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"Sophie Scholl – Die letzten Tage"

Sophie Scholl als Filmheldin

Kirsten Schulz
Wohl kaum einer Person aus dem antifaschistischen Widerstand ist so viel Aufmerksamkeit im deutschen Film zuteil geworden wie der Münchner Studentin Sophie Scholl,
Filmstill aus Michael Verhoevens "Die Weiße Rose"
Filmszene aus Michael Verhoevens "Die Weiße Rose". © Weltvertrieb im Filmverlag der Autoren und Futura Film GmbH
die 1943 wegen ihrer Zugehörigkeit zur "Weißen Rose" hingerichtet wurde. Dabei spielte sie innerhalb dieser Gruppe eine eher marginale Rolle. Vordenker und Initiatoren waren ihr Bruder Hans und dessen Freund Alexander Schmorell. Doch Sophie Scholl übt als einzige Frau innerhalb der Kerngruppe und zudem als jüngstes Mitglied offenbar eine besondere Faszination aus: Was trieb diese junge Frau von 21 Jahren an, gegen das NS-Regime aktiv zu werden und damit ihr Leben aufs Spiel zu setzen?

Bereits 1982 erschien "Die Weiße Rose" von Michael Verhoeven mit Lena Stolze in der Hauptrolle. Der Film behandelt die Zeit von Mai 1942, als Sophie zum Studium nach München zieht und dort die Freunde ihres Bruders kennen lernt, bis zu ihrer Hinrichtung im Februar 1943. Verhoeven erzählt chronologisch die Ereignisse dieser zehn Monate nach. Er berichtet etwa von den Erfahrungen, die die Männer in der Wehrmacht und Sophie in einer Munitionsfabrik machen, vom Aufbau eines oppositionellen Netzwerks sowie von den gefährlichen Aktionen der Gruppe.

Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Figur der Sophie Scholl. Ziel des Films war es, Anfang der 1980er-Jahre über die "Weiße Rose" zu informieren und dem Mythos, die Mitglieder seien todessehnsüchtige Schwärmer gewesen, entgegenzuwirken. Verhoeven versucht, die Motive und Einflüsse für den Weg in den Widerstand zu verdeutlichen, zeigt auch kontroverse Diskussionen zwischen den Mitgliedern, geht jedoch dabei inhaltlich nicht sehr in die Tiefe. Der Film löste 1982 eine heftig geführte, öffentliche Debatte aus, weil Verhoeven – zu Unrecht – im Abspann darauf hinwies, dass die Scholl-Urteile des Volksgerichtshofes noch Bestand hätten.

Um die Geschichte der "Weißen Rose" und Sophie Scholl geht es auch in "Fünf letzte Tage",
Filmszene aus "Fünf letzte Tage"
Grossansicht des Bildes
Filmszene aus "Fünf letzte Tage" von Percy Adlon, © pelemele FILM&Stage GmbH
den Percy Adlon ebenfalls 1982 und mit der gleichen Hauptdarstellerin realisierte. Der Film ist jedoch als Kammerspiel angelegt und beschreibt die Tage zwischen Inhaftierung und Hinrichtung. Aus der Sicht von Sophies Zelleninsassin Else Gebel erzählt Adlon von den letzten Lebenstagen der Widerstandskämpferin und entwirft so die Charakterstudie einer jungen Frau im Angesicht des Todes.


Als Charakterstudie kann auch Marc Rothemunds "Sophie Scholl – Die letzten Tage" gelten, der im Februar 2005 in die Kinos kam. Die Handlung beginnt am Abend vor der riskanten Verteilaktion in der Universität, nach der die Geschwister Scholl verhaftet werden. Herzstück des Films ist das tagelange Verhör bei der Gestapo, inszeniert als bedrückendes Kammerspiel zwischen Sophie Scholl und dem Vernehmungsbeamten.
Filmszene aus "Sophie Scholl - die letzten Tage"
Grossansicht des Bildes
Hans und Sophie Scholl: Filmszene aus "Sophie Scholl - die letzten Tage". © X-Verleih
Das Verhör entwickelt sich zu einem Rededuell, bei dem Sophie Scholl – trotz ihrer ausweglosen Lage – unerschütterlich zu ihren weltanschaulichen und ethischen Überzeugungen steht und selbstlos die Schuld auf sich lädt, um ihre Freunde zu schützen. Sie rettet nicht ihr eigenes Leben, dafür aber ihre Werte und ihre Unabhängigkeit. Im Vergleich zu dem Bürokraten Mohr, der pflichtbewusst seine Arbeit verrichtet und die nationalsozialistische Ideologie zu seiner eigenen gemacht hat, erscheint die junge Frau als moralische Lichtgestalt, die sich von einem unmenschlichen System nicht verbiegen lässt. Diese Haltung verliert Sophie Scholl im Film auch nicht während der Verhandlung vor dem Volksgerichtshof und auf ihrem Weg zum Schafott.

Für das Drehbuch von "Sophie Scholl – Die letzten Tage" konnten die Verhörprotokolle der Gestapo genutzt werden, die bis 1989 unzugänglich in den Archiven der DDR lagerten. Dies verleiht dem Film eine besondere Authentizität, wobei eingerechnet werden muss, dass sich das Drehbuch auch dramaturgische Freiheiten herausnimmt. So zitiert Sophie im Film beispielsweise fast wörtlich Sätze aus dem sechsten Flugblatt, was in den Protokollen nicht festgehalten ist.


20. April 2005


 
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Redaktion
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Sophie Scholl - Die letzten Tage
Sophie Scholl - Die letzten Tage
Zivilcourage und Kompromisslosigkeit kennzeichneten Sophie Scholls Geisteshaltung bis zuletzt – bis heute steht ihr Widerstand sinnbildlich für die Notwendigkeit, sich gegen Unrecht und Unmenschlichkeit aufzulehnen.
Sophie Scholl - Die letzten Tage

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