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Dossier - Frauenfußball-WM 2007
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Mannschaftsporträt Deutschland |
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Bundestrainerin Silvia Neid will mit ihren Spielerinnen auch in China erfolgreich sein (Foto: AP)
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Deutschlands Fußballfunktionäre haben einen Traum. Die Weltmeisterschaft der Männer war solch ein wunderbares Erlebnis, dass die Sportführer nun gerne auch das Weltturnier der Frauen organisieren würden. Unter dem Motto "Wiedersehen bei Freunden" wurde eine aufwändige Kampagne initiiert, am Ende sollen wieder Franz Beckenbauer und die deutsche Industrie ihre Hebel in Bewegung setzten. "Wir sind sehr optimistisch, die große Begeisterung und tolle Stimmung von 2006 wieder aufs Neue wecken zu können", sagt Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB). Dabei hatte sein Verband noch 1955 verkündet, "dass diese Kampfsportart der Natur des Weibes im wesentlichen fremd ist".
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Zur Person |
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Daniel Theweleit, Jahrgang 1972, arbeitet als Journalist, Autor und Kolumnist für diverse Publikationen wie die Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau oder Spiegel Online. Außerdem ist er in verschiedene fußballkulturelle Projekte involviert und fiebert bei der WM besonders mit den afrikanischen Mannschaften. |  |
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 |  | Weiter hieß es damals beim DFB: "Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden", außerdem verletze es "Schicklichkeit und Anstand", wenn Frauen auf matschigem Rasen grätschen und kämpfen. Bis in die 70er Jahre hinein war es Frauen untersagt, mit Stollenschuhen zu spielen, während bestimmter Phasen kamen ausschließlich Jugendfußbälle zu Einsatz, und über 90 Minuten durchzuhalten, traute man den Frauen auch nicht zu. Nach 80 Minuten wurde abgepfiffen. Noch 1982, als zumindest die formelle Gleichbehandlung in vielen Teilen der Gesellschaft selbstverständlich war, fürchtete Gero Bisanz, der damals die erste Nationalmannschaft zusammenstellte, dass dieser Job seinem Ansehen in der Welt des Männerfußballs schaden könne. Er machte es trotzdem, heute gilt er Pionier.
Man ist geneigt zu glauben, dass derartige Anekdoten der Vergangenheit angehören, doch selbst nach dem WM-Gewinn 2003 setzten Reflexe ein, die auf eine anachronistische Rollenverteilung zurückzuführen sind. Zur medialen Superheldin wurde damals Nia Künzer, die zwar das Golden Goal im Finale erzielte, die über das gesamte WM-Turnier hinweg aber eine weniger bedeutende Rolle als Ersatzspielerin inne hatte. Doch weil Künzer eine hübsche Blondine ist und sich recht eloquent zu verkaufen weiß, stürzten sich die Journalisten auf sie.
Mittelfeldstrategin Renate Lingor sagt dazu betont vorsichtig: "Ich finde es halt schade, dass andere Spielerinnen wie Maren Meinert, die bei der WM 2003 sehr gute Leistungen gebracht hat und von ihrer Art und dem Spielerischen her mitverantwortlich war, dass wir Weltmeister geworden sind, ein bisschen in Vergessenheit geraten." Intern war die Mannschaft dem Vernehmen nach ziemlich verärgert über diese Form der fachlichen Ignoranz, die einem Männerteam so wohl nicht widerfahren wäre.
Und die dicksten Schlagzeilen auf dem Boulevard produzierte der Frauenfußball in den Jahren nach dem Titelgewinn mit einem Eifersuchtsdrama. Es ist bekannt, dass einige der Nationalspielerinnen lesbische Beziehungen führen, die frühere Bundestrainerin Tina Theune-Meyer schrieb schon 1980 in ihrer Diplomarbeit "Einstellungen, Eigenschaften, sportliches Engagement im Damenfußball", dass 20 bis 40 Prozent aller Fußballerinnen lesbisch seien. Nun führte Verteidigerin Linda Bresonik eine Beziehung mit Inka Grings, die sich dann aber in den heutigen Paderborner Zweitligatrainer Holger Fach verliebte und Bersonik verließ. Die Bild-Zeitung titelte: "Das bizarre Liebes-Dreieck des deutschen Fußballs".
Es gab mehrere dieser Fälle von öffentlich gewordenen Liebschaften und Trennungen unter Spielerinnen. Bis heute erreichen die kickenden Frauen besonders in solchen Momenten die ganz breite Öffentlichkeit. Außer natürlich, sie werden gerade Weltmeister. Die großen Turniere gehören daher neben dem DFB-Pokalfinale, das traditionell vor dem Männerendspiel im Berliner Olympiastadion ausgetragen wird, zu den seltenen Momente, in denen das Fußballpublikum tatsächlich auf den Sport fokussiert ist.
Der Alltag sieht da anders aus. Zu den Spielen der Bundesliga kommen häufig nur zwei, dreihundert Zuschauer, bisweilen herrscht eine Stimmung wie in der Bezirksliga bei den Männern. Und das Niveau der Spiele ist durchwachsen. Verglichen mit den 70er und 80er Jahren sind die Verhältnisse trotzdem enorm verbessert. Denn früher spielten die Teams ihre Meisterschaft in Turnierform aus, den ersten deutschen Meister, die TuS Wörrsadt, gab es 1974. Erst 1985 führte der DFB Regional- und Oberligen ein, damit wurden die Spielerinnen mehr gefordert, und der Abonnementsmeister SSG 09 Bergisch Gladbach bekam Konkurrenz vor allem durch den TSV Siegen, FSV Frankfurt und KBC Duisburg. Besonders populär ist die Bundesliga aber bis heute nicht, und die Schere zwischen den Fähigkeiten von Spitzenspielerinnen und einer durchschnittlichen Bundesligaspielerin geht oft gewaltig auseinander.
10. September 2007 |
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Die graue Spielzeit
1955 verbietet der Deutsche Fußball-Bund seinen Mitgliedsvereinen den Frauenfußball. In den Augen des Verbands gilt der Fußballsport als "unweiblich" und "nichtfraugemäß". Erst 1970 ändert sich die Einschätzung, am 31. Oktober wird das Verbot aufgehoben. |
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Geschichte des Frauenfußballs
Von der Weimarer Republik bis zum Gewinn der Europameisterschaft 2005: Frauenfußball musste in Deutschland viele Hürden nehmen, um akzeptiert zu werden. |
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Chronologie des Frauenfußballs
Die Chronologie zeigt die Entwicklung des Frauenfußballs in Europa und speziell in Deutschland und der DDR auf. Der Zeitraum reicht von 1894 bis 2005. |
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