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Media-Analyse ma 2010 Radio I
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Neue Hörer hat das Land |

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von Horst Müller
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Bei den am Mittwoch veröffentlichten Hörerzahlen der deutschen Radiosender gab es fast nur Gewinner. Mit Steigerungsraten von bis zu 75 Prozent sind die Reichweiten vieler Sender regelrecht "explodiert". Ein Grund: Demoskopen fanden mit der Berücksichtigung von "deutschsprachigen Nicht-EU-Ausländern" eine neue Möglichkeit, die Reichweitendaten zu erhöhen. Da diese Zielgruppe jetzt erstmals bei der Ermittlung der Nutzungsdaten berücksichtigt wurde, weist die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse explizit darauf hin, dass die Zahlen nur bedingt mit früheren Erhebungen vergleichbar sind.
10. März 2010. Selbst erfahrene und über viele Jahre erfolgreiche Radiomacher bekennen offen: Vor Bekanntgabe der MA-Zahlen schnellt regelmäßig der Adrenalinspiegel kräftig nach oben. John Ment, Frühmoderator und stellvertretender Programmdirektor von Radio Hamburg beschrieb gegenüber Hoerfunker.de seinen Zustand unmittelbar vor Veröffentlichung der Radiozahlen so: "Ich krampfe, werde ein Fall für 'Dr. House', bin unendlich aufgeregt und versuche, mich irgendwie abzulenken." Der Morgenmann des Hamburger Privatsenders kann sich diesmal schnell wieder beruhigen. Bei der am Mittwoch veröffentlichten ma 2010 Radio/I konnte Radio Hamburg gegenüber den im Juli 2009 veröffentlichten Zahlen seine Hörerschaft in der Durchschnittsstunde (Montag-Samstag, 06.00-18.00 Uhr) von 179.000 auf 192.000 - also um 7,3 Prozent steigern.
Exorbitante Steigerungsraten
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Die Gewinner der ma 2010 Radio/1 in Prozentzahlen gesehen.
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Dennoch gehört der Hamburger Sender diesmal nicht zu den "großen Gewinnern" der Media-Analyse für den Hörfunk. Der Stuttgarter Privatsender "Die Neue 107.7" steigerte seine Hörerzahlen gar um 74,5 Prozent, "Jam FM Berlin" legte um 65,2 Prozent zu und die hessische Oldiewelle "Harmony FM" kann sich über 65,2 Prozent mehr Hörer freuen. Insgesamt konnten laut den jetzt veröffentlichten MA-Daten sieben Sender die Zahl ihrer Hörer um mehr als 50 Prozent steigern, allerdings ausnahmslos Stationen, die deutlich weniger als 100.000 Hörer in der Durchschnittsstunde aufweisen.
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Die Gewinner der ma 2010 Radio/1 in Hörerzahlen.
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Aber auch bei größeren landesweiten Privatsendern und öffentlich-rechtlichen Regionalprogrammen gab es diesmal Steigerungsraten, wie sie in diesem Umfang nie zuvor in der Media-Analyse verzeichnet wurden. Für "1Live", die Jugendwelle des WDR werden diesmal 947.000 Hörer in der Durchschnittsstunde ausgewiesen und damit 162.000 mehr als noch beim letzten Mal. Mit einem Zuwachs von 147.000 Hörern konnte "Antenne Bayern" die Marktführerschaft im Freistaat gegen das BR-Programm "Bayern 1" zurückerobern und ist gleichzeitig der meistgehörte Einzelsender in ganz Deutschland. Insgesamt steigerten acht Programme ihre Hörerzahlen um mehr als 50.000 in der Durchschnittstunden, darunter auch "WDR 2" (plus 127.000), "SWR 3" (plus 77.000) und "NDR 2" (plus 73.000).
Sender, die dagegen Hörer verloren, sind diesmal die Ausnahme. Von den in der MA-Radio insgesamt 102 ausgewiesenen öffentlich-rechtlichen und privaten Programmen, weisen lediglich 11 Sender weniger Hörer auf, als bei der letzten Media-Analyse. Dazu halten sich die meisten Verluste in Grenzen. Mit einem Rückgang von 22,7% traf es diesmal "Energy Sachsen" am härtesten.
