Erde

Jahrestagung von IWF und Weltbank

Im Vorfeld des jährlichen Treffens des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank am Wochenende (23. bis 25. September) fordert der IWF einen nachhaltigen Schuldenabbau. Bei der Tagung wird es auch um die Reform des IWF gehen.

Anfang der Woche (20. September) senkte der IWF seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft für das Jahr 2012 von bisherigen 4,5 auf 4,0 Prozent. Ökonomen des IWF warnten gleichzeitig, dass sich die instabile Finanzierungslage von öffentlichen Haushalten und Banken negativ auf die Weltkonjunktur auswirken könne: die Weltwirtschaft befinde sich in einer "gefährlichen Phase".

Für eine Erholung der Märkte seien "übereilte Haushaltskürzungen" aber wenig hilfreich, so die Ökonomen des IWF. Vielmehr müssten durch Reformen Staatsschulden nachhaltig gesenkt werden. Von den EU-Staaten verlangt der IWF angesichts der Schuldenkrise, ihre Banken zu stabilisieren - zur Not mit öffentlichem Kapital oder durch den europäischen Rettungsschirm EFSF.

Reform des IWF



Nach Beginn der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 ist die Reform der internationalen Finanzmärkte zentrales Anliegen der weltweit bedeutendsten Industrie- und Schwellenländer (G20). Dazu gehört auch die Reform des IWF. Als Sonderorganisation der Vereinten Nationen hat die Institution die Aufgabe, die Zusammenarbeit bei der Währungspolitik zu fördern und die Wechselkurse zu stabilisieren. Außerdem vergibt der IWF Kredite an seine 187 Mitgliedsstaaten. Jedes Mitglied des IWF zahlt in den Fonds ein und hält damit Anteile am Kapital. Diese sogenannten Quoten bestimmen nicht nur die Einzahlungsverpflichtungen und mögliche finanzielle Hilfen, sondern auch die Stimmrechte der einzelnen Länder und damit ihren Einfluss auf die Fondspolitik.

Durch die 2010 beschlossene umfassende Reform sollen die Stimmgewichte im IWF zugunsten der Schwellenländer verschoben werden. Die Neuordnung sollte dem wachsenden Einfluss von aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien auf die Weltwirtschaft Rechnung tragen.

Kernpunkt der Reform ist ein Neuzuschnitt der IWF-Quoten. 6,4 Prozent der Anteile des Fonds sollen überwiegend an Schwellenländer umverteilt werden. Die zehn größten Anteilseigner sind dann die USA, Japan, China, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland, Indien und Brasilien. China löst Deutschland als Nummer drei unter den IWF-Anteilseignern ab und festigt seinen Aufstieg zu einer der wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt. Auch institutionelle Veränderung wurden mit der Reform beschlossen: Im Exekutivdirektorium des IWF geben die europäischen Vertreter zwei ihrer Sitze ab - Deutschland behält jedoch seinen Sitz.

Die Reform muss noch in den Mitgliedsländern ratifiziert werden: Sie kann erst in Kraft treten, wenn zwei Drittel der 187 Mitgliedsstaaten zugestimmt haben. Diese müssen Anteile von insgesamt mehr als 85 Prozent halten. Die Reform des IWF soll bis Ende 2012 umgesetzt sein.

Während der jetzt stattfindenden Konferenz in Washington wird erneut die Arbeitsgruppe der G20 zur Reform des Internationalen Währungssystems tagen. Sie wird unter anderem beratschlagen, ob der IWF zusätzlich dazu ermächtigt werden soll, an Länder Liquiditätskredite über drei bis sechs Monate zu vergeben. Des Weiteren beraten die G20 über die Vorteile einer Schwächung des Dollars und Schritte zu einem multipolaren Währungssystem.

Die Weltbank und ihre Aufgaben



Wie der IWF ist auch die Weltbank eine Sonderorganisation der UN mit weitgehend autonomen Befugnissen. Sie wurde 1945 auf der Grundlage der internationalen Finanz- und Währungskonferenz von Bretton Woods (USA) gegründet, die ein Jahr zuvor stattgefunden hatte.

Die Weltbank setzt sich zusammen aus zwei Institutionen: der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) und der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA).

Die Weltbank hat die Aufgabe, die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Mitgliedsländer zu fördern. Sie vergibt zinsgünstige Darlehen, hilft bei Entwicklungsprojekten und koordiniert Entwicklungshilfe in den Bereichen Bildung, Infrastruktur und Kommunikation.

In der Nachkriegszeit war ihre Aufgabe vor allem die Vergabe von Krediten für den Wiederaufbau in Europa. Heute soll sie Entwicklungsländern durch langfristige Kredite zur Entwicklung einer produktiven Wirtschaft verhelfen.

Die IBRD konzentriert ihre Tätigkeit auf sich entwickelnde Staaten mit einem mittleren Pro-Kopf-Einkommen. Staaten, die vom IBRD ein Darlehen erhalten, haben 15-20 Jahre Zeit, dieses zurückzuzahlen. Die IDA betreut Länder, die wirtschaftlich zu schwach sind, um Kredite über den IBRD zu bekommen. Ein typischer Kredit der IDA ist zinslos und hat eine Laufzeit von 40 Jahren, 10 Jahre davon sind tilgungsfrei.

Kapitaleigner der Weltbank sind die Mitgliedsstaaten. Der Kapitalanteil eines Mitgliedsstaats hängt von dessen ökonomischer Leistungsfähigkeit ab. Jeder Mitgliedsstaat verfügt über einen Grundstock an Stimmrechten. Die tatsächliche Höhe der Stimmrechte wird jedoch vom Kapitalanteil des Mitgliedsstaats mitbestimmt.


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