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Sophie Scholl und Die Weiße Rose

Gnadengesuch der Eltern Scholl

 
Robert und Lisa Scholl
München, den 22. Februar 1943

Betrifft: Gnadengesuch für Hans und Sofie Scholl und Christoph Probst.

An den
Volksgerichtshof
z.Zt. München 35

Wir, die Eltern, der beiden zum Tode Verurteilten Geschwister Scholl kamen heute hierher, um unsere beiden Kinder zu besuchen. Zu unserem Entsetzen erfuhren wir, dass bereits die Verhandlung gegen unsere Kinder vor dem Volksgerichtshof stattfand.

Wir bitten, die so schwere Strafe in eine Freiheitsstrafe umzuwandeln. Dadurch ist unsern Kindern und dem anderen Angeklagten doch noch die Möglichkeit geboten, sich in Zukunft als nützliche Glieder der Volksgemeinschaft zu erweisen. Bei unseren Kindern handelt es sich um arglose Idealisten, die noch nie in ihrem Leben irgend jemand etwas Unrechtes zugefügt haben. Sowohl in der Schule waren sie als beste Schüler immer wohl gelitten und auch nachher haben sie überall ihre Pflicht erfüllt. Was das jetzige Unglück über sie herbeigeführt hat, ist allein der Umstand, dass sie weltanschaulich andere Ideale hegten, als es heute gut ist. Die Erregung meiner Kinder ist vielleicht auch dadurch etwas verständlich, dass der Bräutigam unserer Tochter Sophie als aktiver Hauptmann in Stalingrad lag.

Wir bitten doch zu berücksichtigen, dass es sich bei den Verurteilten noch um blutjunge Menschen ohne Lebenserfahrung handelt. Unsere Familie hatte innerhalb der letzten Jahre schwere Schicksalsschläge durchzumachen. Der Ernährer der Familie kam wegen einer unbedachten, unter vier Augen einer vertrauten Angestellten gegenüber, gemachten Äusserung vor das Sondergericht. Daraufhin wurde ihm dann die Zulassung zu seinem Beruf entzogen und dadurch die Existenzgrundlage für die ganze Familie genommen. Da die Familie unter sich sehr verbunden ist, liessen sich die Geschwister Scholl in eine Erbitterung hineinsteigern, die wahrscheinlich das Motiv ihrer jetzigen Verfehlungen bildetete.

Unserem Sohn Hans hat während seiner aktiven Militärdienstzeit sein Schwadronchef H. Rittmeister Skubin in Stuttgart-Cannstadt das Zeugnis ausgestellt, er sei der beste Soldat seiner Schwadron. Unser jüngster Sohn Werner liegt als Gefreiter im Mittelabschnitt der Ostfront. Er kam vorgestrigen Samstag überraschend zu einem dreiwöchigen Heimaturlaub nach Hause. Auch für ihn ist es furchtbar, was er jetzt über seine beiden so geliebten Geschwister heute erfahren musste. Er war auch bei der Gerichtsverhandlung zugegen und schliesst sich als Frontsoldat gleichfalls dem Gnadengesuch an.

Durch eine Begnadigung wäre unserem Sohn Hans die Möglichkeit geboten, sich freiwillig an die Ostfront zu melden. Er stand während des Westfeldzugs im Jahre 1940 an der Seite des Obersten SA-Arztes von Deutschland im Felde. Dieser war begeistert von ihm, und nannte ihn nur seinen "Schatten". Soviel wir wissen, steht er auch heute noch mit ihm im Briefwechsel. Seine militärische Führung, sowie seine militärische Qualifikation seiner jeweiligen Dienstvorgesetzten sind ein Beweis dafür, dass er seine ganze Person einsetzte, um sich als echt Deutscher zu erweisen und dies auch in Zukunft stets tun würde. Gleichzeitig bitten wir um eine Sprecherlaubnis für unsere beiden Kinder Hans und Sofie Scholl.

Robert Scholl
Vater

Lisa Scholl
Mutter

Werner Scholl
Bruder u. Gefr. der Einheit Feldpost-
nummer: 32 063.


Quelle: BArch, ZC 13267/Bd.12

Rechtschreibfehler aus dem Originaldokument wurden beibehalten


20. April 2005


 
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Redaktion
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Ravensbrück – Überlebende erzählen
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