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Grundlagen

Kulturelle Erwachsenenbildung


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Richard Stang
In der Öffentlichkeit und politischen Fachdebatten spielt kulturelle Bildung für Erwachsene keine wesentliche Rolle. Dabei fördert sie in jedem Alter soziale Kompetenzen, die einen kreativen Umgang mit den Anforderungen unseres Alltags ermöglichen.

Theater
Gemeinsame Aufführung von Impromtü und Wortlichter in Hamburg.
Foto: www.flickr.com by-nc-sa/2.0/

Kulturelle Bildung als gesellschaftliche Grundlage

Die Diskussion über das lebenslange Lernen hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass der Blick auf Bildung nicht nur auf berufliche Qualifizierung verengt wird. Bildung muss in Zukunft auch Antworten darauf finden, wie Menschen dazu befähigt werden können,
  • die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse zu meistern, den Alltag auch jenseits von Arbeitsprozessen zu bewältigen, ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln,

  • Kompetenzen zu entwickeln, die das soziale Miteinander, auch in Anbetracht des demografischen Wandels, ermöglichen,

  • an der Entwicklung einer humanen Gesellschaft mitzuwirken, die Bildung als langfristiges – und nicht als kurzfristig gewinnbringend vermarktbares – Gut schätzt.
Zur Person
Prof. Dr. Richard Stang
lehrt an der Hochschule der Medien in Stuttgart das Fach Medienwissenschaft und leitet den Forschungsschwerpunkt "Lernwelten". Als "Senior Researcher" berät er das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung in Bonn. Er erstellte ein Gutachten zur "Kulturellen Erwachsenenbildung" für die Enquête-Kommission "Kultur in Deutschland".

Die Basis hierfür ist die Förderung von Schlüsselkompetenzen wie Kreativität, Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit, sogenannte "soft skills". Diese sind in den vergangenen Jahren zum Inbegriff arbeitsplatzbezogener Kompetenzförderung geworden, doch werden sie über den beruflichen Kontext hinaus immer wichtiger. Die Förderung sozialer Kompetenzen, die einen kreativen Umgang mit den Anforderungen des Alltags ermöglichen, steht schon immer im Zentrum von allgemeiner Weiterbildung und besonders kultureller Erwachsenenbildung.

Betrachtet man die öffentliche Diskussion, wird deutlich, dass die kulturelle Bildung vor allem im Hinblick auf die Förderung von Kindern und Jugendlichen diskutiert wird. Erst seit wenigen Jahren werden zumindest in der Fachöffentlichkeit unter der Perspektive des lebenslangen Lernens Erwachsene und Senioren als Zielgruppe von kultureller Bildung stärker in den Blick gerückt.[1] Dies ist in Anbetracht der Herausforderungen des demografischen Wandels von besonderer Bedeutung.

Trotzdem ist festzustellen, dass kulturelle Erwachsenenbildung in der Bildungsdiskussion und der politischen Akzeptanz zunehmend an Boden verliert. Dies hat fatale Folgen – bildungspolitisch und für die Institutionen. Kulturelle Erwachsenenbildung wird häufig nicht mehr als "Grundversorgung", sondern als "Luxusangebot" klassifiziert [2] bzw. mit dem "Etikett Freizeit, Hobby und Spaßkultur diskreditiert" [3], was zur Folge hat, dass die kulturelle Erwachsenenbildung inzwischen in mehreren Bundesländern aus der Förderung herausgenommen wurde.

Allgemeine Kompetenzentwicklung als Herausforderung

Angesichts der vielfältigen sozialen Problemlagen und Herausforderungen wie demografischer Wandel, Migration, Globalisierung oder zunehmende Armut wird es für unsere Gesellschaft in Zukunft von besonderer Bedeutung sein, die Perspektive zu verändern. Der Bedarf an "gesellschaftlichen Schlüsselqualifikationen" wird zunehmen [4], und im Bezug auf Erwerbsarbeit wurde bereits auf den Bedarf "berufsbiografischer Gestaltungskompetenz" hingewiesen [5]. Doch im Kern wird es in Zukunft um die Entwicklung allgemeiner biografischer Gestaltungskompetenz gehen, die – unabhängig von Funktionskontexten wie der Arbeitswelt – die Bewältigung des Alltags ermöglicht. Es wird zunehmend wichtiger werden, Kompetenzentwicklung nicht nur unter der Perspektive der "Beschäftigungsfähigkeit" ("employability") zu sehen, sondern verstärkt unter der Perspektive von "Gesellschaftsfähigkeit". Dies gilt besonders im Bezug auf Erwachsene und ältere Menschen, für welche die Bewältigung der technischen und gesellschaftlichen Veränderungsprozesse eine besondere Herausforderung darstellt.


23. Juli 2009

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