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Konfliktporträts
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Nord-Uganda |
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| Lioba Lenhart |
| Trotz des Scheiterns der Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der Lord’s Resistance Army (LRA) ist die Lage in Nord-Uganda ruhig. Die LRA hat die Region verlassen und richtet ihre Aktionen seither gegen die Zivilbevölkerung in Süd-Sudan, Ost-Kongo und der Zentralafrikanischen Republik.
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| Im Oktober 2009 verbrannte die Armee Ugandas ca. 3500 illegale Waffen, die sie LRA-Rebellen und Kriminellen in ganz Uganda abgenommen hatte. Foto: AP |
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Aktuelle Konfliktsituation
Nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen der ugandischen Regierung und der Lord’s Resistance Army (LRA) hat sich die LRA in benachbarte Länder zurückgezogen. Die Mehrheit der Bevölkerung Nord-Ugandas, die bis 2008/09 in Lagern für Binnenvertriebene lebte, ist in ihre früheren Siedlungen zurückgekehrt. Die Heimkehr der Flüchtlinge wird von neuen, teilweise gewaltsamen Konflikten begleitet, die sich nun um die Landverteilung drehen. Auch das Ausmaß häuslicher Gewalt hat erheblich zugenommen.
Die LRA richtet ihre Aktionen seither gegen die Zivilbevölkerung in Süd-Sudan, Ost-Kongo und der Zentralafrikanischen Republik. Nach Massakern im Osten Kongos im Dezember 2008 starteten Uganda, Süd-Sudan und die DR Kongo mit geheimdienstlicher und logistischer Unterstützung der USA eine gemeinsame Offensive gegen die LRA im Kongo. Nachdem im Januar 2009 die dortigen LRA-Stützpunkte ausgehoben wurden, soll die LRA-Führung in die angrenzende Zentralafrikanische Republik ausgewichen sein. Unbestätigten Berichten zufolge hielt sich die LRA-Spitze zeitweise auch in Dafur auf. Im Oktober 2011 entsandten die USA Spezialeinheiten in die Region, um die Regierungen und Armeen der betroffenen Länder zu beraten und zu unterstützen.
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Zur Person |
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Lioba Lenhart Lioba Lenhart, geb. 1967, ist seit 2009 Dozentin am Institute of Peace and Strategic Studies (IPSS) der Gulu University in Uganda. Zuvor arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethnologie der Universität zu Köln (1999 – 2008). Zwischen 2006 und 2008 führte sie eine ethnologische Feldforschung zu Konfliktbearbeitung, Versöhnungsarbeit und Friedensentwicklung in Nord-Uganda durch.
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 |  | Ursachen und Hintergründe
1988 begannen in Nord-Uganda die Kämpfe zwischen der LRA und der ugandischen Armee (UPDF), die bis 2006 andauerten. In dieser Zeit wurden schätzungsweise 30.000 Kinder und Jugendliche von der LRA entführt, als Soldaten zwangsrekrutiert und sexuell versklavt sowie zehntausende Zivilisten getötet, verstümmelt, gefoltert oder vergewaltigt. Auch die UPDF beging Verbrechen an der Zivilbevölkerung. Die Infrastruktur der Region wurde zerstört und 1,6 Millionen Flüchtlinge drängten sich unter menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern.
Die LRA begründete ihre Aktionen damit, die Regierung stürzen und damit die politische Teilhabe und Entwicklung des Nordens erreichen zu wollen. Sie verband ihren Widerstand gegen die Regierung mit der spirituellen Mission, die Acholi – die größte ethnische Gruppe in der Region – zu "reinigen". Dabei wurden christliches Gedankengut und traditionelle Überzeugungen verschmolzen. Die Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung wurden als Vergeltungsmaßnahmen gegen vermeintliche Regierungskollaborateure sowie fehlende Unterstützung des Kampfes um eine "erneuerte" Acholi-Gesellschaft gerechtfertigt. Dem gegenüber betrachtete die Regierung den Konflikt lange Zeit als ein "Problem des Nordens", das die Stabilität und Entwicklung des ganzen Landes bedrohte und deshalb militärisch entschieden werden sollte. Welche Ziele die LRA heute verfolgt, nachdem sie Nord-Uganda verlassen hat, ist unklar.
Der Konflikt in Nord-Uganda wurzelt in der kolonialen Arbeitsteilung des Landes. Die Briten rekrutierten die Bewohner des Nordens für das Militär und einfache Arbeiten. Dagegen fanden die Menschen aus Zentral-Uganda in spezialisierten Wirtschaftsbereichen und im Erziehungswesen Beschäftigung. Dieses Nord-Süd-Gefälle verfestigte sich mit der Machtübernahme durch den aus dem Südwesten stammenden Präsidenten Museveni 1986, dessen Regierung wenig unternahm, um aus der multiethnischen Bevölkerung eine Nation zu schaffen.
Bearbeitungs- und Lösungsansätze
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Uganda
Karte: CIA The World Factbook
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Seit langem bemühten sich neben Regierungsvertretern und Acholi-Parlamentariern auch zivilgesellschaftliche Kräfte in Nord-Uganda (kulturelle und religiöse Führer sowie lokale NROs) um eine friedliche Lösung. Sie wurden von Initiativen in der Acholi-Diaspora sowie von Geberländern, internationalen NROs, Mediatoren und UN-Organisationen unterstützt. Vertreter der ugandischen Friedensinitiativen nahmen beratend an den Friedensverhandlungen teil. Sie sprachen sich gegen die Intervention des ICC aus und plädierten stattdessen für eine Kombination von nationalem Recht und traditionellen Verfahren, um LRA-Kombattanten zur Rechenschaft zu ziehen und gleichzeitig zu Versöhnung und sozialer Reintegration beizutragen. Sie bemühen sich auch heute noch, einen Friedensvertrag zu erreichen. Zudem engagieren sie sich für die Reintegration früherer LRA-Kämpfer in die lokalen Gemeinschaften, die Rückkehr der Vertriebenen auf ihr Land und den Wiederaufbau der Infrastruktur und des Wirtschafts-, Erziehungs- und Gesundheitssystems.
06. Dezember 2011 |
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Informationen zur politischen Bildung |
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Afrika – Länder und Regionen
Afrikas Vielfalt und Afrikas Gemeinsamkeiten: Ein Überblick mit Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft erschließt die fünf Großräume des Kontinents und Länder, die für ihre Region charakteristisch oder besonders bedeutsam sind. |
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