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Hintergrund aktuell (30.06.2008)
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Französische EU-RatspräsidentschaftAm 1. Juli übernimmt Frankreich die EU-Ratspräsidentschaft von Slowenien.
Nach dem Nein der Iren zum EU-Verfassungsvertrag steht der französische
Präsident Nicolas Sarkozy vor der schwierigen Aufgabe, die EU den Bürgern
wieder näher zu bringen.
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Zwei-Euro-Münze, die anlässlich der französischen Ratspräsidentschaft geprägt wurde, Foto: AP
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Während sich Slowenien im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft vor allem auf dem Balkan engagierte und die Anerkennung des Kosovo maßgeblich
vorangetrieben hat, nimmt Nicolas Sarkozy im zweiten Halbjahr europäische
Langzeitvorhaben in den Blick: Unter Frankreichs Obhut soll das europäische
Energie- und Klimapaket umgesetzt, die Integrations- und Immigrationspolitik
vorangetrieben und in der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
neue Akzente gesetzt werden.
Europäische Energie- und Klimapolitik
Unter französischer EU-Ratspräsidentschaft sollen die ambitionierten
klimapolitischen Vorgaben zu einer politischen Einigung gelangen: Anfang des
Jahres hatten sich die EU-Mitgliedsstaaten darauf verständigt, den Ausstoß
klimaschädlicher Treibhausgase und den Energiebedarf bis 2020 EU-weit um
jeweils 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren. Bis dahin soll
auch der Anteil der erneuerbaren Energien auf zwanzig Prozent steigen.
Allerdings plant Frankreich auch, die zivile Nutzung der Kernenergie
auszubauen. Darüber hinaus will Sarkozy die Energiesicherheit zum Thema
machen.
Integrations- und Immigrationspolitik
Im Vorfeld der französischen Ratspräsidentschaft warb der Präsident für "ein
Europa, das schützt": Neben dringenden sozialpolitischen Fragen macht
Frankreich die kontrollierte Zuwanderung zu seinem Hauptanliegen. Ein
Einwanderungspakt soll dem Schutzbedürfnis der EU-Bürger Rechnung tragen.
Grenzkontrollen sollen verschärft, illegale Einwanderer "effektiver"
abgeschoben werden und für legale Einwanderer sollen künftig strengere
Aufnahmeregeln gelten. Damit einher geht die Aufwertung der europäischen
Grenzschutzagentur Frontex.
Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP)
Frankreich will die Stärkung und den Ausbau der Europäischen Sicherheits-
und Verteidigungspolitik zu einem weiteren Schwerpunkt der Präsidentschaft
machen. Dabei soll die Palette der europäischen Verteidigungsmaßnahmen um
zivile Aspekte ergänzt werden, um auf neue Bedrohungen wie etwa die
Ernährungs- und Energiesicherheit sowie Proliferationsbekämpfung adäquat
reagieren zu können. Zugleich soll das Einsatzfeld der mobilen
EU-Kampftruppen erweitert werden. Sarkozy will die Aufwertung der ESVP mit
der vollwertigen Aufnahme Frankreichs in den Kreis der Nato-Mitglieder
verknüpfen. Paris ist bisher zwar viertgrößter Beitragszahler, verfügt aber
über kein umfassendes Planungs- und Entscheidungsrecht in dem westlichen
Verteidigungsbündnis.
Ursprünglich sollten auch erste institutionelle Neuerungen, die die
EU-Verfassung vorsieht, unter französischer Präsidentschaft auf den Weg
gebracht werden: Die Kandidatur für die Ämter des Präsidenten des
Europäischen Rats, des Hohen Vertreters für die Außen- und
Sicherheitspolitik der Union und des Kommissionspräsidenten. Das Nein der
Iren hat diesen Plänen vorerst einen Strich durch die Rechung gemacht.
Aufgabe des französischen Präsidenten wird es nun sein, den laufenden
Ratifizierungsprozess zu Ende zu bringen, um die Umsetzung des
Lissabon-Vertrags nicht zu gefährden. Frankreich, das den ersten
Verfassungsentwurf 2005 ebenfalls in einem Referendum ablehnte, hat den
Reformvertrag bereits auf parlamentarischem Wege angenommen. Sarkozy
bekräftigte seine Absicht, dass der europäische Integrationsprozess Vorrang
vor einer möglichen Erweiterungsrunde der EU habe.
Im Vorfeld der französischen Ratspräsidentschaft gab es Unstimmigkeiten und
Kritik wegen der von Sarkozy im Alleingang angestoßenen "Union für das
Mittelmeer", die eine enge "privilegierte" Partnerschaft zwischen der EU und
den Mittelmeer-Anrainern vorsieht. Frankreich wollte zunächst nur die
europäischen Mittelmeerstaaten in die neue Gemeinschaft einbinden. Das
schürte jedoch die Befürchtungen, die Union würde zu einer
Konkurrenzorganisation der EU. Durch das Engagement einiger
Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, wurde die Initiative in den
seit 1996 bestehenden Barcelona-Prozess eingebettet. Künftig sollen im
Rahmen der Mittelmeer-Union konkrete Projekte, wie die Reinhaltung des
Mittelmeers, den Ausbau der Infrastruktur und die Schaffung eines
mediterranen Universitätsraumes umgesetzt werden.
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Sarkozys Europapolitik
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09. Februar 2012
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Aus Politik und Zeitgeschichte |
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Seit dem klaren Nein der Franzosen zur EU-Verfassung 2005 hat Frankreich wenig zur Überwindung der EU-Krise beigetragen. Unter dem neuen Staatspräsidenten Sarkozy zeichnet sich innen- und außenpolitisch ein neuer Kurs ab. |
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