Metin Kaplan - Dossierbild Islamismus
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Essay: Rettet Europa!


15.8.2007
Europa steht vor gewaltigen Aufgaben: Es muss die Fehlentwicklungen wie Parallelgesellschaften und Bildungsarmut korrigieren. Und es muss zur intellektuellen Reformation des Islams beitragen, meint Günther Lachmann.

Amsterdamer Straße, auf der für den ermordeten niederländischen Filmemacher Theo Van Gogh in einem abgegrentzten Bereich Blumen niedergelegt wurden. Ein älterer Herr geht im Vordergrund daran vorbei. Ein angeblicher islamischer Extremist wurde im Zusammenhang mit dem Mord festgenommen.Viele Menschen legten anlässlich der Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh am Ort seiner Tötung Blumen nieder. (© AP)

Es ist an der Zeit, der Vernunft das Wort zu reden in einer Welt, in der sich die Unvernunft in Form islamisch-religiöser Verblendung, gesellschaftspolitischer Blauäugigkeit und des Kulturrelativismus' breit gemacht hat. Dazu braucht es, zugegeben, zuweilen eine gehörige Portion Mut und Standfestigkeit. Denn die Gefahr, falsch verstanden und sodann heftig angegangen zu werden, ist immens. Dabei ist fast egal, ob man Grundrechte wie Bildung oder die Gleichberechtigung der Geschlechter einfordert oder einen byzantinischen Kaiser zitiert, wie dies Papst Benedikt XVI. am 12. September 2006 in seiner Ansprache "Glaube, Vernunft und Universität – Erinnerungen und Reflexionen" in der Aula der Universität Regensburg getan hat.

Oft genug sehen sich die Vertreter der Vernunft sofort einer bedrohlichen muslimischen Aggression gegenüber. Diese wird geschürt durch politische und geistliche Führer. Es sind allesamt Männer, die den Mob auf die Straßen treiben, den Hass auf den Westen befeuern und so den Konflikt zwischen den islamischen Ländern und dem Westen weiter verschärfen wollen. Sie wollen Angst verbreiten und ihre Kritiker mundtot machen. Und oft genug gelingt ihnen das sogar.

Ein Beispiel ist die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ates. Über viele Jahre war die Tochter türkischer Gastarbeiter Diffamierungen und Verunglimpfungen ausgesetzt, weil sie sich für die Reche muslimsicher Frauen einsetzte. Schließlich wurde sie gar von einem muslimischen Mann in einem Berliner U-Bahnhof angegriffen. Daraufhin gab sie resigniert - wenn auch nur für kurze Zeit - ihre Anwaltszulassung zurück.

Ein weiteres Beispiel ist die Absetzung der Mozart-Oper Idomeneo vom Spielplan der Deutschen Oper Berlin. Da erstellte das Landeskriminalamt auf der Grundlage eines anonymen Anrufs einer Theaterbesucherin eine Gefährdungsanalyse. Ein solches Vorgehen, wenn es denn stimmt, ist schon schlimm genug. Aber mit der daraufhin erfolgten Absetzung der Oper sendete die Leitung des Hauses ein Signal panischer Angst an die Islamisten. Ihr allein aus der Furcht heraus begründeter vorauseilenden Gehorsam bot der Welt einen bestürzenden Akt beispielloser gesellschaftlicher Selbstzensur.

Dieser bestärkt all jene, die heimlich mit dem Mörder des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh sympathisieren, die auf ihren Internetseiten die Bombenanschläge in Spanien und Großbritannien bejubeln, die zum Mord an der aus Somali stammenden Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali aufrufen und nach dem Ritterschlag für den Schriftsteller Salman Rushdie erneut dessen Tod einfordern.

Wir müssen uns ernsthaft fragen: Wollen wir uns wirklich bange machen lassen von dem Geschrei, das nach einer Kulturveranstaltung, einer Papst-Rede oder einem Ritterschlag über uns hereinbrechen kann? Sollen wir uns selbst der Freiheit des Wortes, der Meinung und des Diskurses berauben, nur weil da einige Leute unverschämte Dinge sagen und sich ungehörig benehmen?

Ich bin sicher, dass wir das nicht wollen. Wie könnten wir auch. Schämen müssten wir uns vor den zahllosen Frauen und Mädchen, die auch heute noch die Repressionen eines pathologischen Glaubensverständnisses erleiden. Schämen müssten wir uns vor diesen Opfern einer Körper und Seele verletzenden Gewalt, die oft so viel mehr als wir zu schätzen wissen, dass Freiheit nicht alles, aber ohne Freiheit nichts ist.



 

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