Dossierbild Migration

Deutsche Migrationsgeschichte seit 1871


15.3.2005
Seit den 1880er-Jahren wuchs in Deutschland der Bedarf an Arbeitskräften immens an. Über 1,2 Millionen "ausländische Wanderarbeiter" waren kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland beschäftigt. Damals begannen Unternehmen und Behörden zunehmend, ausländische Zwangsarbeiter zu beschäftigen.

Die Geschichte Deutschlands ist nicht erst seit Bestehen der Bundesrepublik durch Zu- und Abwanderungen als Massenbewegungen geprägt. Deutsche gingen über die Jahrhunderte als Arbeits-, Siedlungs-, Heirats-, Wohlstand- und Kulturwanderer in großer Zahl ins Ausland, ebenso wie Ausländerinnen und Ausländer nach Deutschland kamen. Hinzu traten vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts millionenfache Zwangswanderungen während und im Gefolge der beiden Weltkriege. Die folgenden Beiträge beleuchten das Wanderungsgeschehen und die Migrationspolitik von 1871 bis 1950.

Bis Ende des Ersten Weltkriegs



Seit den 1880er-Jahren wuchs in Deutschland der Bedarf an Arbeitskräften immens an. Damals benötigte die expandierende Industrie weitaus mehr Arbeitskräfte als natürlicher Bevölkerungszuwachs und Land-Stadt-Wanderungen boten. Über 1,2 Millionen "ausländische Wanderarbeiter" (vor allem Polen) waren kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland beschäftigt. Die Migranten wurden stark kontrolliert und eine dauerhafte Einwanderung war nicht erwünscht. Im Ersten Weltkrieg begannen Unternehmen und Behörden zunehmend, ausländische Zwangsarbeiter zu beschäftigen.

Zwischenkriegszeit



In der Weimarer Republik sank die Zahl der ausländischen Arbeitsmigranten deutlich. Gleichzeitig gewannen Zwangswanderungen (Flucht, Umsiedlung, Vertreibung) erheblich an Bedeutung für das Migrationsgeschehen nach 1918. Mehr als zehn Millionen Menschen mussten in Europa nach den Friedensverträgen unfreiwillig die Grenzen überschreiten. Berlin wurde zeitweilig zum europäischen Zentrum der russischen Emigranten, die vor der Revolution in Russland und dem dort tobenden Bürgerkrieg geflohen waren.

Nationalsozialismus



Die größten Migrationsbewegungen des 20. Jahrhunderts, meist in Form von Flucht, Vertreibung sowie Deportation zur Zwangsarbeit, fanden von 1933 bis 1945 statt: Hunderttausende Juden und politisch Verfolgte emigrierten in den Jahren vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. In den Kriegsjahren wurde Deutschland zum Zentrum und Motor von europaweiten Zwangswanderungen. Zehn, vielleicht sogar 12 Millionen ausländische Zwangsarbeiter wurden in der deutschen Kriegswirtschaft beschäftigt. Gleichzeitig wurde in Ost- und Ostmitteleuropa systematisch eine Ansiedelung von "Volksdeutschen" betrieben, während die einheimische Bevölkerung deportiert oder ermordet wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg



Über zwölf Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene sowie rund zehn bis zwölf Millionen "Displaced Persons", ehemalige Zwangsarbeiter und ausländische KZ-Insassen mussten nach dem Ende des Krieges eine neue Heimat finden bzw. repatriiert werden. Bis 1950 war der größte Teil der "Displaced Persons" in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt oder nach Übersee ausgewandert. Die Integration der Vertriebenen in das massiv zerstörte, verkleinerte und übervölkerte Nachkriegsdeutschland schien dagegen zunächst kaum lösbar.



 
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