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Dossier Fußball-WM 2006

Tschechien


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W. Ludwig Tegelbeckers
Landesflagge Tschechien
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Landesflagge Tschechien
Bis es soweit war, mussten die Tschechen lange zittern. Durch zwei 1:0-Erfolge in den Playoffs gegen Norwegen hat sich die Elf von Trainer Karel Brückner im November 2005 als eines der letzten Teams für die WM 2006 in Deutschland qualifiziert. Nach dem Rückspiel in Prag sprach Brückner von seinem "größten Erfolg", und dies aus gutem Grund: Zum ersten Mal seit dem Ende der Tschechoslowakei - und fast 16 Jahre nach dem letzten WM-Auftritt einer tschechoslowakischen Elf - ist Tschechien als eigenständiges Land bei einer Fußball-Weltmeisterschaft dabei.

Zur Person
W. Ludwig Tegelbeckers, Journalist und freier Autor in Prag

Konservative Werte und moderner Fußball: Das System Brückner
Mit seinem erfrischenden Offensivfußball begeisterte das tschechische Team bei der Europameisterschaft 2004 die Freunde des Fußballs in aller Welt. Zwar holten die Tschechen nicht den erhofften Titel – man scheiterte im Halbfinale gegen den späteren Europameister Griechenland –, aber ihr ebenso dynamisches wie variables und technisch feines Spiel gehört zum Modernsten, was der europäische Fußball momentan zu bieten hat. Mittelfeldstratege Pavel Nedvěd von Juventus Turin und Torwart Petr Čech von Chelsea London sind "nur" die Topstars in einem Aufgebot, zu dem zahlreiche weitere Spitzenspieler aus renommierten europäischen Klubs gehören: Marek Jankulovski (AC Milan), Tomáš Ujfaluši (Fiorentina), Jaroslav Plašil (Monaco), Milan Baroš (Aston Villa) oder Tomáš Rosicky (Borussia Dortmund), um nur einige von ihnen zu nennen. Der eigentliche und unumstrittene Star des Teams ist jedoch der Trainer, Karel Brückner. "Klekih Petra" nennen ihn seine Spieler, nach dem weisen Häuptling der Apachen, und das trifft beileibe nicht nur auf die äußere Erscheinung des 66-Jährigen zu.

Brückner ist für die tschechische Nationalmannschaft Vater- und Integrationsfigur in einem. Als er die Auswahl Ende 2001 übernahm, fand der Coach eine zerstrittene und undisziplinierte Truppe vor, die soeben leichtfertig die Qualifikation für die WM 2002 verspielt hatte. Teile der Mannschaft sollen sich auf das entscheidende Playoff gegen Außenseiter Belgien mit nächtelangen Saufgelagen eingestimmt haben, nach dem Aus warfen die anderen ihnen genau dies vor.

Der Antritt Brückners in dieser Situation erwies sich für den tschechischen Fußball als nachhaltiger Glücksfall. Sowohl bei den hochdekorierten Stars im Ausland als auch bei den Talenten in der heimischen Liga findet der charismatische Trainer mit seiner natürlichen Autorität die richtige Ansprache. Karel Brückner macht keinen Hehl aus seinem ehernen Leitprinzip – der Familie, in der jeder seine Rolle hat. Und viele jüngere Nationalspieler sind in der Tat schon ihr halbes Fußball-Leben unter seiner Obhut. Als Coach der tschechischen U21 (1998-2001) begleitete er Talente wie z.B. Baroš, Ujfaluši, Jankulovski, Grygera oder Heinz auf ihrem Sprung in den Profifußball.

Mit dem A-Team blieb Brückner vom Start weg über zwei Jahre ungeschlagen. Die Handschrift des Trainers: Ein atemberaubender Tempofußball, der sich durch unablässiges Pressing und präzises Kurzpass-Spiel ebenso auszeichnet wie durch die große Laufbereitschaft seiner einzelnen Akteure. Die gleichsam idealtypische Verkörperung dieses Stils ist Pavel Nedvěd, Europas Fußballer des Jahres 2003. Birgit Schönau charakterisierte ihn treffend so: "Er wird auf die Position linkes Mittelfeld geschickt, aber Nedvěd ist überall, flächendeckend, schnell, kraftvoll, listig. Und torgefährlich."


05. Dezember 2005

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