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Dossier - Die graue Spielzeit

DFB verbietet seinen Vereinen Damenfußball


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Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza
DFB-Präsident Peco Bauwens bei der Übergabe der Meisterschale 1953 an Kaiserlauten. 1955 verbietet der DFB seinen Vereinen den Frauenfußball. (Foto: AP)
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DFB-Präsident Peco Bauwens bei der Übergabe der Meisterschale 1953 an Kaiserlauten. 1955 verbietet der DFB seinen Vereinen den Frauenfußball. (Foto: AP)
Am 30. Juli 1955 folgt der DFB auf seinem Bundestag in Berlin dem Beispiel des Fußballverbandes Niederrhein und verbietet den Damenfußball bundesweit in seinen Reihen. Die Fußball-Herren argumentieren: "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand." (Quelle: dfb.de) Einstimmig beschließt der DFB "aus ästhetischen Gründen und grundsätzlichen Erwägungen" und unter Androhung von Strafe bei Zuwiderhandlung "unseren Vereinen nicht zu gestatten, Damenfußball-Abteilungen zu gründen oder Damenfußball-Abteilungen bei sich aufzunehmen, unseren Vereinen zu verbieten, soweit sie im Besitz eigener Plätze sind, diese für Damenfußballspiele zur Verfügung zu stellen, unseren "Schieds- und Linienrichtern zu untersagen, Damenfußballspiele zu leiten." (DFB Jahrbuch 1955)

Dr. Hubert Claessen, langjähriges DFB-Vorstandsmitglied, ist im Juli 1955 als Delegierter in Berlin dabei und beschreibt den männerbündlerisch-konservativen "Korps-Geist" der Delegierten und ihr "ästhetisches Empfinden": "Das war schon eine schwere Sünde, dass die Mädchen da mit einem wackeligen Busen übers Feld liefen und dann auch noch gegen den Ball traten oder sich gegenseitig foulten. Nach Vorstellungen der alten Herren war das unmöglich. Man wollte einfach keine Damenfußballabteilungen und keine Damenwettbewerbe, weil man sagte, das ist kein Sport, der sich für Frauen eignet, weil der Körper der Frau für den Kampfsport – denn Fußball wurde immer noch als Kampfsport angesehen – weder physisch noch seelisch geeignet ist".(Dr. Hubert Claessen, Interview 1999).

Das Treten ist männlich, das Nicht-Treten weiblich""

Die biologistischen und medizinischen Argumente der DFB-Riege werden von nicht wenigen Medizinern schon damals bestritten. Aber es gibt von Seiten der Medizin und Psychologie auch deftige Argumentationshilfen, die die männliche Sicht der Dinge scheinbar wissenschaftlich untermauern. Der bekannte Psychologe Fred J.J. Buytendijk bringt 1953 eine Studie über das Fussballspiel heraus, die an Geschlechterdiskrimierung kaum zu überbieten ist: "Der Fuß bedeutet aber /.../ treten – eine bestimmte Form der Aggression und eine bestimme Verhaltensweise zum eigenen Körper, Grund und Anlaß für eine demonstrative Männlichkeit und die dazu erforderliche unerbittliche Härte, die manche Rohheit nennen. /../ Im Fußballspiel zeigt sich in spielender Form das Grundschema der männlichen Neigungen und der Wert der männlichen Welt. /.../ Das Fussballspiel als Spielform ist wesentlich eine Demonstration der Männlichkeit. Es ist noch nie gelungen, Frauen Fußball spielen zu lassen. /.../ Das Treten ist wohl spezifisch männlich, ob darum Getretenwerden weiblich ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls ist das Nicht-Treten weiblich." (F.J.J. Buytendijk, 1953. S. 25/26)


04. September 2007

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