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Informationen zur politischen Bildung (Heft 269)

Armut in der Wohlstandsgesellschaft


Rainer Geißler
Inhalt

Einleitung

Einkommensarmut

Risikogruppen

Obdachlose und Wohnungslose

Armut auf Zeit

Soziale und psychische Folgen

Einleitung
Das Problem, was Armut ist, wer zu den Armen gehört, welche Lebensumstände als Leben in Armut bezeichnet werden sollen, ist unter Sozialwissenschaftlern, Sozialarbeitern und Politikern umstritten. Einig ist sich die Armutsforschung über drei Aspekte der Armut:
Armut in der Bundesrepublik ist keine absolute, sondern relative Armut. In anderen Worten: Armut ist in entwickelten Gesellschaften keine Frage des physischen Überlebens mehr - wie noch in vielen Ländern der Dritten oder Vierten Welt -, sondern eine Frage eines angemessenen Lebens; die Armutsgrenze wird nicht durch ein physisches, sondern durch ein soziokulturelles Existenzminimum markiert.
Armut wird als interkulturell und historisch relative Erscheinung begriffen: Was Armut ist, variiert interkulturell von Gesellschaft zu Gesellschaft und historisch von Zeitabschnitt zu Zeitabschnitt. So definiert der Rat der Europäischen Union verarmte Personen als "Einzelpersonen, Familien oder Personengruppen, die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist". Was in einer Gesellschaft als "annehmbares Minimum" angesehen wird, verändert sich im Laufe der Zeit mit dem Wandel der Lebensverhältnisse in der Gesamtgesellschaft. Festlegungen dieser Art beruhen auf gesellschaftlichen bzw. politischen Mehrheitsmeinungen und werden nicht von allen Parteien, Wissenschaftlern oder Gesellschaftsmitgliedern geteilt.
Armut ist mehrdimensional: Sie ist nicht nur ein ökonomisch-materielles, sondern gleichzeitig auch ein soziales, kulturelles und psychisches Phänomen. Ökonomische und materielle Unterversorgung ist gekoppelt mit der Versagung von allgemein anerkannten Lebenschancen in wesentlichen Bereichen der menschlichen Existenz, das heißt dem weitgehenden Ausschluss von der Teilnahme am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben.
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09. Februar 2012
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Inhalt
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Sozialer Wandel in Deutschland
Editorial
Struktur und Entwicklung der Bevölkerung
Materielle Lebensbedingungen
Rolle der Eliten in der Gesellschaft
Armut in der Wohlstandsgesellschaft
Lebenssituation ethnischer Minderheiten
Bildungsexpansion und Bildungschancen
Geschlechtsspezifische Ungleichheit
Modernisierung
Facetten der modernen Sozialstruktur
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