Dossierbild Afrikanische Diaspora
1 | 2 Pfeil rechts

Schwarze Organisierung in Deutschland

Ein Abriss


10.8.2004
Die Initiative ISD vertritt die Interessen Schwarzer Menschen in Deutschland. Sie interveniert bei Fällen von Diskriminierung, unterstützt die Opfer und bezieht Stellung gegenüber der Öffentlichkeit. Darüber hinaus qualifiziert sie neue anti-rassistische Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Bildungs- und Ausbildungsbereich.

Logo der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" (ISD)Logo der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" (ISD) (© ISD)

Geschichte der ISD



2005 blickt die Neue Schwarze Bewegung [1] auf 20 Jahre zurück. 20 Jahre des Sich-Selbst-Definierens, des Suchens, des Entdeckens und Freilegens verschütteter Wurzeln in diesem Land, 20 Jahre Vernetzung auf persönlicher und organisatorischer Ebene, lokal, regional, bundesweit und international.

Angeschoben wurde die Bewegung von Schwarzen Deutschen, Menschen afrikanischer Abstammung, die für sich aus der Isolation eines Nach-Nazi-Deutschlands ausbrechen wollten bzw. mussten und dabei nach selbstbestimmten Definitionen ihres Daseins und nach eigenen, ihnen angemessenen Lebensentwürfen suchten. Der Begriff "Schwarze Deutsche" – ebenso wie der Begriff "Afro-Deutsche" – sind Eigenbezeichnungen, die in den Anfängen der sich in den 1980er Jahren formierenden Schwarzen Bewegung geprägt wurden. Sie lösten sämtliche bis dato diskriminierenden Bezeichnungen der Mehrheitsgesellschaft ab und erlauben seither die Bezeichnung und Ausformung eines menschenwürdigen (Selbst-)Bildnisses Schwarzer Menschen in Deutschland. Unter dem Namen der ISD (damals noch Initiative Schwarze Deutsche) sprossen in Städten wie München, Stuttgart, Freiburg, Hamburg, Hannover, in großen Teilen NRWs und in der Rhein-Main-Region lokale Initiativen, die jede für sich an der Leitidee weiter arbeiteten und dabei nach und nach ihre Lebenszusammenhänge und ihre Perspektiven und Aspirationen veränderten.

Noch ehe die beiden deutschen Nachkriegsländer 1989 zusammengeschlossen wurden, hatten Schwarze Menschen beiderseits des so genannten "Eisernen Vorhangs" Kontakt miteinander aufgenommen. Auch in der damaligen DDR hatten sich Schwarze Menschen zusammengeschlossen, so z.B. in Berlin (Ost), Dresden oder Leipzig. Mit der Zeit wuchs die Schwarze Bewegung, die immer gleichzeitig lokal und national agierte und orientiert war. ISD und ihre Schwesterorganisation ADEFRA (Afro-deutsche Frauen/Schwarze Frauen in Deutschland) waren dabei stets eine treibende Kraft. ISD bleibt auch weiterhin der Idee von Initiative verbunden, um den Impetus des Neuen nicht vergessen zu lassen. Die Neue Schwarze Bewegung wechselte in den ersten 20 Jahren ihrer Geschichte ihr Selbstverständnis bzw. reagierte auf interne Diskussionen, indem seit Mitte der 1990er Jahre der bundesweit agierende Verein ISD-Bund e.V. den Namen "Schwarze Menschen in Deutschland" annahm – und dies, ohne die Geschichte der Selbstdefinition und Selbstbehauptung zu vergessen, sondern vielmehr auf dieser Geschichte aufbauend.

