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Konfliktporträts

Nord-Uganda


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Lioba Lenhart

Nach mehr als 20 Jahren Bürgerkrieg entspannt sich die Lage in Nord-Uganda. Seit Beginn von Friedensverhandlungen mit der Regierung hat sich die Lord's Resistance Army (LRA) in die Nachbarstaaten Sudan, Kongo und Zentralafrikanische Republik zurückgezogen. Ein Friedensvertrag wurde bisher nicht unterzeichnet.

Im Oktober 2009 verbrannte die Armee Ugandas ca. 3500 illegale Waffen, die sie LRA-Rebellen und Kriminellen in ganz Uganda abgenommen hatte. Foto: AP
Im Oktober 2009 verbrannte die Armee Ugandas ca. 3500 illegale Waffen, die sie LRA-Rebellen und Kriminellen in ganz Uganda abgenommen hatte. Foto: AP
Aktuelle Konfliktsituation

In Nord-Uganda gab es seit Beginn von Verhandlungen zwischen der ugandischen Regierung und der Lord's Resistance Army (LRA) kaum noch Übergriffe. Die LRA hat sich in die Nachbarländer zurückgezogen. Die Unterzeichnung eines Friedensvertrages scheiterte jedoch 2008 am Nichterscheinen des LRA-Führers Joseph Kony. Die Flüchtlingslager wurden 2009 offiziell aufgelöst. Die Heimkehr der Flüchtlinge ist von neuen, teilweise gewaltsamen Konflikten begleitet, die sich nun um die Landverteilung drehen. Auch besteht die Furcht vor einer Rückkehr der LRA fort.

Zur Person
Lioba Lenhart
Lioba Lenhart, geb. 1967, ist seit 2009 Dozentin am Institute of Peace and Strategic Studies (IPSS) der Gulu University in Uganda. Zuvor arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethnologie der Universität zu Köln (1999 – 2008). Zwischen 2006 und 2008 führte sie eine ethnologische Feldforschung zu Konfliktbearbeitung, Versöhnungsarbeit und Friedensentwicklung in Nord-Uganda durch.

Seither richtet die LRA ihre Aktionen gegen die Bevölkerung in Süd-Sudan und Ost-Kongo. Die Massaker in Ost-Kongo waren im Dezember 2008 Auslöser einer gemeinsamen Offensive Ugandas, Süd-Sudans und der DR Kongo, die von den USA geheimdienstlich und logistisch unterstützt wurde. Im Januar 2009 gelang es, die LRA-Stützpunkte auszuheben, woraufhin die LRA-Führung in die angrenzende Zentralafrikanische Republik ausgewichen sein soll. Von dort wird nun ebenfalls von Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung berichtet.

Ursachen und Hintergründe

1988 begannen in Nord-Uganda die Kämpfe zwischen der LRA und der ugandischen Armee (UPDF), die bis 2006 andauerten.
Uganda
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Uganda
Karte: CIA The World Factbook

In dieser Zeit wurden schätzungsweise 30.000 Kinder und Jugendliche von der LRA entführt, als Soldaten zwangsrekrutiert und sexuell versklavt. Zehntausende Zivilisten wurden getötet, verstümmelt, gefoltert oder vergewaltigt. Auch die UPDF beging Verbrechen an der Zivilbevölkerung. Die Infrastruktur der Region wurde zerstört und 1,6 Mio. Flüchtlinge drängten sich unter menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern.

Die LRA begründete ihre Aktionen damit, die Regierung stürzen und damit die politische Teilhabe und Entwicklung des Nordens erreichen zu wollen. Sie verband ihren Widerstand gegen die Regierung mit der spirituellen Mission, die Acholi – die größte ethnische Gruppe in der Region – zu "reinigen". Dabei wurden christliches Gedankengut und tradierte Überzeugungen verschmolzen. Die Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung wurden als Vergeltungsmaßnahmen gegen vermeintliche Regierungskollaborateure sowie mit fehlender Unterstützung des Kampfes um eine "erneuerte" Acholi-Gesellschaft gerechtfertigt. Welche Ziele die LRA heute in Süd-Sudan, Ost-Kongo und der Zentralafrikanischen Republik verfolgt, ist unklar.

Die Regierung betrachtete den Konflikt lange Zeit als ein "Problem des Nordens", das die Stabilität und Entwicklung des ganzen Landes bedrohe und deshalb militärisch entschieden werden sollte. Der Konflikt wurzelt in der kolonialen Arbeitsteilung des Landes. Die Briten rekrutierten die Bewohner des Nordens für das Militär und einfache Arbeiten. Dagegen fanden die Menschen aus Zentral-Uganda in spezialisierten Wirtschaftsbereichen und im Erziehungswesen Beschäftigung. Dieses Nord-Süd-Gefälle verfestigte sich mit der Machtübernahme durch den aus dem Südwesten stammenden Präsidenten Museveni im Jahr 1986. Seine Regierung unternahm wenig, um aus der multiethnischen Bevölkerung eine Nation zu schaffen. Die primär aus dem Süden stammenden Eliten betrachten Uganda in erster Linie als eine "Nation der Bantu" und stellen die nilotischen Acholi als ein Volk dar, das sich im Vergleich zum Süden nur schwer integrieren lasse.

Der Konflikt wurde zusätzlich von divergierenden politischen, territorialen und weltanschaulichen Interessen des muslimischen Nordens und christlichen Südens des Sudan sowie der USA als zentralem nicht-afrikanischen Akteur in der Region geschürt.

Bearbeitungs- und Lösungsansätze

Seit langem bemühten sich neben Regierungsvertretern und Acholi-Parlamentariern auch zivilgesellschaftliche Kräfte in Nord-Uganda (kulturelle und religiöse Führer sowie lokale NROs) um eine friedliche Lösung. Sie werden von Initiativen in der Acholi-Diaspora sowie von Geberländern, internationalen NROs, Mediatoren und UN-Organisationen unterstützt. Vertreter der ugandischen Friedensinitiativen und der internationalen Gemeinschaft nahmen beratend an den Friedensverhandlungen teil und bemühen sich heute, doch noch einen Friedensvertrag zu erreichen. Zudem engagieren sie sich für die Reintegration früherer LRA-Kämpfer in die lokalen Gemeinschaften, die Rückkehr der Vertriebenen auf ihr Land und den Wiederaufbau der Infrastruktur und des Wirtschafts-, Erziehungs- und Gesundheitssystems.


17. Dezember 2009

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