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Globaler Energiemarkt


Erdöl, Erdgas, Kohle: Anteil an den Reserven weltweit in Prozent

Unter Kaspischer Raum werden hier die zentralasiatischen Staaten des Südkaukasus Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan verstanden. Bis auf Usbekistan grenzen alle Länder an das Kaspische Meer an, auch Russland und Iran sind Anrainerstaaten des Binnengewässers. Das Kaspische Meer ist reich an Erdöl- und Erdgasvorkommen: Die territorialen Ansprüche sind jedoch teils ungeklärt, was die Erschließung einzelner Offshore-Vorkommen verhindert.

Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan gehörten bis 1991 der Sowjetunion an. Nach der Unabhängigkeit kam es in den vier Ländern zu enormen Auslandsinvestitionen auf dem Öl- und Gassektor, sowohl in die Förderung als auch in neue Transportwege, die bis dato Russland dominierte. In den letzten Jahren stiegen die Produktionszahlen beim Öl und Gas im Kaspischen Raum kräftig an, so dass die Länder – in unterschiedlichem Maße – in den nächsten Jahren zu wichtigen Energieproduzenten und -lieferanten werden könnten. Damit verbunden wächst das Interesse an der Region in China wie auch in Russland, vor allem aber in der Türkei und der Europäischen Union (EU). Für Europa würden Energielieferungen aus dem Kaspischen Raum mehr Unabhängigkeit vom russischen Öl und Gas bedeuten.

Kaspischer Raum: Verbrauchsmuster anhand einzelner Energieträger.
Grossansicht des Bildes
Kaspischer Raum: Verbrauchsmuster anhand einzelner Energieträger. Quelle: BP: Statistical Review of World Energy June 2008
Im Kaspischen Raum finden sich 4,3 Prozent der Erdgasreserven weltweit. In den letzten Jahren hat vor allem in Aserbaidschan und in Turkmenistan die Produktion von Erdgas stark zugenommen. Auch die Erdölproduktion verzeichnete in den letzten Jahren ein Plus, dafür sorgten vor allem Aserbaidschan und Kasachstan. Aserbaidschan, das im Westen an das Kaspische Meer angrenzt, profitiert auf Grund seiner geographischen Lage von günstigen Exportmöglichkeiten in den Westen. Für Usbekistan und Turkmenistan wiederum ist der lukrative Energiemarkt Europa sehr viel schwieriger zu erreichen.

Der Boom im Energiesektor hat in den vergangen Jahren die regionale Wirtschaft angekurbelt. In Kasachstan stammt heute die Hälfte der Exporteinnahmen aus dem Ölgeschäft, so die Energy Information Administration (EIA). Doch trotz des Wirtschaftswachstums leben weiterhin viele Menschen in der Region in Armut. Zudem bringt die Erdölförderung Umweltschäden im Kaspischen Meer mit sich.

Gas ist mit knapp 60 Prozent die wichtigste Energiequelle für die Versorgung im Kaspischen Raum, dann folgen Kohle und Öl. Die Nuklearenergie spielt bislang keine Rolle. Ebenso tragen erneuerbare Energien kaum zur regionalen Energieversorgung bei.

2007 verbrauchte die Bevölkerung der vier Länder des Kaspischen Raums mit rund 147 Millionen Tonnen Rohöläquivalent 1,3 Prozent der Primärenergie weltweit; in der Region leben mit 56 Millionen Menschen rund 0,8 Prozent der Weltbevölkerung. Im Jahr 2005 hatte Usbekistan mit rund 80 Millionen Btu den geringsten Pro-Kopf-Verbrauch innerhalb der Region. In Kasachstan lag der Verbrauch bei rund 187 Mio. Btu und war damit der höchste. In Eurasien lag der Pro-Kopf-Verbrauch im Durchschnitt bei etwa 160 Mio. Btu (British Thermal Unit, entspricht rund 1.000 Joule).

