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Hintergrund aktuell (13.10.2008)
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Auswege aus der FinanzkriseErstmals hat die Staatengemeinschaft einen globalen Fahrplan vorgelegt, um
das Vertrauen in die Finanzmärkte zurückzugewinnen. Die Börsen beruhigten
sich daraufhin. Experten prognostizieren dennoch negative Folgen für die
Realwirtschaft.
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Frankfurt am Main gehört zu den führenden europäischen Unternehmensstandorten. Foto: AP
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Das Chaos auf den Weltfinanzmärkten scheint vorerst gebannt. Am Wochenende
(12.10.2008) hatten die sieben führenden Industrieländer (G7) wie auch die
15 Staaten der Eurogruppe Aktionspläne vorgelegt, um Börsen und den internationalen
Finanzmarkt zu stabilisieren. Die angekündigten Maßnahmen wirkten: Weltweit
gingen die Börsenkurse, die am Wochenende stark eingebrochen waren, zu
Handelsbeginn wieder nach oben.
Da Ad-Hoc-Maßnahmen einzelner Staaten bisher nicht griffen, formulierten die
Staatengemeinschaft in Washington und Paris einen globalen Rahmenplan zur
Eindämmung der Krise. Gemeinsam ist den Aktionsplänen von G7 und der EU
eines: Der Staat springt ein, um das angeschlagene Vertrauen zwischen den
Akteuren des Finanzsektors zu rehabilitieren und Banken vor dem Konkurs zu
bewahren. Mit welchen Mitteln der Staat der Finanzwirtschaft unter die Arme
greift, liegt im Ermessen der nationalen Regierungen. Allerdings sollen
diese ihre Hilfen untereinander abstimmen. Ansonsten bestünde die Gefahr,
dass Investoren und Kunden Geld von Banken abziehen, die weniger staatliche
Hilfe erhalten, und es auf Banken umschichten, die mehr Kapital erhalten.
Die Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzmarktes sollen bis Ende 2009
befristet sein. Zudem wollen die Zentralbanken weiterhin eng
zusammenarbeiten und hinreichend Liquidität an den Märkten für kurzfristige
Refinanzierung in US-Dollar zur Verfügung stellen.
Die Bundesregierung stellte am Montag (13.10.2008) ein knapp 500 Milliarden
Euro schweres Rettungspaket vor - den größten Rettungsfonds der
Nachkriegsgeschichte. Herzstück ist die Einrichtung eines
"Finanzmarktstabilisierungsfonds", der etwa 400 Milliarden Euro umfassen
soll. Mit diesem Fondvermögen soll das Bankengeschäft wieder zum Laufen
gebracht werden, indem der Bund für deren Kreditgeschäfte bürgt.
Der so genannte Interbankenmarkt, auf dem sich die Banken untereinander Geld
leihen, ist für die Kreditinstitute überlebenswichtig. Hierdurch
refinanzieren sie kurz- und mittelfristig ihr Geschäft. Dieser Mechanismus
ist im Zuge der Finanzmarktkrise quasi eingefroren. Durch die Krise in den
USA vertrauten sich die Banken untereinander nicht mehr, da keine wusste,
wie tief der andere in das Geschäft mit den hochriskanten Krediten
involviert war. Die Folge war eine Kreditklemme: Banken lagerten ihr Geld
ein, anstatt es dem Markt für die laufende Refinanzierung zur Verfügung zu
stellen. Eine Kreditklemme kann zur Folge haben, dass Banken selbst Firmen
mit guter Bonität kein Geld mehr leihen - mit fatalen Folgen für
Investitionen und Konsum.
Als Gegenleistung zu den staatlichen Bürgschaften sollen die Banken in
Deutschland "eine solide und umsichtige Geschäftspolitik" gewähren. Zudem
kann die Bundesregierung Auflagen bei der Vergütung von Vorständen,
Aufsichtsräten und den übrigen Angestellten verhängen.
Die Finanzierung des Rettungspakets soll über höhere Schulden erfolgen.
Als weitere vertrauensfördernde Maßnahme fungieren die Einlagensicherungs-
und Garantiesysteme für private Spareinlagen. Eine Reihe europäischer
Länder, darunter auch die Bundesrepublik, hat in den vergangenen Wochen
bereits Staatsgarantien für die Einlagen ausgesprochen. Damit soll
verhindert werden, dass Privatkunden ihr Geld von den Konten abziehen und so
eine der letzten sicheren Finanzierungsquellen der Banken riskieren. Schon
heute sind Spareinlagen durch gesetzliche Vorgaben bis zu 20.000 Euro
geschützt. Für Summen darüber garantiert zusätzlich der
Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken.
Auch wenn die politischen Eingriffe das Vertrauen auf den Finanz- und
Börsenmärkten wiederherstellen, können Experten die langfristigen Folgen
schwer einschätzen. In einem Punkt sind sich alle führenden
Wirtschaftsinstitute jedoch einig: Die Finanzmarktkrise werde auf die reale
Wirtschaft übergreifen.
Mehr zum Thema
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Hintergrund aktuell (25.09.2008)
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US-Finanzkrise
Bear Stearns, Lehman Brothers, Washington Mutual: Die Pleitewelle auf dem
US-Finanzmarkt reißt nicht ab. Um einer Rezession entgegenzusteuern, plant
US-Präsident George W. Bush ein milliardenschweres Sofortprogramm zur
Sanierung der amerikanischen Wirtschaft. Auch in Deutschland werden die
Auswirkungen der Finanzmarktkrise diskutiert. |
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Makram El-Shagi
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Weltweite Ansteckung: berechtigte Sorge oder grundlose Panik?
Nach der Asienkrise 1997 griff der IWF ein, um die Krisenausbreitung auf die Weltwirtschaft zu verhindern. Im vorliegenden Beitrag wird gezeigt, dass die bekannten Mechanismen die befürchtete Ansteckung der Industriestaaten nicht bewirken können. |
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Zahlen und Fakten
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Größere Finanzkrisen seit 1970
Finanzkrisen sind keine seltene Erscheinung. Zwischen 1970 und 2007 wurden 124 Bankenkrisen, 326 Währungskrisen und 64 Staatsverschuldungskrisen auf nationaler Ebene gezählt. |
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10. Februar 2012
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Stichworte aus den Lexika der bpb
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euro|topics: Oliver Stock |
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Eine Krise geht um die Welt
Oliver Stock erläutert, wie zahlungsschwache US-Immobilienbesitzer die Weltwirtschaft ins Wanken bringen. Wie sehen die Folgen der Krise in Europa aus? |
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Finanzmärkte |
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Börsengehandelte Finanzderivate
Seit Beginn des Jahrhunderts haben sich der Handel mit Derivaten und ihr Bestand schneller als bei allen anderen Finanzinstrumenten entwickelt. |
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