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Dossier - Frauenfußball-WM 2007

DFB-Frauen hoffen auf Titelverteidigung


Matthias Koch

Der Empfang ist bestellt. Am Montagabend wird die deutsche Nationalmannschaft der Frauen so oder so auf dem Frankfurter Römer empfangen. "Selbst im Falle einer Niederlage haben sich das die Mädchen verdient", sagt Theo Zwanziger. Der DFB-Boss rechnet am Sonntag (14 Uhr MESZ) im WM-Finale von Schanghai jedoch mit einem Erfolg gegen den Herausforderer Brasilien – auch weil sein Glücksbringer bislang so prächtig geholfen hat. Überall holt Zwanziger sein Amulett hervor, das er vom Chen Huaifeng geschenkt bekommen hat. Der Fahrer vom lokalen Organisationskomitee in Schanghai ist inzwischen fast schon ein kleiner Medienstar.

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Die DFB-Frauen gehen als Favoriten in das WM-Finale. Foto: Matthias Koch
Für die ganz großen Schlagzeilen müssen die DFB-Frauen jedoch selbst sorgen. Hat Brasilien durch den in dieser Höhe überraschenden 4:0-Halbfinalsieg gegen Rekordweltmeister USA den DFB-Stab aus dem Gleichgewicht gebracht? Nein. DFB-Chef Zwanziger posierte zwei Tage vor der Partie im Hongkou-Stadium für die Fotografen bei einem Tischtennismatch gegen Reservespielerin Anja Mittag. Die Potsdamerin verlor alle fünf Sätze und musste Zwanziger auch noch ein Paar Turnschuhe leihen.

Gegen die Brasilianerinnen, für die das erstmalige Erreichen des WM-Finales nach der olympischen Silbermedaille 2004 in Athen der größte Erfolg im Frauen-Fußball darstellt, sollte sich Deutschland aber nicht mit den eigenen Waffen schlagen lassen. Wie schon gegen die torgefährlichen Spielerinnen Kelly Smith (England) und Ragnhild Gulbrandsen (Norwegen) verzichtet Bundestrainerin Silvia Neid auf eine Manndeckung gegen Marta, obwohl die trickreiche Brasilianerin derzeit mit sieben Treffern beste Torschützin der Titelkämpfe in China ist.

"Es macht keinen Sinn, Marta in Sonderbewachung zu nehmen", glaubt Silvia Neid. "Allein kann das keine Spielerin schaffen. Wir müssen immer wieder doppeln." Annike Krahn aus Duisburg dürfte es sicher einige Male mit Marta zu tun bekommen. Unfaire Mittel schließt die erst durch die Verletzung von Sandra Minnert ins Team gerückte Verteidigerin aus. Krahn: "Ich hoffe einfach, dass ich mich nicht so ausspielen lassen werde wie die Amerikanerinnen."

Im Prinzip dürfte gegen die Brasilianerinnen die gleiche Startelf wie in den letzten so erfolgreichen Wochen auflaufen. Ein Fragezeichen steht allerdings noch hinter dem Einsatz von Melanie Behringer. Die Freiburgerin war im Halbfinale gegen Norwegen (3:0) schon vor der Pause wegen einer Wadenverletzung verletzt ausgeschieden. Für Behringer dürfte im Falle des Falles wieder Fatmire Bajramaj aus Duisburg einspringen.

Torhüterin Nadine Angerer, die gerade einmal ihr erstes großes internationales Turnier bestreitet, könnte sich im Laufe des Finales unsterblich machen. Freunde der Statistik haben die 67. Minute des WM-Endspiels im Blick. Sollte Deutschland dann bei dieser WM noch immer kein Gegentor kassiert haben, knackt Angerer auch den Männerrekord von Walter Zenga. Der Italiener musste bei der WM 1990 in Italien 517 Minuten lang nicht hinter sich greifen. "Das ist mir egal. Eigentlich weiß ich das nur, weil mich Journalisten darauf ansprechen", sagt "Natze" Angerer zu diesem Thema. "Außerdem ist die ganze Mannschaft für unsere starke Defensive verantwortlich. Von mir aus können wir auch 3:2 gewinnen."

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Nadine Angerer und Silvia Neid: "Unsere Abwehr steht." Foto: Matthias Koch
Keiner weiß, wie die deutsche Elf auf einen eventuellen Rückstand reagieren würde. "Die Gefahr, mal ein 0:1 hinnehmen zu müssen, besteht natürlich. Aber lasst uns doch über etwas anderes sprechen", rief Bundestrainerin Neid den Journalisten im blank geputzten Mannschaftshotel Hua Ting Hotel & Towers zu. "Unsere Abwehr steht doch."

Neben der größeren Erfahrung gibt es noch andere Dinge, die für Deutschland sprechen. Von den Halbfinalisten haben nur die DFB-Elf und die USA einen geregelten Turnierablauf hinter sich. Brasilien beispielsweise musste wegen des Taifuns "Wipha", der die FIFA zu mehreren Spielverlegungen veranlasste, verspätet die Vorrunde beenden. Auch nach dem Halbfinaleinzug am Donnerstag in Hangzhou und dem Umzug nach Schanghai am Freitag ist die Regenerationszeit gegenüber Deutschland anderthalb Tage geringer.

Die Brasilianerinnen kennen sich auch im Endspielort Schanghai nicht aus. Bislang spielten sie immer wo anders. Für die DFB-Frauen ist die 19-Millionen-Metrolole dagegen fast schon ein Stück Heimat. "Wir waren schon zwei Wochen in der Anfangszeit der WM hier. Die Frauen haben dieselben Zimmer bezogen. Hier schmeckt uns das Essen am besten", klärte Bundestrainerin Neid auf. "Brasilien muss sich erst mal zurechtfinden."

Tore für den zweiten deutschen WM-Titel nach 2003 garantiert das noch lange nicht. Aber die derzeitige Mannschaft, die spätestens nach den Olympischen Spielen 2008 vor dem Umbruch steht, scheint momentan sehr gefestigt zu sein. Hoffnungsvolle Talente wie Simone Laudehr, Melanie Behringer und Annike Krahn reifen an der Seite der erfolgsverwöhnten Routiniers Birgit Prinz, Renate Lingor, Kerstin Garefrekes und Kerstin Stegemann zu Stammkräften der Zukunft heran. "Wenn wir unsere Leistung bringen, weiß ich nicht, wer uns schlagen sollte", meinte die Frankfurterin Renate Lingor vor dem Finale gegen Brasilien. Und selbst wenn es doch nicht mit der Titelverteidigung klappen sollte, gibt es vielleicht 2011 in Deutschland die nächste Chance. Der DFB fiebert neben dem Endspiel in Schanghai auch der Vergabe der 6. Frauen-WM am 30. Oktober in Zürich entgegen.


 
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