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Entwicklungstrends

Umfang der weltweiten Migration

Dr. Steffen Angenendt
Derzeit leben nach Schätzungen internationaler Organisationen mehr als 190 Millionen Menschen befristet
Weltbevölkerung: Geschätzter Anteil der Migranten und Nicht-Migranten 1950-2050 © bpb
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Weltbevölkerung: Geschätzter Anteil der Migranten und Nicht-Migranten 1950-2050 © bpb
oder dauerhaft in anderen Ländern. Dies entspricht einem Anteil von knapp 3 Prozent an der Weltbevölkerung. Dieser Anteil ist nicht nur absolut gesehen niedrig (und liegt weit unter der von den Bürgern der Industriestaaten üblicherweise geschätzten Größenordnung). Trotz der Dynamik der wirtschaftlichen Globalisierungist er in den vergangenen vier Jahrzehnten nur unwesentlich gestiegen. Dies bestätigt zwei grundlegende Erkenntnisse der Migrationsforschung:
  • Menschen bleiben oft selbst bei schlechten oder katastrophalen Lebensbedingungen in ihrem Heimatland; es ist also meist ein starker Anreiz oder Druck nötig, um sie zur Migration oder Flucht zu bewegen;
  • Migranten und Flüchtlinge gehören in der Regel nicht zu den Armen und Ungebildeten. Meist sind es aktive, sich nicht ihrem Schicksal ergebende Menschen. Sie können überdies die (für jede Migration notwendigen) finanziellen Mittel aufbringen und verfügen meist über familiäre oder ethnische Verbindungen ins Zielland.
Zuwanderung, Abwanderung, Wanderungssaldo

Noch schwerer als die Schätzung der Zahl der Migranten und Flüchtlinge, die in anderen Ländern leben, fällt die Schätzung
Asylbewerber in den Industriestaaten 1992-2001 - Top 10 - Quelle: UNHCR
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Asylbewerber in den Industriestaaten 1992-2001 © migrations-info.de
der jährlich neu zuwandernden Migranten und Flüchtlinge. Weltweit beträgt ihre Zahl derzeit vermutlich mehr als 12 Millionen Menschen, von denen 7 bis 8 Millionen in die entwickelten Industriestaaten zuwandern, ein Drittel davon allein in die USA. Die Schwellenländer nehmen pro Jahr einen weiteren großen Teil der restlichen 4 bis 5 Millionen Zuwanderer auf.

Bei der Analyse der Zuzüge muss beachtet werden, dass es auch Fortzüge gibt. Diese Tatsache wird in der politischen Debatte oft übersehen, und als Folge wird mit überhöhten Zahlen argumentiert. Aus der Differenz zwischen Zu- und Fortzügen ergibt sich der durchschnittliche jährliche Wanderungssaldo. In Deutschland beispielsweise wanderten im Durchschnitt der Jahre 2002 bis 2006 rund 750.000 Menschen zu (wovon 80 Prozent Ausländer waren), gleichzeitig aber auch 640.000 Menschen ab (davon 78 Prozent Ausländer). Der Wanderungssaldo, in diesem Fall die Nettozuwanderung, betrug daher etwa 110.000 Menschen.

Im Rückblick auf die Entwicklung der weltweiten Wanderungssalden zeigt sich, dass die wirtschaftlich entwickelten Weltregionen schon seit dem Jahr 1960 Wanderungsgewinne aus den weniger entwickelten Weltregionen verzeichnen und dass diese beständig zugenommen haben. In den 1990er Jahren betrug der Wanderungsgewinn der Industrieländer im Durchschnitt 2,6 Millionen Menschen pro Jahr. Die UN-Bevölkerungsabteilung schätzt, dass die Wanderungssalden im laufenden Jahrzehnt annähernd gleich bleiben werden und dass bis zum Jahrzehnt 2040-2050 vor allem die wirtschaftlich am schwächsten entwickelten Staaten Wanderungsverluste verzeichnen werden.


01. Juni 2009


 
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