Datenerhebung per Telefon noch zeitgemäß?
So sehr sich Deutschlands Hörfunker auch über den ausgesprochen positiven Ausgang der Hörerumfrage diesmal freuen mögen - die Zweifel an der Zuverlässigkeit der MA-Ergebnisse werden angesichts der exorbitanten Steigerungsraten wachsen. Während die Nutzung des Fernsehens tagesaktuell elektronisch von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelt wird und sich der Erfolg von Printmedien in verkauften Auflagen bemessen lässt, ist das Radio bislang auf Telefonumfragen angewiesen. Für die gerade veröffentlichte Media-Analyse Radio 2010/I wurden bundesweit rund 66.000 dieser "Computer-Assisted-Telephone-Interviews" (kurz CATI) mit repräsentativ ausgewählten Personen geführt und ausgewertet. Dabei müssen die Probanden in 15 Minutenschritten in einer Art fiktivem Tagebuch angeben, welchen Sender sie jeweils am Vortag gehört haben.
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| Auch Radio Gong aus München konnte seine Hörerzahlen wieder steigern.
Zum 25. Geburtstag moderieren Prominente beim Münchener Lokalsender.
Hier "Bully und Rick". Foto: Gong 96,3 |
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 |  | Doch können sich die in der Media-Analyse Interviewten tatsächlich an ihre Medien- und Radionutzung vom Vortag detailliert erinnern, wenn sie am Telefon dazu befragt werden? Der Medienforscher und Verlagsberater Wolfgang J. Koschnick äußerte bereits vor Jahren ernsthafte Zweifel: "Viele Leute hören sowieso einfach Radio und machen sich gar keine Gedanken, welcher Sender das ist. Und selbst dann: Wer weiß noch, welchen Sender er in der einen Viertelstunde zwischen drei und vier Uhr gestern Nachmittag eingeschaltet hatte als er mit dem Auto unterwegs war?"
Mobile Endgeräte steigern Radionutzung
Eine Erklärung für den unerwartet hohen Anstieg der Hörerzahlen ist diesmal, dass bei der ma 2010 Radio/I erstmals auch deutschsprachige Nicht-EU-Ausländer, vorwiegend türkischer Herkunft, befragt wurden. In den Ergebnissen der Umfrage wird diesmal das Radionutzungsverhalten von insgesamt 73,7 Millionen Menschen abgebildet, das sind immerhin 3,8 Millionen - oder 5,4 Prozent mehr - als noch bei der letzten Media-Analyse. Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse wies deswegen schon im Vorweg darauf hin, dass "aufgrund der Erweiterung der Grundgesamtheit die Reichweiten der aktuellen ma 2010 Radio/I naturgemäß nicht direkt vergleichbar mit denen früherer Erhebungen sind."
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Lutz Kuckuck leitet die Gattungsinitiative "RADIOZENTRALE".
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Einen weiteren Grund für den sprunghaften Anstieg der Radionutzung sieht Lutz Kuckuck, Geschäftsführer des Branchenverbandes "Radiozentrale" in der "zunehmenden Radionutzung am Computer sowie auf mobilen Endgeräten wie dem iPhone, insbesondere durch jüngere Hörer". Weitere Gründe für die guten Ergebnisse will Kuckuck in den nächsten Tagen auf Basis von Detailauswertungen noch ermitteln lassen. Eine Alternative zur Media-Analyse und den derzeitigen Erhebungsmethoden sieht der Radioexperte in absehbarer Zeit allerdings nicht: "Die MA wird noch eine Weile die gültige Währung für das Radio sein." |
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Media-Analyse Radio |
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ma Radio - wichtigste Währung für Hörfunker
Zwei mal im Jahr (März und Juli) veröffentlicht die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. (ag.ma) Daten zur Radionutzung der deutschsprachigen Bevölkerung ab 10 Jahren. Mit Hilfe der MA-Daten plant die Werbewirtschaft die Verteilung der Werbegelder. Weitere Informationen zur Methode unter www.agma-mmc.de |
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