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Energiepolitische Debatten
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Dezentrale Stromerzeugung wird an Bedeutung gewinnen |  |
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Vier Fragen an Dierk Bauknecht |
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Schon mehrere Dörfer in Deutschland versorgen sich selbst mit Energie aus Biomasse und/oder Windkraft. Manche Gemeinden sind sogar autark. Wie bewerten Sie solche Modelle?
Erneuerbare Energien sind oft dezentrale Ressourcen, und entsprechend können dezentrale Akteure wie Kommunen eine wichtige Rolle dabei spielen, diese Ressourcen zu erschließen. Kommunale Stadtwerke sind seit langem ein wichtiger Bestandteil der deutschen Stromwirtschaft und entscheidend für die Entwicklung des Wettbewerbs. Häufig haben sich Kommunen ganz oder teilweise aus der Stromversorgung zurückgezogen. Umso erfreulicher ist es, wenn neue Initiativen entstehen. Auch haben sich die meisten Stadtwerke bislang darauf konzentriert, Strom von der Übertragungsnetzebene zu den Verbrauchern durchzuleiten. Selten sind sie aktiv geworden, um die dezentralen Ressourcen in ihrem Netzgebiet zu erschließen.
Die Vision einer Versorgung mit erneuerbaren Energien kann eine wichtige strategische Bedeutung haben, viele Kräfte mobilisieren und nicht zuletzt auch finanziell attraktiv sein. Doch das Hauptziel sollte nicht die autarke Energieversorgung einzelner Dörfer sein, sondern die möglichst effiziente Entwicklung erneuerbarer Ressourcen insgesamt.
Sind solche dezentralen Versorgungsnetze, die auf regenerative Energien setzen, deutschlandweit möglich und wünschenswert?
Es ist sicherlich deutschlandweit möglich und wünschenswert, dezentrale Akteure in der Stromerzeugung zu stärken. Mit einem zunehmenden Anteil der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien und in Kraft-Wärme-Kopplung nimmt auch der Anteil der Kraftwerke zu, der an die Verteilnetze angeschlossen ist. Damit wächst die Bedeutung der Verteilnetze: Strom wird nicht mehr einfach nur von Großkraftwerken zu den Kunden durchgeleitet, sondern in den Verteilnetzen wird Strom vor Ort erzeugt und der Stromverbrauch gesteuert. Gerade für kleine Gemeinden dürfte es aber sehr schwer sein, unter den gegebenen Rahmenbedingungen die Netze zu übernehmen und selbst zu betreiben.
Nicht sinnvoll sind schließlich autarke Netze im Sinne der Abkopplung vom übergeordneten Netz. Dazu müssten Stromerzeugung und -verbrauch vor Ort jederzeit ausgeglichen werden. Dieser Aufwand wäre nicht gerechtfertigt und die Vorteile eines überregionalen Stromverbundes gingen verloren, die gerade auch den erneuerbaren Energien zugute kommen.
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Zur Person |
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Dierk Bauknecht Dierk Bauknecht ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut e.V. Zu seinen Schwerpunkten zählt u.a. die Netzregulierung und die Integration dezentraler Stromerzeugung sowie die Entwicklung von Strommarktmodellen. Das Öko-Institut ist eine unabhängige Forschungs- und Beratungseinrichtung mit drei Standorten in Freiburg, Darmstadt und Berlin.
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Auch die Kraft-Wärme-Kopplung kann dezentral genutzt werden. Seit 2002 wird sie durch das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz gefördert. Welches Potential steckt in der KWK als dezentrale Lösung?
Die Entwicklung der erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung sollte bei der Gestaltung eines nachhaltigen Energiesystems Hand in Hand gehen. Die KWK kann auch deshalb eine wichtige Rolle spielen, weil sie insgesamt besser steuerbar ist als die oftmals wetterabhängige und daher fluktuierende Erzeugung aus erneuerbaren Energien.
Zwar können auch Großkraftwerke in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden, was bei neuen Kraftwerken, wo immer möglich auch genutzt werden sollte. Allerdings liegen große Potenziale der KWK gerade in der dezentralen Nutzung. Denn so kann die Wärme am besten in der Nähe der Wärmeverbraucher erzeugt werden. Wichtig ist aber eine verlässliche Förderung der KWK. In vielen Fällen wird auch der Aufbau von Wärmenetzen notwendig sein.
Kann mit vielen dezentralen Lösungen die Energieversorgung deutschlandweit gesichert werden?
Die dezentrale Stromerzeugung wird an Bedeutung gewinnen. Damit wächst auch die Bedeutung der Betreiber der Verteilnetze. Allerdings werden auch zentrale Großkraftwerke weiterhin eine Rolle spielen, nicht zuletzt weil die Stromerzeugung in Windkraftwerken und Offshore-Windparks meist keine dezentrale Stromerzeugung darstellt.
Eine Dezentralisierung der Stromversorgung bedeutet also nicht, dass künftig wieder autarke Systeme betrieben werden, die nicht miteinander gekoppelt sind – so wie es zu Beginn der Entwicklung der Stromversorgung bereits einmal der Fall war. Dezentralisierung wird vielmehr einhergehen mit einer stärkeren Integration dezentraler Systeme mit zentralen Strukturen. Dabei werden moderne Kommunikationstechnologien eine zentrale Rolle spielen.
Wie sich eine solche Entwicklung auf die Versorgungssicherheit auswirkt, ist noch weitgehend offen. Eine Herausforderung ist, wie mit der zeitlich unregelmäßigen und kaum steuerbaren Stromerzeugung vieler erneuerbarer Energien – ob dezentral oder zentral – umgegangen werden kann.
08. Januar 2009 |  |
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