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Geschichte
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Die alltägliche Gegenwart der kolonialen Vergangenheit |
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| Joshua Kwesi Aikins |
Mohrenstrasse und Reichskanzlerpalais
Im Reichskanzlerpalais fand 1884 die "Berliner Konferenz" statt. Auf Einladung des Reichskanzlers Bismarck trafen sich die Diplomaten der europäischen Kolonialmächte, um den "scramble for Africa" zu beenden: Unter Verwendung einer meterhohen Afrikakarte wurde der Kontinent unter Europäern aufgeteilt. Zusammengehörige Völker wurden so willkürlich über verschiedene "Staaten" verteilt, verfeindete in einem "Staat" zusammengepfercht.
Lord Salisbury, der britische Delegationsleiter auf der Berliner Konferenz, gab später in einem Interview mit der London Times am 7 August 1890 zu: "[We] have been engaged in drawing lines upon maps where no white man's foot ever trod, we have been giving away mountains and rivers and lakes to each other, only hindered by the small impediment that we never knew exactly where the mountains and rivers and lakes were."
Die völlig willkürlichen Grenzen gelten größtenteils noch heute. So unterschiedliche Konflikte wie im Sudan und in Westsahara, aber auch der Schariah-Streit in Nigeria
sowie der Ressourcenkrieg in der DR Kongo lassen sich auch auf diese Grenzziehung zurückführen. Die europäische Grenzziehung in Afrika kann nicht als alleinige, muss aber als eine wesentliche Konfliktursache angesehen werden.
Die Tatsache, dass Marmor aus dem zerstörten Reichskanzlerpalais nach dem Zweiten Weltkrieg passenderweise im U-Bahnhof Mohrenstrasse verbaut wurde, symbolisiert einmal mehr die unbequemen Zusammenhänge und Kontinuitäten deutscher Geschichte.
Der "Hererostein"
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"Herero-Stein" am Columbiadamm © Joshua Aikins
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Die in den Kolonien getöteten deutschen Besatzer wurden mit Denkmälern für ihren "Heldentod" (Zitat vom "Herero-Stein" am Columbiadamm) geehrt. Die am Völkermord an den Herero Beteiligten "ehren" mit einem Denkmal auf dem Garnisonsfriedhof ihre "Kameraden". Wie lebendig dieses "Heldengedenken" bis heute ist, zeigt ein Gedenkkranz, der am Volkstrauertag 2002 am Hererostein niedergelegt wurde (Foto): Die Banderole zeigt die Flagge des deutschen Kolonialbundes. Während die Mörder geehrt werden, wird über die Ermordeten geschwiegen. In Berlin gibt es kein Denkmal, das an die mehr als 50.000 von Deutschen ermordeten Herero erinnert.
30. Juli 2004 |
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