Erde

Hungersnot am Horn von Afrika

Am Horn von Afrika droht eine Jahrhundertkatastrophe. Infolge starker Dürren sind zehn Millionen Menschen von einer Hungersnot betroffen. Vor allem die Bevölkerung Somalias ist nach 20 Jahren Bürgerkrieg dem Hunger schutzlos ausgeliefert. Hier ist ein Viertel der Bevölkerung auf der Flucht.

Die Region am Horn von Afrika erlebt die schwerste Dürre seit 60 Jahren. Bis zu 10 Millionen Menschen sind von der Hungersnot betroffen. Besonders im kriegszerstörten Somalia gibt es keine Nahrungsmittelreserven. Ein Drittel der somalischen Bevölkerung - etwa 2,5 Millionen Menschen - ist UN-Angaben zufolge extrem unterernährt.

Laut Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) befindet sich bis zu einem Viertel der somalischen Bevölkerung auf der Flucht. Viele der Flüchtlinge, die nach tagelangen Wanderungen durch die Wüste in Flüchtlingslagern in Kenia und Äthiopien ankommen, seien unterernährt - vor allem Kinder. Ihnen könne selbst sofortige ärztliche Hilfe und Nahrungszufuhr häufig nicht mehr helfen. Der UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres nannte die Situation der somalischen Flüchtlinge "die größte humanitäre Katastrophe der Welt". Die UN rief Regierungen dazu auf, Hilfsaktionen für die Flüchtlinge zu unterstützen.

In Kenia und Äthiopien verzeichnen die Behörden einen stetigen Andrang somalischer Flüchtlinge. Das derzeit größte Flüchtlingslager der Welt ist im kenianischen Dadaab entstanden. Errichtet wurde das Lager für 90.000 Menschen. Heute leben dort 380.000 und jeden Tag kommen 1.400 neue Schutzsuchende hinzu.

Somalia - der "gescheiterte Staat"



Somalia rangiert in der Liste der so genannten "failed states", der gescheiterten Staaten, die von der Organisation »Fund for Peace« erstellt wird, seit Jahren an erster Stelle. Unter einem "failed state" versteht man einen Staat, dessen Regierung keine Kontrolle über das Staatsgebiet ausüben kann. Zentrale Aufgaben - wie die Gewährleistung der Sicherheit, die Aufrechterhaltung der Infrastruktur oder die Bereitstellung eines funktionierenden Gesundheits- und Bildungssystems - können von der Regierung nicht erfüllt werden.

In Somalia herrscht seit zwanzig Jahren Bürgerkrieg. Seit Präsident Siad Barre im Jahr 1991 von gegnerischen Clans gestürzt wurde, tobt der Kampf um seine Nachfolge. 2004 einigten sich die rivalisierenden Clans in Kenia auf die Bildung einer Übergangsregierung, die jedoch nur kleine Teile des Landes kontrollierte und durch den Aufstieg islamistischer Milizen gefährdet war.

Mit Hilfe des äthiopischen Militärs drängten regierungstreue Truppen Ende 2006 die Milizen zurück und eroberten erstmals die Hauptstadt Mogadischu. 2008 einigte sich die Übergangsregierung in Friedensgespräche mit ihren Gegnern auf die Aufteilung des Landes. Anfang 2009 zogen die äthiopischen Truppen ab.

Kurz darauf wählte das Parlament, in dem nun auch die oppositionelle Allianz für die Wiederbefreiung Somalias vertreten war, den gemäßigten Islamisten Sharif Sheikh Ahmed zum neuen Präsidenten. Doch auch ihm gelang es nicht, den Einfluss der Regierung auszuweiten. Noch immer kontrollieren islamistische Milizen - darunter die Al Shabaab-Miliz - weite Landesteile in Süd- und Zentralsomalia. Der politische stabilere Norden des Landes hat sich schon 1991 für unabhängig erklärt, wird international aber nicht anerkannt.