Erdöl

Erdölreserven und Produktion Erdölreserven in 1.000 Millionen Barrel Anteil an den Reserven weltweit Erdölproduktion in 1.000 Barrel pro Tag Anteil an der Erdöl-
produktion weltweit
Aserbaidschan 7,0 0,6 % 868 1,1 %
Kasachstan 39,8 3,2 % 1490 1,8 %
Turkmenistan 0,6 kleiner 0,05 % 198 0,3 %
Usbekistan 0,6 kleiner 0,05 % 114 0,1 %
Gesamt 48,0 3,8 % 2670 3,3 %

Erdölverbrauch Erdölverbrauch in 1.000 Barrel pro Tag Anteil am Erdölverbrauch weltweit
Aserbaidschan 93 0,1 %
Kasachstan 219 0,3 %
Turkmenistan 107 0,1 %
Usbekistan 119 0,1 %
Gesamt 538 0,6 %

Laut EIA lag Kasachstan im Jahr 2006 auf Rang 14 der wichtigsten Netto-Ölexporteure weltweit. Mit über 80 Prozent der regionalen Reserven ist Kasachstan das erdölreichste Land im Kaspischen Raum. Kasachstan liegt im weltweiten Vergleich auf Rang 9 der erdölreichsten Länder. Die Ölproduktion hat sich in Kasachstan in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt: 1997 wurden 536.000 Barrel Öl pro Tag produziert, 2007 waren es knapp 1,5 Millionen Barrel – ein Anteil von 1,8 Prozent an der Ölproduktion weltweit.

In Kasachstan, das die siebenfache Fläche Deutschlands einnimmt, gibt es zwei große Öl- und Gasfelder: Tengiz am Kaspischen Meer und Karachaganak im Norden an der Grenze zu Russland. Weitere Felder werden noch erschlossen. Die Ölexporte gehen je nach Lage der Ölfelder per Pipeline weiter in den Norden nach Russland, in den Osten nach China, ebenso Richtung Westen per Caspian Pipeline Consortium (CPC): Diese Ölpipeline verbindet die Stadt Atyrau mit dem russischen Hafen Novorossijk am Schwarzen Meer, von dort wird das Öl verschifft. Seit 2003 verbindet eine Pipeline das nördliche Ölfeld Karachaganak über die Stadt Atyrua mit der CPC. Außerdem liefert Kasachstan Öl Richtung Süden nach Usbekistan.

2005 importierte die EU über 26 Millionen Tonnen Rohöl aus Kasachstan, das waren über 4 Prozent der Importe insgesamt. Seit 2000 hat sich der Umfang der Öleinfuhren aus Kasachstan fast verdreifacht. 2007 lieferte Kasachstan 7,4 Prozent der Rohölimporte in Deutschland und war damit der fünftwichtigste Ölimporteur, so die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB).

In Aserbaidschan finden sich die Ölvorkommen im Kaspischen Meer. Azeri, Chirag und Guneshli sind allesamt Offshore-Ölfelder. In den letzten 10 Jahren hat sich die Erdölproduktion in Aserbaidschan mehr als vervierfacht, zugleich ist der Ölverbrauch gering und nimmt sogar leicht ab. Auch Aserbaidschan ist ein Netto-Ölexporteur. Für den Export ist die Baku-Tiflis-Ceyhan-Öl-Pipeline (BTC) von zentraler Bedeutung. Die BTC beginnt in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, und führt über Georgien bis zum türkischen Hafen Ceyhan. Die BTC wurde 2006 eingeweiht und war stark umstritten: Die USA unterstützten den Bau, Russland lehnte ihn ab. Aserbaidschan pumpt über Georgien Öl per Pipeline auch zum russischen Hafen Novorossijk. Laut EIA gehen die Öllieferungen Aserbaidschans vor allem nach Russland, Italien, in die Türkei und nach Deutschland. Im Jahr 2007 kamen laut AGEB 2,6 Prozent der deutschen Ölimporte aus Aserbaidschan.

