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Was uns klimafreundlich bewegt


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Susanne Böhler
Einführung
Stau
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80 Prozent der Strecken werden im Pkw oder Lkw zurückgelegt. Foto: AP
Je nach Motorisierungsrate sind weltweit zwischen zehn und 25 Prozent der Treibhausgas- emissionen durch den Verkehr bedingt. In den EU-15-Staaten betrug ihr Anteil im Jahr 2004 rund 21 Prozent. Die Ursachen für diesen hohen Anteil des Verkehrs sind vielfältig. Ein wesentlicher Treiber eines steigenden Pkw-, Lkw- und Flugverkehrs und der damit einhergehenden Belastungen ist die Globalisierung mit steigenden Warenströmen rund um die Welt und einem wachsenden Tourismus. Weitere wichtige Gründe sind steigende Einkommen in wachsenden Ökonomien einerseits und eine damit einhergehende Motorisierung andererseits. Mit einer zunehmenden Motorisierung sind Veränderungen der Raumstruktur und von Lebensstilen verbunden. Aufgrund der hohen Zuwachsraten und weiterer prognostizierter Steigerungen des Verkehrs sind Maßnahmen im Verkehrsbereich für den Klimaschutz von großer Bedeutung.

Zur Person
Susanne Böhler
geb. 1963; Studium der Raumplanung (Dipl.-Ing.); derzeit Programmleiterin für Verkehrspolitik in der Forschungsgruppe "Energie, Verkehrs- und Klimapolitik" am Wuppertal Institut. Ihre Schwerpunkte der Arbeit sind: Verkehr und Klimaschutz, Effizienzpolitik im Verkehr.

Allerdings ist im Verkehrssektor das Erreichen von Klimaschutzzielen besonders schwierig, da häufig ökonomische und individuelle Interessen im Widerstreit stehen. Angesichts des hohen Motorisierungsniveaus und einem am Pkw orientierten Lebensstil in den westlichen Industrienationen muss zuerst bei diesen ein Umdenken stattfinden. Wie notwendig dies ist, zeigen die Anteile der Kilometer, die mit den einzelnen Verkehrsträgern in Deutschland zurückgelegt werden: etwa 80 Prozent werden mit Pkw oder Lkw zurückgelegt, mit den öffentlichen Verkehrsträgern 14 Prozent (ohne Flugzeug) und zu Fuß oder mit dem Fahrrad sechs Prozent (infas/DIW 2004).

Politiken für einen klimafreundlichen Verkehr

Als klassisches nationales politisches Handlungsfeld kennt die Verkehrspolitik verschiedenste Instrumente, die zum einen auf das individuelle Handeln der Menschen und von Unternehmen und zum anderen auf die Art der genutzten Technologien abzielen.

Steuerungsinstrumente einer umweltorientierten Verkehrspolitik sind beispielsweise die Infrastrukturbereitstellung und Verkehrsplanung. Diese steuern zu einem großen Teil die Verkehrsflüsse und wirken sich unmittelbar auf das Verkehrsverhalten aus. Regulierung ist ein zweiter klassischer Bereich der Verkehrspolitik. Emissionsgrenzwerte oder Geschwindigkeitsbegrenzungen sind Beispiele dafür, wie Regeln den Rahmen für Technologieentwicklung und Verkehrsverhalten setzen. Ökonomische Instrumente zielen dagegen auf Steuerung über den Preis: Die Kosten sind eine wesentliche Grundlage für die Entscheidungen, ob und wie ein Weg zurückgelegt wird. Steuern oder Abgaben sind daher dazu geeignet, Investitionsentscheidungen und die Verkehrsmittelwahl zu beeinflussen. Mit dem Einsatz von Informationsinstrumenten und Qualifizierungsmaßnahmen wird beabsichtigt, Einfluss auf das Entscheidungsverhalten von Personen oder von Organisationen zu nehmen.

Maßgeblich für den Erfolg einer klimaschutzorientierten Verkehrspolitik ist, dass die Emissionsreduktion mit der Kombination unterschiedlicher und sich ergänzender Instrumente verfolgt wird. Verkehr ist als System zu verstehen, in dem unterschiedliche Faktoren wie Bedürfnisse, Preise, Vorschriften und Angebote zusammenwirken.

Im Integrierten Energie- und Klimaprogramm (IEKP) der Bundesregierung von 2007 wurden der Beitrag des Verkehrs zum Klimaschutz in Deutschland und Maßnahmen, wie dieser Beitrag erreicht werden soll, festgelegt. Vornehmlich durch die Förderung energiesparender Personenkraftwagen und den vermehrten Einsatz von Biokraftstoffen können nach Kalkulationen des Umweltbundesamtes 33,6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen reduziert werden. Der Verkehrssektor würde demnach einen Anteil von 12,4 Prozent an den insgesamt in Deutschland angestrebten Reduktionen von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 leisten. Damit dies gelingen kann, wird unter anderem auf die dafür notwendigen Vorgaben der EU zur Effizienz von Pkw und den Einsatz von Biokraftstoffen verwiesen.

Nach dieser Beschreibung der Instrumente und der Reduktionsziele im Verkehr werden nachfolgend zentrale Elemente einer klimafreundlichen Entwicklung im Verkehrsbereich aufgeführt: Dies umfasst zum einen die technologischen Möglichkeiten bei den Fahrzeugen und zum anderen die Veränderung der Verkehrsmittelnutzung.

CO2-freier Verkehr

Pkw und Lkw dürfen in Zukunft nur noch wenig Treibstoff bzw. Energie verbrauchen, d.h. sie müssen wesentlich effizienter werden. Dies ist auch deswegen notwendig, weil weitgehend klimaneutral erzeugte Treibstoffe wie Biotreibstoffe oder Wasserstoff nach heutigem Stand der Technik nur begrenzt verfügbar sein werden. Für die Fahrzeugtechnik heißt dies, dass Verbrennungsmotoren weniger Benzin oder Diesel verbrauchen, Batterietechnik eingesetzt oder das Fahrzeug mit Wasserstoff betrieben wird. Mit den neuen Technologien verbunden sind ebenfalls Erwartungen auf wirtschaftliche Entwicklungen mit entsprechenden Arbeitsplatzeffekten, womit ihnen im politischen und gesellschaftlichen Diskurs eine entsprechend hohe Bedeutung zukommt.

Weniger populär aber deswegen nicht weniger notwendig, sind parallel zu den technologischen Maßnahmen auch Verhaltensänderungen bei den privaten und gewerblichen Verkehrsteilnehmern erforderlich. Dies bedeutet, dass insgesamt weniger Kilometer als auch Wege mit energieeffizienten Verkehrsträgern zurückgelegt werden müssen.


12. August 2009

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