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Afghanistan-Konferenz in Bonn

In Bonn ist am Montagabend (5. Dezember) die internationale Afghanistan-Konferenz zu Ende gegangen. Zehn Jahre nach der ersten Konferenz will die internationale Gemeinschaft künftig den Fokus auf die nicht-militärische Unterstützung für das Land legen.

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Keine militärische, sondern eine in erster Linie politische Lösung muss für die Zukunft Afghanistan gefunden werden - das ist das Fazit der eintägigen Konferenz. Internationale Hilfe für Afghanistan, so UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, werde in Zukunft vor allem in nicht-militärischer Form geleistet. Sicherheit ohne zivilen Wiederaufbau sei eine "Fassade", sagte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Ansprache.

85 Staaten und 15 Nichtregierungsorganisationen nahmen mit rund 1.000 Delegierten an dem Treffen teil. Die Konferenz war auf Bitten Afghanistans einberufen worden. Afghanistans Nachbarland Pakistan, das als Rückzugsgebiet von Taliban-Kämpfern gilt, hatte keine Vertreter entsandt. Nach einem fehlgerichteten Nato-Angriff im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet am 26. November, bei dem 24 pakistanische Soldaten getötet wurden, hatte das Land seine Teilnahme aus Protest abgesagt.

Die erste internationale Afghanistan-Konferenz nach dem Sturz der Taliban im November 2001 hatte ebenfalls auf dem Bonner Petersberg stattgefunden. Das damals verabschiedete "Petersberger Abkommen" zur Demokratisierung des Landes galt als Meilenstein für die Zukunft Afghanistans.

Ergebnisse der Konferenz



Bis 2024 - so das Versprechen der internationalen Staatengemeinschaft - soll Afghanistan weitere Hilfen bekommen. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt. Der afghanische Finanzminister Omar Sachilwal sprach von sieben Milliarden Dollar, die sein Land pro Jahr benötige. Für 2012 ist bereits eine Geberkonferenz in Tokio geplant.

Die afghanische Regierung hat im Gegenzug die Durchsetzung demokratischer Reformen und Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung zugesichert. Dazu gehören die Fortführung des Aussöhnungsprozesses mit den Taliban und anderen Aufständischen sowie die stärkere Einbindung der Zivilbevölkerung in demokratische Prozesse. In einem sogenannten "Jahrzehnt der Transformation" nach dem Abzug der Nato-Truppen 2014 sollen diese umgesetzt werden. US-Außenministerin Hillary Clinton forderte, die afghanische Regierung müsse eine effektive Strategie für die Zukunft des Landes entwickeln.

Die Schutztruppen und die Lage im Land



Zurzeit sind im Rahmen der internationalen Schutztruppe ISAF ("International Security Assistance Force") etwa 130.000 ausländische Truppen aus 48 Ländern eingesetzt. Den größten Anteil daran stellen die Vereinigten Staaten mit 90.000 Soldaten. Vorläufig geplant ist ein völliger Abzug von Kampftruppen zum Ende des Jahres 2014. Nach und nach soll die Verantwortung für einzelne Provinzen an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben werden.

Deutschland beteiligt sich seit Dezember 2001 an dem Einsatz. Momentan sind etwa 5.000 deutsche Soldaten im Norden Afghanistans stationiert. Im November hatte die deutsche Regierung einen ersten Plan für einen allmählichen Abzug der deutschen Truppen veröffentlicht. Dieser besagt, dass die Bundeswehrtruppen bis Ende 2013 auf 4.400 Soldaten reduziert werden sollen.

Seit Beginn des Krieges 2001 sind über 2.500 ausländische Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. Jedes Jahr werden Hunderte Zivilisten in gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet. Die Sicherheitslage in dem Land ist nach wie vor prekär. Krieg, Drogenhandel und Korruption beherrschen den Alltag. Für die internationalen Truppen war 2010 das verlustreichste Jahr. Im August 2011 urteilte die International Crisis Group, die internationale Gemeinschaft sei mit ihrem Ziel eines politisch stabilen und wirtschaftlich selbständigen Afghanistan gescheitert. Aufstände hätten sich zuletzt sogar in Gegenden ausgebreitet, die bisher als relativ sicher gegolten hätten.

Erst im September 2011 war Burhanuddin Rabbani, ein früherer Präsident Afghanistans, der für die Regierung Friedensgespräche mit den Taliban führen sollte, ermordet worden. Unmittelbar nach dem Abschluss der Konferenz am Montag wurden bei zwei Selbstmordanschlägen in Kabul und Masar-i-Sharif mindestens 24 Menschen getötet.


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