethe-Instituts in Rom, tauschen Redakteurinnen und Redakteure aus Deutschland und Italien für einige Wochen ihren Wohnort und Arbeitsplatz. Das Ziel: "Die gegenseitige Neugierde wieder zu beflügeln und von einander zu lernen. |
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