Der Alltag der Bevölkerung in Somalia ist weiterhin von der Willkürherrschaft der Milizen bestimmt. Die verschiedenen Warlords finanzieren sich u.a. durch Wegzölle, Piraterie und eine militärisch gestützte Marktkontrolle.

Finanzielle Unterstützung gegen Hunger



Die instabile Sicherheitslage in Somalia erschwert die Verteilung von Hilfsgütern. 2009 hatte die Al Shabaab-Miliz ausländische Hilfsorganisationen aus ihren Territorien verbannt.

Die Vereinten Nationen versorgen in den Ländern am Horn von Afrika derzeit insgesamt rund sechs Millionen Menschen. Damit sich die Lage in den Flüchtlingslagern verbessert, seien 500 Millionen Dollar nötig, so Ralf Südhoff, Sprecher des UN-Ernährungsprogramms.

Bundeskanzlerin Merkel befindet sich seit Dienstag (12. Juli) auf einer dreitägigen Afrika-Reise, auf der sie Kenia, Angola und Nigeria besuchen wird. Ein Sprecher des Entwicklungshilfeministeriums hat angekündigt, dass Deutschland Kenia angesichts der Flüchtlingskatastrophe "erhebliche Finanzhilfen" bereit stellen wolle.


Mehr zum Thema

Kämpfer der islamistischen al-Shabaab Milizen in der Nähe von Mogadishu im Februar 2011.

Ulf Terlinden

Somalia

Die im August 2012 eingesetzte und international anerkannte Regierung blickt einer äußerst ungewissen Zukunft entgegen. Die Fortschritte im Staatsbildungsprozess bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Von der instabilen Situation profitieren radikale Akteure wie die islamistische Miliz Al Shabaab. Weiter...

Sgt. Kelly Gaskey, 51, aus Cleveland, Tennessee trägt seinen Rucksack während sich seine Firma vorbereitet einen Kampf Außenposten in Bagdad, Irak, zu verlassen.

Daniel Lambach

Fragile Staatlichkeit als Konfliktursache und Möglichkeiten der Bearbeitung

Innerstaatliche Konflikte entstehen vor allem dort, wo der Staat zu schwach ist. "Fragil", "zerfallen" oder "kollabiert" nennt man solche Staaten, die ihre zentralen Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können. Doch der Wiederaufbau von Staaten ist eine schwierige Aufgabe. Weiter...

Traumatisierte Frau in einem Flüchtlingslager in Liberia

Franziska Ulm

Menschenrechte in Afrika

Die Bevölkerung Afrikas wird im Kontext gewaltsamer Konflikte, angesichts gravierender Entwicklungsprobleme und Menschenrechtsverletzungen häufig als Gesellschaft von Opfern wahrgenommen. Ein Bild, das trügt? Franziska Ulm über positive und negative Entwicklungen der Menschenrechtssituation in Afrika. Weiter...

 
zum Fragebogen >

Ihre Meinung ist uns wichtig


Vielen Dank für Ihren Besuch von bpb.de!

Wir wollen unseren Internetauftritt verbessern - und zwar mit Ihrer Hilfe. Dazu laden wir Sie herzlich zu einer kurzen Befragung ein. Sie dauert etwa 10-12 Minuten. Die Befragung führt das unabhängige Marktforschungsinstitut SKOPOS für uns durch.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Teilnahme. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig!

Ihre Bundeszentrale für politische Bildung

Information zum Datenschutz und zur Datensicherheit


Als unabhängiges Marktforschungsinstitut führt SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung GmbH & Co. KG im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung diese Befragung durch.

Zur Durchführung der Befragung erhebt SKOPOS Ihre IP-Adresse. Diese wird umgehend anonymisiert und getrennt von den Befragungsdaten verarbeitet, deshalb ist eine Identifizierung von Personen nicht möglich. Weitere personenbeziehbare oder personenbezogene Daten werden nicht erhoben.

Die Befragung entspricht den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz und den Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. sowie der Europäischen Gesellschaft für Meinungs- und Marketingforschung. Es erfolgt keine Weitergabe an Dritte.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.