Erdgas

Erdgasre-
serven und Produktion
Erdgasre-
serven in Billionen Kubikmeter
Anteil weltweit Erdgaspro-
duktion in Milliarden Kubikmeter
Anteil an der Erdgasproduktion weltweit
Aserbaidschan 1,28 0,7 % 10,3 0,3 %
Kasachstan 1,90 1,1 % 27,3 0,9 %
Turkmenistan 2,67 1,5 % 67,4 2,3 %
Usbekistan 1,74 1,0 % 58,5 2,0 %
Gesamt 7,59 4,3 % 163,5 5,5 %

Erdgasverbrauch Erdgasverbrauch in Milliarden Kubikmeter Anteil am Erdgasverbrauch weltweit
Aserbaidschan 8,3 0,3 %
Kasachstan 19,8 0,7 %
Turkmenistan 21,9 0,7 %
Usbekistan 45,6 1,6 %
Gesamt 95,6 3,3 %

Laut Internationaler Energieagentur (IEA) war Turkmenistan 2007 der sechstgrößte Gasexporteur weltweit. Die Exporte gingen vor allem nach Russland, die Ukraine sowie in den Iran. Mit 35 Prozent der regionalen Reserven ist Turkmenistan das erdgasreichste Land im Kaspischen Raum. Die Gasproduktion wurde in den vergangenen 10 Jahren vervierfacht: 1997 wurden noch rund 16 Milliarden Kubikmeter Gas produziert, 2007 waren es mehr als 67 Milliarden. Turkmenistan wie auch sein Nachbar Usbekistan verfügen über umfangreiche Gasvorkommen, doch mangelt es an Transportmöglichkeiten.

Ende November 2008 kamen die Präsidenten Turkmenistans, Aserbaidschans und der Türkei zusammen und verhandelten über den möglichen Bau einer Gaspipeline quer durch das Kaspische Meer. Vor allem Turkmenistan würde von solch einer Gaspipeline profitieren, der europäische Gasmarkt würde damit sehr viel näher rücken.

Auch Kasachstan hat seine Gasproduktion in den vergangenen 10 Jahren steigern können, um mehr als das Dreifache. Es bemüht sich um eine Diversifizierung der Exportmöglichkeiten. Eine Produktionssteigerung gab es ebenso in Usbekistan, wenn auch in geringerem Maße. Dennoch hatte Usbekistan im Jahr 2007 einen Anteil von 2 Prozent an der internationalen Gasproduktion. Auch Usbekistan versucht neue Transportwege für das Gas zu erschließen, doch sind die Exportkapazitäten bislang beschränkt. Das Land braucht einen Großteil des geförderten Gas für die heimische Energieversorgung, mit über 26 Millionen Einwohnern ist Usbekistan das bevölkerungsreichste Land im Kaspischen Raum.

Aserbaidschan kurbelte mit dem Gasfeld Shah Deniz im Kaspischen Meer in den letzten Jahren die Gasförderung wieder an: 2002 und 2003 war die Förderung zurückgegangen. Im Jahr 2007 konnte die Gasproduktion wieder kräftig zulegen, und das Land produzierte erstmals deutlich mehr Gas als es verbrauchte. Aserbaidschan exportiert Gas nach Georgien, ebenso über Georgien weiter in die Türkei. Dafür sorgt die Südkaukasus-Pipeline, die parallel zur BTC verläuft. Auch sie beginnt in Baku und führt über Georgien in die Türkei, wo sie noch vor der Hafenstadt Ceyhan in der osttürkischen Stadt Erzurum endet. Es gibt Pläne, die Südkaukasus-Pipeline von dort über den Balkan mit Westeuropa zu verbinden. Doch die Verhandlungen über die so genannte Nabucco-Pipeline sind noch nicht abgeschlossen.

