Skyline von Schanghai

Städtische Bevölkerung

17.9.2008
2005 lebten 3,2 Mrd. Menschen oder 50% der Weltbevölkerung in Städten, bis 2030 wird der Verstädterungsgrad auf 60% steigen, was einer Stadtbevölkerung von 5 Mrd. entspricht.

Prognose der städtischen BevölkerungPrognose der städtischen Bevölkerung Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (bpb)

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    Das 21. Jahrhundert ist das "Jahrhundert der Städte", wobei immer neue Schwellen überschritten werden. 2005 lebten 3,2 Mrd. Menschen oder 50% der Weltbevölkerung in Städten, bis 2030 wird der Verstädterungsgrad auf 60% steigen, was einer Stadtbevölkerung von 5 Mrd. entspricht. In den kommenden Jahrzehnten muss die Welt also rund 1,8 Mrd. neue Stadtbewohner aufnehmen und versorgen, - eine gigantische Herausforderung, von der niemand weiß, ob und wie diese bewältigt werden kann. Gleichzeitig steigt die Zahl der Millionen- und Megastädte drastisch an und zunehmend wird es auch "Hyperstädte" mit 20 und mehr Mio. Einwohnern geben.

    Mit 74% ist der Verstädterungsgrad in den hoch entwickelten Ländern wesentlich höher als in den Entwicklungs- und Schwellenländern, wo nur 43% der Menschen in Städten leben. In absoluten Zahlen zeigt sich aber das demographische Übergewicht der Entwicklungs- und Schwellenländer: Dort leben bereits mehr als doppelt so viele Menschen in Städten wie in den reichen Ländern (2,3 bzw. 0,9 Mrd.).

    Betrachtet man den Verstädterungsgrad einzelner Regionen, dann zeigt sich folgende Rangfolge (2005): Nordamerika 81%, Lateinamerika 77%, Europa 72%, Asien 40% und Afrika 38%. Es fällt auf, dass die "weniger entwickelte" Region Lateinamerika bereits einen höheren Verstädterungsgrad aufweist als Europa. Auch wenn dies teilweise auf unterschiedliche Definitionen von "Stadt" zurückzuführen ist, so zeigen die Zahlen doch deutlich, dass in Lateinamerika die Verstädterung schon wesentlich weiter fortgeschritten ist als in Asien und Afrika.

    Zwischen 1975 und 2005 wuchs die städtische Bevölkerung sehr dynamisch (2,4%), für die nähere Zukunft (bis 2015) geht man aber von einem verlangsamten Städtewachstum aus (1,8%). Dabei ist die Prognose für die einzelnen Regionen unterschiedlich. Am schnellsten werden die afrikanischen und asiatischen Städte wachsen (3,0% bzw. 2,1%). In Lateinamerika und Karibik (1,4%), Nordamerika (1,5%) und Europa (0,2%) wachsen die Städte deutlich langsamer. Von allen Regionen weist Europa das geringste Städtewachstum auf, einige Prognosen sagen sogar eine Abnahme der städtischen Bevölkerung voraus.

    Bis 2030 wird sich die Verstädterungs-Rangfolge der Regionen nicht grundsätzlich ändern, allerdings verringert sich der Abstand zwischen den entwickelten und den weniger entwickelten Regionen deutlich: Nordamerika 87%, Lateinamerika 84%, Europa 78%, Asien 54% und Afrika 51%. 2030 wird also auch in Asien und Afrika, den beiden Nachzüglern im globalen Verstädterungsprozess, die Mehrheit der Menschen in Städten leben.

    Die hoch entwickelten Länder werden 2030 einen Verstädterungsgrad von 81% mit rund 1,0 Mrd. Stadtbewohnern erreichen, in den Entwicklungs- und Schwellenländern leben dann 56% oder 3,9 Mrd. Menschen in Städten, also fast viermal so viele wie in den reichen Ländern. Mehr als die Hälfte aller Stadtbewohner wird dann in Asien leben (über 2,6 Mrd.), an zweiter Stelle steht Afrika (742 Mio.), gefolgt von Lateinamerika und Karibik (608 Mio.), Europa (546 Mio.) und Nordamerika (346 Mio.).

    Der Schwerpunkt der Weltverstädterung hat sich also längst in die Entwicklungs- und Schwellenländer verlagert und wie es scheint, wird sich die Zukunft der Städte vor allem in Asien und Afrika entscheiden. Dabei ist es natürlich offen ist, welche der derzeit hoch entwickelten Länder ihren ökonomischen Vorsprung bis 2030 behaupten werden und welche aufstrebenden Wachstums- und Schwellenländer dann ebenfalls zum "Club der Reichen" gehören.

    Natürlich ist die Verstädterung nicht nur ein quantitatives, sondern auch ein qualitatives Phänomen. Ein urbaner Lebensstil kann sich nur entfalten, wenn es auch eine entsprechende politische, ökonomische und kulturelle Entwicklung gibt. Nur prosperierende Städte werden in der Lage sein, bis 2030 genügend Arbeit, Wohnraum und Infrastruktur für 1,8 Mrd. neue Stadtbewohner zu schaffen. Wo diese Voraussetzung nicht gegeben ist, werden riesige "Slum-Cities" entstehen, in denen es kaum mehr um Entwicklung, sondern nur noch um das bloße Überleben geht.

    Definition



    Verstädterungsgrad: Anteil der städtischen Bevölkerung (%) an der Gesamtbevölkerung. Die UN-Schätzungen stützen sich auf nationale Daten, wobei die einzelnen Länder teilweise unterschiedlich definieren, was eine "Stadt" ist und was nicht. Dabei werden in der Regel die Einwohnerzahl, die Siedlungsdichte und/oder die Art der (nicht-agrarischen) Beschäftigung als Indikatoren herangezogen.

    Statistik



    Prognose der städtischen Bevölkerung 2005 - 2030
    in Millionen und in % der Gesamtbevölkerung

      2005 2030
    Welt 3.150 48,7 4.912 59,9
    entwickelte Länder 898 74,1 1.011 80,8
    Entwicklungsländer 2.252 42,9 3.901 56,1
       
    Afrika 347 38,3 742 50,7
    Asien 1.552 39,8 2.636 54,1
    - China 531 40,4 872 60,3
    - Indien 316 28,7 589 40,7
    Europa 525 72,2 546 78,3
    Lateinamerika u. Karibik 434 77,4 608 84,3
    Nordamerika 266 80,7 346 86,7
    Ozeanien (m. Australien) 23 70,8 31 73,8


    Quelle
    United Nations, Department of Economic and Social Affairs (Desa), Population Division. World Population Prospects: The 2005 Revision
    www.un.org/esa/
    www.un.org/esa/
    www.un.org/esa/

    Links



    UN-HABITAT - GLOBAL TRENDS

    UN-HABITAT - State of the Worlds Cities 2004/5 Globalization and Urban Culture

    UN-HABITAT - Urbanization: A Turning Point in History

    UN-HABITAT - Backgrounds, Facts and Figures

    UN-HABITAT - UrbanInfo

    United Nations - Mapping global urban and rural population distributions

    World Urbanization Prospects - MEGA-CITIES

    Autor: Prof. Dr. Eckhart Ribbeck



     
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