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Burschenschaften als Refugium für intellektuelle Rechtsextremisten |
| Gabriele Nandlinger |
National oppositionelle Verbandsbrüder Von rechtsextremer Seite aus gesehen, haben Auftritte bei burschenschaftlichen Abenden eine wichtige Funktion, da sie "als Band zwischen Burschenschaften einerseits und nationaler Opposition andererseits" dienen könnten, führt das nordrhein-westfälische Innenministerium den ehemaligen NPD-Chefideologen Jürgen Schwab an. Schwab (Ex-Mitglied der "Akademischen Burschenschaft Thessalia zu Prag", Bayreuth sowie der "Akademischen Burschenschaft Germania", Graz) hält eine engere Zusammenarbeit mit den Verbindungen für sinnvoll: "So sind in nahezu allen DB-Verbindungen Verbandsbrüder anzutreffen, die in irgendeiner Form national oppositionell sind. Der Verfasser zählt sich auch zu diesem nicht kleinen Personenkreis." (Jürgen Schwab, zitiert nach NRW-Innenministerium, Die Neue Rechte in Deutschland).
Eine ganze Reihe von rechtsextremen Funktionären sind beziehungsweise waren Mitglieder studentischer Verbindungen, beispielsweise neben anderen: Stefan Rochow, seit November 2002 amtierender Vorsitzende der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten und Fraktionsassistent der NPD in Sachsen, ist Mitglied der Gießener Burschenschaft "Dresdensia Rugia". Auch der Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion und Autor des NPD-Blattes 'Deutsche Stimme', Arne Schimmer, sowie der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel gehören beziehungsweise gehörten der Gießener Burschenschaft an. Einem Bericht des Hessischen Rundfunks zufolge hat die "Dresdensia Rugia" die Aufmerksamkeit des Verfassungsschutzes auf sich gelenkt. So habe das hessische Landesamt "den Eindruck gewonnen, dass es eine echte Zusammenarbeit zwischen der NPD und der Burschenschaft gibt." Stefan Rochow sowie das JN-Bundesvorstandsmitglied Mathias Rochow tummeln sich auch bei der "Burschenschaft Rugia Greifswald". Szeneprominentes Mitglied dort ist der Rechtsextremist und "Reichsbürger" Rigolf Henning aus Verden in Niedersachsen, der sich wegen Volksverhetzung mehrfach vor Gericht verantworten musste. In den Reihen der "Marburger Burschenschaft Rheinfranken" ist Björn Clemens aktiv, bis Ende vergangenen Jahres stellvertretender Bundesvorsitzender der Republikaner, der sich nach seinem kürzlich erfolgten Parteiaustritt jetzt auf der Suche nach einer rechtsextremen Heimat befindet.
Vorsitzende der "Deutschen Burschenschaft" ist für den Zeitraum 2006/07 die "Innsbrucker Burschenschaft Brixia". Im 'Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus' wird die "Brixia" als "akademische Vorfeldorganisation des Rechtsextremismus" eingestuft. Die Funktion des "Schriftleiters" der von der DB vierteljährlich herausgegebenen "Burschenschaftlichen Blätter" übt mit Herwig Nachtmann ein "Verbandsbruder" der "Brixia" aus. Nachtmann, wegen Verstoßes gegen das NS-Wiederbetätigungsgesetz gerichtskundig, nahm 1981 als Angehöriger der "Kameradschaft der ehemaligen Südtiroler Freiheitskämpfer" beim Begräbnis des Hitler-Nachfolgers Dönitz teil.
Als Pressesprecher des Dachverbands "Deutsche Burschenschaft" amtiert seit Sommer 2006 Norbert Weidner, der der "Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn" sowie der "Akademischen Burschenschaft Carolina zu Prag" in München angehört. Der heute 34-jährige Weidner war bis Mitte der 1990er Jahre sehr engagiert in der Neonazi-Szene. Weidner zählte zum Führungszirkel der militanten Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei, die 1995 vom Bundesinnenministerium als verfassungsfeindliche Organisation verboten wurde, und war Vorstandsmitglied der heute noch bundesweit aktiven "Hilfsgemeinschaft für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V.".
Aktive Rechtsextremisten in burschenschaftlichen Verbindungen sind eine Minderheit. Und auch nur vereinzelt sind Burschenschaften zu Beobachtungsobjekten von Verfassungsschutzbehörden geworden. Aber bei einer Reihe von Bünden lassen sich doch gewisse Affinitäten zur extrem rechten Szene feststellen. Wenn Burschenschaften Rechtsextremisten zu Vorträgen einladen oder in einschlägigen Blättern Anzeigen schalten, lässt dies gegenseitige Sympathien durchaus erkennen − und ist der Reputation der rechtsextremen Szene in diesen Kreisen jedenfalls förderlich.
23. April 2007 |
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