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Der Untergang der Weimarer Republik

Kampf um die Republik 1919 - 1923

Friedrich Ebert und Konrad Adenauer
Grossansicht des Bildes
Reichspräsident Friedrich Ebert (Mitte) mit dem Kölner Oberbürgermeister und späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer (rechts) in den 1920er Jahren. Foto: AP
Schon die ersten Jahre der Weimarer Republik erwiesen sich politisch als äußerst schwierig: Die Last der Reparationszahlungen, die fehlende Akzeptanz der neuen Staatsform in der Bevölkerung und ein aufkeimender Extremismus stellten die junge Demokratie vor eine Zerreißprobe.


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Auszug aus:
Kampf um die Republik 1919-1923, Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)
Sturm, Reinhard
Inhalt
Einleitung
Versailler Vertrag
Finanzpolitik und Wirtschaftsentwicklung
Politische Polarisierung
Rechtsradikalismus
Aufstände und Putschversuche
Reparationsprobleme
Deutsch-russisches Abkommen
Ruhrbesetzung
Hyperinflation
Diktatur in Bayern
Kommunistische Umsturzversuche
Hitler-Putsch
Separatistenbewegungen
Ablösung Stresemanns
Politische Polarisierung
Mitte 1919 klagte Ludendorff in einem Gespräch mit dem Chef der britischen Militärmission, Generalmajor Malcolm, über die mangelnde Unterstützung der deutschen Front durch die Heimat im letzten Kriegsjahr. "You mean that you were stabbed in the back?" fragte Malcolm erstaunt zurück. Diese Formulierung griff Ludendorff sofort auf: "Ja, genau das. Man hat uns einen Dolchstoß in den Rücken versetzt." Dies war (auch wenn sich der Begriff bis zum Dezember 1918 zurückdatieren lässt) die eigentliche Geburt der berüchtigten so genannten Dolchstoßlegende.

Hindenburg, seit dem 25. Juni 1919 im Ruhestand, machte am 18. November vor dem Ausschuss der Nationalversammlung für die Schuldfragen des Weltkriegs eine Aussage über die "Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918". Er las einen Text vom Blatt ab, der in der Öffentlichkeit ungeheures Aufsehen erregte: "In dieser Zeit setzte die heimliche planmäßige Zersetzung von Flotte und Heer als Fortsetzung ähnlicher Erscheinungen im Frieden ein [...]. So mussten unsere Operationen misslingen, es musste der Zusammenbruch kommen; die Revolution bildete nur den Schlussstein. Ein englischer General sagte mit Recht: ,Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden.' [...] Wo die Schuld liegt, ist klar erwiesen."

Damit stellte Hindenburg die Tatsachen auf den Kopf. Niemand wusste besser als die kaiserlichen Generäle, dass der Krieg unter ihrer Führung bereits militärisch verloren war, bevor die Auflösungserscheinungen an der Westfront begannen; dass diese nicht so sehr auf "Zersetzung" zurückzuführen waren (obwohl es solche Versuche gegeben hatte), sondern auf Erschöpfung und Verzweiflung; dass die OHL selbst die von ihr gewünschte parlamentarische Regierung sofort zu einem kapitulationsähnlichen Waffenstillstandsgesuch gezwungen hatte und dass sich die Revolution erst Bahn gebrochen hatte, als die Illusion vom "Siegfrieden" geplatzt war. Selbst Ludendorff bezeichnete in seinen 1919 erschienenen "Kriegserinnerungen" Amerika als "kriegsentscheidende Macht". Aber kaum einer besaß die Aufrichtigkeit des Generals von Schönaich, der in der "Frankfurter Zeitung" vom 23. August 1924 nüchtern feststellte: "Der deutsche Militarismus beging einfach Selbstmord".

Die republikanischen Parteien unterschätzten die politische Sprengkraft der Dolchstoßlegende. Sie unterließen es, die deutsche Öffentlichkeit unablässig darüber aufzuklären, dass allein das Regime Wilhelms II. die Verantwortung für Kriegsniederlage, Waffenstillstandsabkommen und Friedensvertrag trug. Dieses Versäumnis hatte fatale Folgen: Unter den als hart und demütigend empfundenen Bedingungen des Versailler Vertrages, bei anhaltender offizieller Kriegsunschuldspropaganda, stieß die von prominenten kaiserlichen Militärs und Politikern mit Unterstützung konservativer und rechtsradikaler Zeitungen unermüdlich verbreitete Dolchstoßlegende in breiten Bevölkerungskreisen, die sich mit der Sinnlosigkeit ihrer Entbehrungen und Opfer im Krieg nicht abfinden mochten, auf Zustimmung - vom rechtsradikalen Lager und der DNVP über die Freikorps und die Reichswehr bis weit in die Reihen der bürgerlichen Parteien und der Kirchen. Dadurch wirkte sie ihrerseits wie ein Dolchstoß "in den Rücken des neuen Staates" (Albert Schwarz).



bild5.jpg

Die Verwendung dieser Karikatur ist honorarpflichtig.




Auszug aus:
Kampf um die Republik 1919-1923, Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)


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