Erde

Überfall auf die Sowjetunion

Am 22. Juni 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Ein beispielloser Vernichtungskrieg begann.

Zwei deutsche Soldaten vor dem brennenden Dach eines Gebäudes im Oktober 1941.Zwei deutsche Soldaten vor dem brennenden Dach eines Gebäudes im Oktober 1941. (© Bundesarchiv, Bild 101I-268-0154-11, Foto: Böhmer)

Am 22. Juni 1941 begann der Überfall des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion. Adolf Hitler stilisierte das "Unternehmen Barbarossa" - benannt nach dem deutschen Kaiser und Kreuzfahrer Friedrich I. - zu einem "Weltanschauungskrieg." Es wurde ein beispielloser Vernichtungskrieg.

Die Propaganda des Dritten Reiches versuchte den Überfall als einen Präventivschlag gegen die unmittelbare Bedrohung durch den "jüdischen Bolschewismus" darzustellen. Doch für Hitler war der Feldzug im Osten von Beginn an als Auseinandersetzung zweier Weltanschauungen konzipiert. Im Vordergrund standen die Eroberung von "Lebensraum" sowie die wirtschaftliche Ausbeutung der eroberten Gebiete und der dort lebenden Menschen als Zwangsarbeiter.

Der sowjetische Diktator Josef W. Stalin hatte, trotz eindeutiger Hinweise seiner Geheimdienste, nicht an einen Angriff Deutschlands geglaubt und von einer Mobilmachung seiner Truppen abgesehen. So konnte die Wehrmacht vom Überraschungsmoment profitieren und schnell nach Osten vordringen. Schon nach vier Monaten waren die Stadtgrenzen Moskaus erreicht.

Massaker an Zivilbevölkerung



Bereits im Mai 1941 wurden per Erlass wichtige Regeln der Militärgerichtsbarkeit im Umgang mit der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten außer Kraft gesetzt. Zivilpersonen, die sich gegen die deutschen Besatzer auflehnten, sollten ohne Einschaltung eines Kriegs- oder Standgerichts, einem Offizier vorgeführt werden, der über ihre Erschießung zu entscheiden hatte. Darüber hinaus hatten deutschen Soldaten, die gewaltsame Übergriffe auf die Zivilbevölkerung begingen, keine Verurteilung zu befürchten. Der Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941 enthielt die Anweisung, dass die Politkommissare der Roten Armee nicht als Kriegsgefangene behandelt werden dürften, sondern "wenn im Kampf oder Widerstand ergriffen, grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen" seien.

Der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, stellte, ähnlich wie im Polenfeldzug, spezielle "Einsatzgruppen" zusammen, die mehr als eine halbe Millionen Juden, Sinti und Roma, Kriegsgefangene und kommunistische Funktionäre ermordeten. Das größte Massaker begingen sie Ende September 1941 in der Schlucht von Babi Jar, als sie innerhalb weniger Tage fast 34.000 Juden aus Kiew ermordeten. Dabei waren auch Angehörige der Wehrmacht direkt oder durch logistische Unterstützung indirekt an den Massenerschießungen der "Einsatzgruppen" beteiligt. Aus der Wehrmachtsführung regte sich nur vereinzelt Widerstand gegen Hitlers Vernichtungsfeldzug.

Teile der ukrainischen und baltischen Bevölkerung begrüßten die deutschen Soldaten anfangs sogar als Befreier vom "stalinistischen Joch." Doch angesichts des brutalen Vorgehens der Besatzungstruppen schlug die anfängliche Freude sehr bald in Ablehnung um.

Dreijähriger Rückzugsfeldzug



Im Winter 1941 geriet der deutsche Vormarsch ins Stocken. In der Erwartung einer schnellen Entscheidung waren die deutschen Verbände nicht ausreichend mit winterfester Kleidung ausgestattet worden. Schon bald starben mehr Soldaten an Erfrierungen als in Kampfeinsätzen. Während die Wehrmacht Ende 1941 mit über 200.000 Toten und 620.000 Verwundeten gewaltige, kaum zu kompensierende Verluste erlitten hatte, begann die Sowjetunion ihre Gegenoffensive mit frisch herangeführten Truppen. Zwar erreichte die deutsche Machtausdehnung ihren Höhepunkt erst mit dem Vorstoß in den Kaukasus im Sommer 1942. Allerdings führte die Ausdehnung der deutschen Frontlinien zur Einschließung und Gefangennahme der 6. Armee im Kessel von Stalingrad.

Spätestens die Niederlage von Stalingrad markierte den Wendepunkt des Krieges. Die Wehrmacht zog sich in einem dreijährigen Feldzug vor der personell und materiell weit überlegenen Roten Armee zurück, deren Vormarsch erst in der verlustreichen Schlacht um Berlin endete. Die Sowjetunion kostete der bis zum 8./9. Mai 1945 dauernde Krieg gegen das Deutsche Reich über 25 Millionen Menschenleben.

Der Überfall auf die Sowjetunion ging als "Großer Vaterländischer Krieg" in die sowjetische Geschichtsschreibung ein. Seitdem wird der Sieg über Nazideutschland jährlich mit einer Militärparade in Moskau gefeiert. Zum 65. Jahrestag des Sieges am 9. Mai 2010 nahm auch Bundeskanzlerin Angela Merkel an den Feierlichkeiten teil.

Strategische Partnerschaft



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