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Herausforderungen
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Integration |  |
| Dr. Steffen Angenendt |
In vielen Industriestaaten wird intensiv über Integration diskutiert, weil sichtbar geworden ist, dass Integrationsprobleme erheblichen gesellschaftlichen Sprengstoff bergen. Integrationsdefizite von Zugewanderten werden heute schärfer als noch vor einigen Jahren wahrgenommen.
Gescheiterte Integration?
Das Schulversagen jugendlicher Migranten, die hohe Arbeitslosigkeit nicht qualifizierter Zuwanderer und die im
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Vater und Sohn beim Autowaschen © Susanne Tessa Müller
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Vergleich zur Mehrheitsgesellschaft höhere Kriminalitätsbelastung bestimmter Zuwanderergruppen werden ebenso aufmerksam beobachtet wie der bei einigen Zuwanderern festzustellende Rückzug in ethnische und religiöse Gemeinschaften. Viele Menschen nicht nur in den EU-Staaten sind inzwischen überzeugt, dass die Integration von Zuwanderern generell gescheitert sei – obwohl offensichtlich ist, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten viele Zuwanderer (oft auch ohne staatliche Unterstützung) erfolgreich integriert haben. Insgesamt überwiegen die positiven Integrationsfälle die nicht gelungenen deutlich.
Eine nachhaltige Integrationspolitik in den Industriestaaten würde zumindest voraussetzen, dass über die Ziele und einzusetzenden Mittel Konsens hergestellt wird. Gerade dies fällt modernen Gesellschaften aber meist schwer. Sie sind hochgradig funktional differenziert und überlassen es ihren Mitgliedern weitgehend selbst, ob und in welcher Weise sie sich aktiv oder passiv an den verschiedenen gesellschaftlichen Lebensbereichen beteiligen. Die Debatte, was Integration bedeutet und wie sie erreicht werden soll, ist bislang in keinem Land abgeschlossen.
Schritte in der Integrationspolitik
Im Kern geht es bei Integration um gleiche Chancen für gesellschaftliche Teilhabe. Dafür sind Sprachkenntnisse, Zugang zu Bildung und Weiterbildung, Beteiligung an Wirtschaft und Arbeitsmarkt, menschenwürdige Wohnbedingungen und das Wohnumfeld ebenso wichtig wie eine hinreichende rechtliche Stellung und eine Förderung der politischen Beteiligung der Zuwanderer. Die Entwicklung einer strategischen Integrationspolitik würde drei Schritte erfordern:
- Sammlung und Vertiefung des empirischen Wissens über Integrationserfolge und -defizite in den jeweiligen Bereichen;
- Anstoß einer politisch-gesellschaftlichen Debatte über die Gewichtung dieser Aspekte in der Integrationspolitik;
- Entwicklung von Programme und Maßnahmen, die der zunehmenden Heterogenität der Zuwanderer angemessen sind. Denn Zuwanderer sind immer weniger eine einheitliche Gruppe, sondern bestehen längst auch aus Menschen, die in ihren Aufnahmegesellschaften sozial aufgestiegen sind und dort einen Platz gefunden haben.
Angesichts der zunehmenden Bedeutung temporärer Wanderungen und den Bemühungen vieler Herkunfts- und Aufnahmestaaten, solche Wanderungsformen zu fördern, müssen zudem Konzepte für eine „Integration auf Zeit“ entwickelt werden. Die Steuerung von Wanderungsbewegungen kann immer nur teilweise gelingen, weil es sich um soziale Prozesse handelt, die sich staatlicher Planung zumindest zum Teil entziehen. Diese Tatsache muss auch bei der Entwicklung von Programmen zur befristeten Wanderung berücksichtigt werden, und die Möglichkeit, dass befristete Zuwanderung sich verstetigt und zu einer dauerhaften Einwanderung wird, muss berücksichtigt werden. Um die Fehler der früheren „Gastarbeiteranwerbung“ zu vermeiden, bei der zumindest über einen langen Zeitraum gänzlich auf Integrationsmaßnahmen verzichtet wurde, müssen künftige Programme von Anfang an solche Integrationsangebote, beispielsweise die Vermittlung von Sprachkenntnissen, beinhalten.
01. Juni 2009 |  |
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