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Stimmungen
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Annäherung der Kulturen |  |
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Drei Fragen an Kenan Kolat |
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Wie schätzen Sie die Stimmung in der Bevölkerung in puncto EU-Beitritt der Türkei ein?
Zurzeit ist die Stimmung in Deutschland für einen EU-Beitritt der Türkei in die EU eher negativ. Dies hat sicherlich mit der bereits vollzogenen großen Erweiterung der EU zu tun. Die Menschen in Deutschland sehen in der Erweiterung nicht ihre Vorteile. Dies wird auch von der Politik
nicht ausreichend vermittelt. Auf der anderen Seite versuchen aber viele Politiker, diese Situation zu nutzen, um die Vorurteile gegenüber der Türkei zu schüren. Dies führt wiederum innerhalb der türkischen Bevölkerung zu Gegenreaktionen. Die Ablehnungsfront innerhalb der türkischen Community in Deutschland wird dadurch immer stärker. Diese Entwicklung ist auch integrationspolitisch kontraproduktiv, da diese Entwicklung auch als ein Affront gegenüber der türkischen Bevölkerung betrachtet wird.
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Zur Person |
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Kenan Kolat Geb. am 24.08.1959 in Istanbul, deutscher und türkischer Staatsbürger. Der Dipl. Ing. ist seit dem 22.10.2005 Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland.
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 |  | Was erhoffen Sie von einem Beitritt?
Von einem Beitritt der Türkei erhoffe ich mir die Intensivierung des Friedensprozesses insbesondere im Nahen Osten, die Annäherung der Kulturen und die Vereitelung des Versuchs eines Kulturkampfes zwischen Westen und Osten. Die Türkei ist in der Region ein wichtiger Stabilisierungsfaktor und hat großen Einfluss auf die Länder in der Region. Die West-Ost-Achse
verläuft über die Türkei. Auf dieser Achse befinden sich die zukünftigen Energiereserven der Welt, wie Wasser, Erdöl, Gas etc. Die Sicherung dieser Energiequellen ist sowohl für die Türkei als auch für West-Europa von zentraler Bedeutung. Die Eingliederung der Türkei an die EU ist nicht nur im Interesse der Türkei, sondern auch aus nationalem Interesse der Bundesrepublik Deutschland unabdingbar. Diese Entwicklung hatte Herr Schröder richtig eingeschätzt und sich deswegen vehement für einen Türkei-Beitritt eingesetzt. Es lässt hoffen, dass dies von der jetzigen Bundeskanzlerin ebenso beurteilt wird.
Was befürchten Sie?
Ich befürchte, dass die Anti-Türkei-Stimmung in Europa in den nächsten Jahren zunehmen wird. Diese Entwicklung wird durch eine übertrieben kritische Berichterstattung der Medien flankiert, so dass sich in der deutschen Bevölkerung eine Anti-Stimmung festsetzen kann. Da aber Europa auf die Türkei nicht verzichten kann, wird man versuchen, die Türkei irgendwie an die EU zu binden; z.B. durch eine priviligerte Partnerschaft. Dies wird wiederum von der Türkei nicht akzeptiert. Die Beziehungen könnten demnach auf Eis gelegt werden, was wiederum vehemente Auswirkungen für den Integrationsprozess der Türken in die hiesige Gesellschaft bedeuten könnte.
17. Juli 2006 |  |
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