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Debatte um Position Irans

Iran und Israel


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Peter Philipp
Mit der Islamischen Revolution fanden diese enge Beziehungen ein jähes Ende: Die engsten Verbündeten des Schah waren nun die größten Feinde: Die USA wurden als der "große Satan" verteufelt, Israel als der "kleine Satan". Teheran versuchte, enge Beziehungen mit anderen Schiiten, aber auch mit sunnitischen Regimen und Gruppen in der Region anzuknüpfen und hierbei kam ihm die offen zur Schau getragene Feindschaft gegenüber Israel sehr vonstatten: Denn über jede andere Meinungsverschiedenheit hinweg waren sich beide Gruppen in Nahost viele Jahre lang einig in ihrer Ablehnung Israels.

Gleichzeitig entsprach die Ablehnung Israels durch die "Islamische Republik" allerdings auch dem tief sitzenden Gefühl der Schmach, das sich in der muslimischen Welt insgesamt breit gemacht hatte, nachdem Israel gegründet worden war und sich auch noch in allen Kriegen hatte den Versuchen erwehren können, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und den Staat zu vernichten, den man als illegalen "Vorposten des Westens" im Orient und damit als westliche Provokation empfand. Ein Gefühl, das von vielen Iranern geteilt wurde, die zwar wenig Mitgefühl für die Palästinenser hatten, noch weniger aber für die vermeintliche Kolonie der USA, die als Ausbund westlicher "Arroganz" empfunden werden.

In seiner aggressiven Rhetorik liegt aber Ahmadinejads Kardinalfehler: Indem er den Holocaust in Frage stellt und ihn als "Lüge der Zionisten" bezeichnet, die Israel als Druckmittel gegenüber der Welt diene, begibt er sich so sehr in die Nachbarschaft rechtsradikaler und antisemitischer Gruppen wie Ideologen, dass er den Vorwurf des Antisemitismus damit förmlich provoziert. Antisemitismus dürfte freilich kaum hinter der offen gezeigten Feindschaft stecken: Obwohl der größte Teil der einst florierenden jüdischen Gemeinde des Landes seit der Revolution geflohen ist, lebt im Iran weiterhin eine jüdische Restgemeinde ohne nennenswerte Einschränkungen ihrer Rechte. Sie sind – wie andere Minderheiten auch – im Parlament vertreten, haben ihre eigenen Gotteshäuser wie auch ein eigenes Krankenhaus und die Behörden schauen inzwischen sogar meist weg, wenn iranische Juden Verwandte in Israel besuchen fahren – zumindest, solange sie dies nicht an die große Glocke hängen.

Der iranische Präsident weiß nur zu gut, dass antiisraelische Erklärungen in der muslimischen Welt noch besser ankommen als Kritik an den USA. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Ägypten und Jordanien längst mit Israel Frieden geschlossen haben, die PLO mit Israel verhandelt – wenn auch bisher erfolglos – und selbst Teherans engster Freund in der arabischen Welt – Syrien – von Zeit zu Zeit betont, es sei zu Friedensverhandlungen mit Israel bereit. Auf der Straße herrscht weiterhin das Bild der "Zionistischen Weltverschwörung" vor, die Schuld sei an allem Übel. Selbst an den Terroranschlägen des 11. September. Ahmadinejad bedient diese Vorurteile und Ressentiments – in der nicht unbegründeten Hoffnung, damit an Popularität und Einfluss in der muslimischen Welt zu gewinnen.

Umfragen bestätigen ihn darin: Der libanesische "Hisbollah"-Führer Nasrallah und Ahmadinejad sind seit einiger Zeit die populärsten Figuren in der muslimischen Welt. Beide beziehen diese Popularität vor allem aus ihrer virulenten Ablehnung Israels. Und so sehr "Hisbollah" sich auch als innerlibanesische Partei und Widerstandsbewegung präsentiert: Wenn Nasrallah über Israel und den Nahostkonflikt spricht, dann klingt es wie bei Ahmadinejad - es könne keine Lösung des Konflikts geben, bevor Israel nicht verschwunden sei. Auch die Parole, "Hisbollah" wolle "Jerusalem befreien" muss ähnlich verstanden werden wie die Worte Khomeinis und Ahmadinejads über das "Besatzungsregime in Jerusalem": Mit "Befreiung" ist nicht "Regimewechsel" gemeint, sondern Zerstörung. Und "Jerusalem" steht stellvertretend für das ganze "Heilige Land" – "Palästina" für die einen, "Eretz Israel" für die anderen. Keine ungewöhnliche Sprache übrigens: Auch die Juden sprechen von "Zion" und meinen damit weder den einen Berg in Jerusalem, noch die Stadt insgesamt, sondern das ganze Land.


21. April 2008

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