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Der Untergang der Weimarer Republik

Kampf um die Republik 1919 - 1923

Friedrich Ebert und Konrad Adenauer
Grossansicht des Bildes
Reichspräsident Friedrich Ebert (Mitte) mit dem Kölner Oberbürgermeister und späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer (rechts) in den 1920er Jahren. Foto: AP
Schon die ersten Jahre der Weimarer Republik erwiesen sich politisch als äußerst schwierig: Die Last der Reparationszahlungen, die fehlende Akzeptanz der neuen Staatsform in der Bevölkerung und ein aufkeimender Extremismus stellten die junge Demokratie vor eine Zerreißprobe.


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Auszug aus:
Kampf um die Republik 1919-1923, Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)
Sturm, Reinhard
Inhalt
Einleitung
Versailler Vertrag
Finanzpolitik und Wirtschaftsentwicklung
Politische Polarisierung
Rechtsradikalismus
Aufstände und Putschversuche
Reparationsprobleme
Deutsch-russisches Abkommen
Ruhrbesetzung
Hyperinflation
Diktatur in Bayern
Kommunistische Umsturzversuche
Hitler-Putsch
Separatistenbewegungen
Ablösung Stresemanns
Ruhrbesetzung
Nun geht das Krisenjahr zu Ende. Die inneren und äußeren Gefahren waren so groß, dass sie Deutschlands ganze Zukunft bedrohten," schrieb der britische Botschafter in Berlin, Viscount d'Abernon, am 31. Dezember 1923 in sein Tagebuch. In der Tat wurde die Republik in jenem Jahr heftiger denn je von einer ganzen Serie schwerer wirtschaftlicher und politischer Krisen geschüttelt.

Wegen der akuten wirtschaftlichen und finanziellen Probleme des Reiches (Verbrauch der Gold- und Devisenvorräte für die Reparationen, Staatsverschuldung, Währungsverfall) verzichteten die Alliierten im August 1922 vorläufig auf Geldleistungen. Zum Ausgleich verlangten sie eine Erhöhung der Güterlieferungen, unter anderem von Holz (Telegrafenstangen) und Kohle. Die gegensätzlichen Bemühungen um eine Revision des Versailler Vertrages gingen weiter: Strebte Deutschland prinzipiell nach einer Senkung der Leistungsverpflichtungen und nach längerfristigen Zahlungsaufschüben, so trieb Frankreich unter dem Eindruck des Vertrages von Rapallo die Verwirklichung seiner sicherheitspolitischen Strategie mit der Idee der "produktiven Pfänder" voran. Danach sollten die Alliierten die deutschen Industrieanlagen im Ruhrgebiet kontrollieren, um die vollständige und pünktliche Ablieferung der Reparationen zu erzwingen.

Als das Reich die Holzlieferungen bis Ende 1922 nicht erfüllen konnte, stellte die alliierte Reparationskommission am 26. Dezember 1922 fest, Deutschland sei in Verzug geraten (einstimmig) und habe gegen den Versailler Vertrag verstoßen (gegen die Stimme Englands). Frankreich forderte sogleich territoriale Sanktionen, weil Deutschland vorsätzlich gehandelt habe. Ein amerikanischer Vermittlungsversuch scheiterte. Am 9. Januar 1923 unterstellte die Reparationskommission mehrheitlich auch eine absichtliche Zurückhaltung deutscher Kohlelieferungen. Tags darauf wurde der Reichsregierung eine französisch-belgisch-italienische Ingenieurkommission angekündigt, die unter dem Schutz der dazu "erforderlichen Truppen" die Kohleproduktion kontrollieren werde. Am 11. Januar begann der Einmarsch von fünf französischen Divisionen und einer belgischen Division (60000 Mann) in Essen und Gelsenkirchen; danach wurde die Besetzung über Bochum und Dortmund nach Osten ausgedehnt. Im Laufe des Jahres erreichten die Invasionstruppen eine Stärke von 100000 Mann.

Quer durch die Parteien und sozialen Schichten wurde Deutschland von einer nationalen Protestwelle erfasst. Sämtliche Reparationslieferungen wurden eingestellt und die Beamten angewiesen, jede Zusammenarbeit mit den Besatzern zu vermeiden. Schon bevor Reichspräsident Ebert am 13. Februar dazu aufrief, gingen Behörden und Betriebe zum "passiven Widerstand" über: Sie arbeiteten nur für deutsche Belange weiter, ohne französischen oder belgischen Befehlen zu gehorchen.

Die Invasionstruppen überwachten den Abtransport von Holz und Kohle, fanden aber bald kein mitarbeitsbereites Personal mehr. Daraufhin legten sie Zechen und Fabriken still, beschlagnahmten öffentliche Kassen und Firmenkassen und wiesen 180000 Personen aus. Von den Besatzern zu verantwortende Gewaltakte und Unfälle forderten bis August 1924 137 Tote und 603 Verletzte. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden der Ruhrbesetzung belief sich auf 3,5 bis vier Milliarden GM.

Entgegen den Appellen der Reichsregierung entwickelte sich neben dem passiven Widerstand der Bevölkerung auch ein aktiver Widerstand rechtsradikaler Sabotagetrupps, die sich aus ehemaligen Freikorpsleuten und anderen deutschvölkischen Gruppen bildeten. Diese Trupps sprengten einige Kanalbrücken und Gleise, um den Abtransport von Reparationsgütern zu verhindern; sie überfielen französische und belgische Posten und töteten mindestens acht Kollaborateure. Zum Märtyrer des gesamten Widerstandes gegen die Ruhrbesetzung wurde der 29-jährige Albert Leo Schlageter, ehemaliger Freikorpssoldat, Mitglied der NSDAP und anderer deutschvölkischer Verbände. Nach mehreren erfolgreichen Sabotageakten wurde er gefasst, von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und trotz landesweiter und internationaler Proteste am 26. Mai 1923 hingerichtet.



Auszug aus:
Kampf um die Republik 1919-1923, Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)



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