Geschichte der ISD



ISD hat sich in all ihren Verzweigungen die Aufgabe gestellt, Räume für einen selbstbestimmten Dialog der afrikanischen Diaspora in Deutschland zu schaffen, Schwarze Deutsche Geschichte aufzuarbeiten und zu veröffentlichen und – ganz allgemein – Belange Schwarzer Menschen / Menschen afrikanischer Abstammung sichtbar und hörbar zu machen. In diesem Sinne entstanden immer wieder verschiedene Publikationsorgane, wie afro look (1986-1999), "Afrekete" (ADEFRA in den 1980iger Jahren), Blite-Jugendzeitschrift (ISD-Berlin, 1999-2002) bzw. Online-Foren wie www.afronetz.de, www.afrolink.de oder Websites wie www.cyberNomads.net (siehe Artikel Kultur®evolution) und www.isdonline.de.

In diesem Sinne hat sich auch die Tradition eines jährlichen bundesweiten Treffens von und für Schwarze Menschen etabliert, auf dem diskutiert, Wissen ausgetauscht, Meinungen gebildet und auch einfach die Gemeinschaft von Jung und Alt in der afrikanischen Diaspora genossen werden. Hieraus entstand das Sankofa-Treffen, ein selbst organisiertes Treffen Schwarzer Eltern und ihrer Kinder sowie – 2004 zum ersten Mal – eine Zusammenkunft der YoungStars, der Schwarzen Jugend und Hoffnungsträgerinnen und -träger. Legendär sind auch die in Berlin entstandenen Veranstaltungen des "Black History Month" (BHM 1990-2001), die eine breite Zusammenarbeit Afrikanischer / Schwarzer Deutscher Gruppierungen förderte. Zwar schlief der "Black History Month" zum großen Bedauern vieler BHM-Touristen und einheimischer Berliner aus organisatorischen Gründen ein, jedoch knüpften 2004 die ersten "Black Community Weeks" an den Erfahrungen und Erfolgen an.

Inzwischen steht die ISD mit ihrem Ansatz in einem bundesweiten Kontext zusammen mit vielen afrikanischen Vereinen und Persönlichkeiten, die ebenfalls die Lebenssituation in Deutschland auf ihre Agenda schreiben. In Jahrestagungen der Black Community kommen Vertreterinnen und Vertreter der Schwarzen Deutschen Diaspora zusammen, um gemeinsame Konzepte für politische, pädagogische Arbeit zu entwickeln und ein gemeinsames Fundament zu errichten, das auf gegenseitiger Akzeptanz und Kommunikation aufbaut. ISD und ADEFRA haben auch hier die Anfänge stark mitbestimmt und bringen eine engere Vernetzung voran.


Fußnoten

1.
Beim Aufarbeiten unserer Geschichte trat auch zu Tage, dass Afrikanerinnen und Afrikaner seit Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem in Kolonialmetropolen wie Hamburg und Berlin entsprechende Vereine gegründet haben mit dem Ziel, sich gegenseitig in der Bewältigung des Alltags zu unterstützen und eine Lobby zu bilden für die Menschen afrikanischer Herkunft in den Kolonien wie auch in Deutschland selbst.

 

Dossier - Afrika

Afrika

Rund 885 Millionen Menschen leben in 54 afrikanischen Staaten. Auf dem Kontinent gibt es über 3.000 Bevölkerungsgruppen und mehr als 2.000 Sprachen. Das Dossier präsentiert Afrika gestern und heute und beleuchtet die Perspektiven zukünftiger Entwicklungen. Weiter... 

Publikation zum Thema

Afrika

Afrika

Kein anderer Erdteil scheint im Bewusstsein der Deutschen weiter entfernt zu sein als Afrika - der "vergessene" Kontinent. Neben Elend und Schatten gibt es auch Positives. Weiter...

Zum Shop

Heinrich Hoffmanns Geschichte von den schwarzen Buben aus dem "Struwwelpeter" (1917).Susan Arndt

Kolonialismus, Rassismus und Sprache

Um das politische Konzept der Sklaverei und des Kolonialismus moralisch "zu legitimieren", erfand Europa sein eigenes Afrika. Der Kontinent sei das homogene und unterlegene "Andere" und bedürfe daher der "Zivilisierung". In diesem Prozess war Sprache ein wichtiges Kriterium. Weiter...