Kohle

Kohlereser-
ven und Produktion
Kohlereser-
ven in Millionen Tonnen
Anteil weltweit Kohleproduktion in Millionen Tonnen Rohöläquivalent Anteil an der Kohleproduktion weltweit
Kasachstan 313000 3,7 % 48,3 1,5 %
Gesamt ≈313000 ≈3,7 % ≈48,3 ≈1,5 %

Kohleverbrauch Kohleverbrauch in Millionen Tonnen Rohöläquivalent Anteil am Kohleverbrauch weltweit
Kasachstan 29,9 0,9 %
Usbekistan 1,4 kleiner 0,05 %
Gesamt ≈31,3 ≈0,9 %

Kasachstan ist das kohlereichste Land im Kaspischen Raum. Das zentralasiatische Land besitzt knapp 4 Prozent der internationalen Reserven und liegt damit auf Rang 8 der kohlereichsten Länder der Welt. Laut IEA war Kasachstan im Jahr 2007 der zehntwichtigste Steinkohle-Exporteur der Welt. Die Exporte gingen vor allem nach Russland und in die Ukraine. Kasachstan ist der zehntwichtigste Produzent von Kohle weltweit, doch die Produktion des Landes lag mit rund 71 Millionen Tonnen Rohöläquivalent im Jahr 1989 höher als heute. Laut EIA fehlt es vor allem an Investitionen in die Förderung. Auch kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu Grubenunfällen.

Nuklearenergie

In den Ländern Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan wird keine Nuklearenergie verbraucht. Kasachstan verfügte in den 1990er Jahren über ein Kernkraftwerk, das stillgelegt wurde. Doch es gibt Überlegungen wieder in die Atomenergie einzusteigen. Kasachstan ist wichtig, wenn es um Uranreserven geht: In dem Land lagern 13 Prozent der gewinnbaren Uranreserven, so die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

Erneuerbare Energien

  Verbrauch an Elektrizität aus Wasserkraft in Terawatt-Stunden (TWh)* Anteil weltweit in Prozent
Aserbaidschan 2,4 0,1 %
Kasachstan 8,0 0,3 %
Usbekistan 6,1 0,2 %
Gesamt 16,5 0,6 %

*Verbrauch basiert auf Bruttoerzeugung ohne grenzüberschreitende Lieferungen

In Aserbaidschan, Kasachstan und Usbekistan wird Wasserkraft zur Energieerzeugung genutzt, doch nur in geringem Maße. In den letzten 10 Jahren verharrte der Wasserkraftverbrauch im Kaspischen Raum fast auf gleichem Niveau.

Erneuerbare Energien (ohne Wasserkraft)

Sonnen- und Windenergie sowie Geothermie spielen bislang keine nennenswerte Rolle für die Energieversorgung im Kaspischen Raum. Obwohl durchaus Potential vorhanden ist. So zum Beispiel in Usbekistan, das mit einer großen Anzahl von Sonnentagen gute Voraussetzungen für Sonnenenerige bietet. Aber auch Windenergie sowie Geothermie ließen sich in den Ländern nutzen.

Quellen

Alle Tabellen: BP Statistical Review of World Energy June 2008

Energy Information Administration, Countryprofiles
http://eia.doe.gov
http://tonto.eia.doe.gov/country/index.cfm

International Energy Agency, Key World Energy Statistics, 2008, PDF (2345 KB) http://iea.org/textbase/nppdf/free/2008/key_stats_2008.pdf

Arbeitsgemeinschaft für Energiebilanzen, Energieverbrauch in Deutschland im Jahr 2007
http://www.ag-energiebilanzen.de

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Kurzstudie Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen 2007 (PDF 7,4 MB) http://www.bgr.bund.de/cln_101/nn_330958/DE/Themen/
Energie/Downloads/Energiestudie__Kurzf__2007,
templateId=raw,property=publicationFile.pdf/
Energiestudie_Kurzf_2007.pdf




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