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Hintergrund aktuell (17.03.2008)
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Gewalt in Tibet eskaliertNach gewaltsamen Zusammenstößen in Tibet versucht China, möglichst wenig
Informationen an die Weltöffentlichkeit dringen zu lassen. Der Dalai Lama
warf Peking "kulturellen Völkermord" vor. Die chinesische Führung will mit
Härte gegen die Demonstranten im von ihnen besetzten Tibet vorgehen.
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Weltweit kam es zu Solidaritäts- kundgebungen für die Tibeter, wie hier im nordindischen Dharamsala. Foto: AP
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Am Montag (10.03.2008) hatten tibetische Mönche mit einem friedlichen
Protestzug in Lhasa an einen Aufstand der Tibeter gegen die chinesischen
Besatzer vor 49 Jahren erinnert. Der Aufstand wurde damals blutig
niedergeschlagen, der Dalai Lama musste nach Indien flüchten. Vieles deutet
darauf hin, dass die chinesische Regierung gewillt ist, auch diesmal die
Proteste der Tibeter gewaltsam zu beenden. Augenzeugen berichten, dass
chinesische Sicherheitskräfte am Freitag (14.03.08) massiv gegen die
Demonstranten vorgingen. Die tibetische Exilregierung in Indien verweist auf
Berichte, wonach das chinesische Militär und Polizeikräfte Lhasa abgeriegelt
hätten. Die Regierung in Peking weist die Vorwürfe zurück. Die Volksarmee
sei lediglich dazu eingesetzt worden, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, nicht
aber um die Proteste zu unterdrücken.
Am Sonntag (16.03.2008) spitzen sich die Unruhen weiter zu. In der
chinesischen Provinz Sichuan sollen tibetische Demonstranten ein
Polizeirevier niedergebrannt haben. China hat daraufhin die
Sicherheitsvorkehrungen noch einmal verschärft: Hilfsorganisationen wurden
ausgewiesen; Touristen dazu angehalten, das Land zu verlassen. Zudem werden
keine Visa mehr für die Region ausgegeben. Journalisten und Hilfsverbände
gehen davon aus, China wolle damit mögliche ausländische Zeugen aus dem Land
ausweisen. Aktuellen Berichten zufolge, rücke die chinesische Armee mit
einem massiven Aufgebot in die Unruhegebiete vor. Auch seien alle Klöster in
der Provinz mittlerweile umstellt. Zudem hatte die chinesische Regierung den
Zugang zum Internetportal Youtube blockiert, wo Filme über die
Ausschreitungen zu sehen waren.
Indes hat die chinesische Regierung den Demonstranten bis Montag um
Mitternacht (17.03.2008) ein Ultimatum gesetzt: Sie sollen sich freiwillig
bei der Polizei melden. Im Gegenzug wurde ihnen eine mildere Strafe in
Aussicht gestellt. Politische Beobachter befürchten jedoch, dass die
chinesische Polizei nach Ablauf des Ultimatums unvermindert zuschlägt und
die Situation weiter eskalieren könnte. Über die genaue Anzahl der Opfer
herrscht bislang Unklarheit. Nach offiziellen chinesischen Angaben kamen
bisher zehn Menschen ums Leben. Tibetischen Angaben zufolge soll es hingegen
mehr als 80 Tote gegeben haben. Trotz der harten Vorgehensweise der
Sicherheitskräfte weiten sich die Proteste auch auf Provinzen in China aus,
in denen mehrheitlich Tibeter wohnen.
Angesichts der jüngsten Entwicklungen hat der Dalai Lama, das geistliche
Oberhaupt der Tibeter, Peking eine Art "kulturellen Völkermord" vorgeworfen.
Aus seinem indischen Exil in Dharmsala appellierte er an die internationale
Gemeinschaft, eine Untersuchung einzuleiten. Nach wie vor würden die Tibeter
als "Bürger zweiter Klasse" behandelt und ihre Kultur unterdrückt. Die
chinesische Führung machte hingegen "reaktionäre separatistische Kräfte" für
die Entwicklungen verantwortlich und rief einen "Volkskrieg gegen den
Separatismus" aus. China wirft dem Dalai Lama vor, die Abspaltung Tibets zu
forcieren.
Die Unruhen haben auch die Frage nach einem möglichen Boykott der
diesjährigen Olympischen Sommerspiele in Peking aufgeworfen. Dagegen haben
sich bislang nicht nur das Internationale Olympische Komitee (IOC), die
Bundesregierung und die EU-Kommission ausgesprochen, sondern auch der Dalai
Lama. Er hofft aber, dass die Welt China daran erinnern werde, ein guter
Gastgeber zu sein. Der Menschenrechts- beauftragte der Bundesregierung Günter
Nooke hatte hingegen in einem Zeitungsinterview unter bestimmten Umständen
ein Boykott als notwendig erachtet. Ähnlich sehen es auch die Exil-Tibeter
in Deutschland sowie Vertreter der verschiedenen Parteien. Grünen-Chefin
Claudia Roth forderte, die Olympischen Spiele als Druckmittel gegen China
einzusetzen. China dürfe nicht hinter der schillernden Fassade der Spiele
permanent Menschenrechtsverletzungen begehen. Als "letztes Mittel" zieht
auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ein Boykott in
Betracht.
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