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Megastädte
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Gegenwärtig wachsen die Städte dort am schnellsten, wo es noch eine große ländliche Bevölkerung gibt. Die massive Landflucht, die Europa schon im 19. Jahrhundert und Lateinamerika Mitte des 20. Jahrhunderts geprägt hat, greift nun auf alle Regionen über, insbesondere auf Asien und Afrika, wo die große Mehrheit der Bevölkerung noch auf dem Lande lebt. In China und Indien hat die massenhafte Wanderung hin zu den boomenden Zentren längst begonnen und wird nicht mehr aufzuhalten sein. Die Zahlen zur ländlichen Bevölkerung sind also ein wichtiger Indikator für den zukünftigen Verstädterungsdruck, der in den Entwicklungs- und Schwellenländern zu erwarten ist.

Derzeit (2005) leben weltweit rund 3,3 Mrd. Menschen auf dem Land, davon in den hoch entwickelten Ländern 313 Mio. und in den weniger entwickelten 3 Mrd. In Asien gibt es 2,4 Mrd. Landbewohner, in Afrika 560 Mio., in Europa (mit Russ. Föderation) 203 Mio., in Lateinamerika 127 Mio. und in Nordamerika 64 Mio. Rund die Hälfte der globalen Landbevölkerung lebt in Indien und China (786 bzw. 784 Mio.), weitere Länder mit einer großen ländlichen Bevölkerung sind Indonesien (116 Mio.), Bangladesh (106 Mio.) und Pakistan (103 Mio.).

Die ländliche Bevölkerung wird bis 2020 weiter zunehmen, erst dann wird mit einer langsamen Abnahme gerechnet. In den kommenden Jahrzehnten muss also nicht nur eine riesige Verstädterungswelle bewältigt werden, sondern es muss auch Entwicklung und Fortschritt für die 3,3 Mrd. Menschen auf dem Lande geben, soll nicht die Landflucht außer Kontrolle geraten und die Städte überfluten.

In Asien wird die Landbevölkerung langfristig (2030) nicht mehr wachsen, sondern von 2,4 auf 2,2 Mrd. absinken. Dabei gibt es in den einzelnen asiatischen Ländern jedoch große Unterschiede. So wird sich die ländliche Bevölkerung in China bis 2030 deutlich verringern (von 784 auf 573 Mio.), während die Landbevölkerung in Indien weiter zunimmt (von rund 786 auf 859 Mio.). Dieser gegenläufige Trend verweist auf eine andere demographische Entwicklung (z.B. Ein-Kind-Politik in China) und auf die unterschiedlichen Entwicklungsmodelle, die diese beiden großen "Boom-Länder" verfolgen. In Bangladesh und Pakistan wächst die Landbevölkerung besonders rasch, während in Indonesien, Vietnam und Thailand mit einer schrumpfenden oder stagnierenden ländlichen Bevölkerung zu rechnen ist.

In Afrika wird die Landbevölkerung bis 2030 von 558 auf 721 Mio. anwachsen, wobei die teilweise jetzt schon überbevölkerten ländlichen Gebiete weitere 163 Mio. Menschen aufnehmen müssen. Es wird enorme Anstrengungen erfordern, damit nicht ganze Sub-Regionen unter dem demographischen, ökonomischen und ökologischen Druck zusammenbrechen und die Bevölkerung in großer Zahl zum Abwandern zwingt. Vor allem Ostafrika (+103 Mio.) trägt zum Wachstum der ländlichen Bevölkerung bei, während in Nordafrika die Landbevölkerung kaum noch wächst und in Südafrika sogar leicht abnimmt. Länder mit einer immer noch stark wachsenden ländlichen Bevölkerung sind Äthiopien, Kenia, Kongo und Ägypten. Im bevölkerungsreichen Nigeria und Ghana dagegen stagniert die Landbevölkerung, was auf den raschen Verstädterungsprozess in diesen Ländern hinweist.

In Lateinamerika und Karibik, wo derzeit noch 127 Mio. Menschen auf dem Lande leben, nimmt die Landbevölkerung weiter ab (-14 Mio.). Nur in wenigen armen Ländern wie Guatemala, Honduras und Peru nimmt die ländliche Bevölkerung immer noch zu.

In Nordamerika (USA und Kanada) leben nur noch 64 Mio. Menschen auf dem Land. Diese Zahl wird bis 2030 auf 53 Mio. schrumpfen, womit dann ein gewisser Endpunkt erreicht ist, weil nur noch eine kleine Minderheit auf dem Lande lebt, die für die Aufrechterhaltung der Agrarindustrie und der elementaren Dienstleistungen im ländlichen Raum erforderlich ist. Andererseits gibt es zunehmend Menschen, die auf dem Lande wohnen, ihr Einkommen aber aus urbanen Tätigkeiten beziehen.

In Europa (mit Russ. Föderation) leben insgesamt 203 Mio. Menschen auf dem Land, wobei in Ost- und Südeuropa die Landbevölkerung wesentlich größer ist als in Nord- und Westeuropa (144 bzw. 59 Mio.). Langfristig (2030) wird die gesamteuropäische Landbevölkerung auf 152 Mio. schrumpfen. Im Unterschied zu Asien, Afrika und Lateinamerika ist die ländliche Bevölkerung in Nord- und Westeuropa kaum noch im Agrarsektor beschäftigt, sondern es handelt sich um "urbane" Landbewohner, die zur Arbeit in die nahe gelegenen Orte und Städte pendeln.

Da immer noch die Hälfte der Weltbevölkerung (3,3 Mrd.) auf dem Lande lebt, kommt der ländlichen Entwicklung eine hohe Priorität zu. Aber auch eine intensive ländliche Entwicklung – die es nur in wenigen Ländern gibt – wird die bäuerliche Bevölkerung nicht bei 40 oder 50% halten können, während in den reichen Ländern nur noch 3% der Bevölkerung aktiv im Agrarsektor tätig sind. Weder die traditionelle noch die moderne Landwirtschaft ist in der Lage, die immer noch wachsende Landbevölkerung zu absorbieren. Deshalb ist in vielen Ländern eine verstärkte Land-Stadt-Wanderung unvermeidlich, wobei sich nur die Frage stellt, wohin diese gelenkt werden soll: in die regionalen Klein- und Mittelstädte, in die großen Metropolen oder hin zu weiter entfernten Zielen, d.h. in andere Länder und Kontinente.

Definition

Anteil (%) der ländlichen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung eines Landes. Die Definition von "ländlicher" und "städtischer" Bevölkerung richtet sich in den meisten Ländern nach der Bevölkerungszahl der Orte. Demnach gilt diejenige Bevölkerung als ländlich, die in Orten unterhalb einer bestimmten Mindestgröße lebt, dies unabhängig davon, ob die Menschen aktiv in der Landwirtschaft tätig sind oder nicht. Da diese Definition von Land zu Land variiert, ist auch der internationale Vergleich mit beträchtlichen Unschärfen behaftet.

Statistik

Ländliche Bevölkerung 2005 / 2030 (in Millionen)

  2005 2030
Welt 3.314 3.286
entwickelte Länder 313 239
Entwicklungsländer 3.001 3.046
   
Afrika 558 721
Asien 2.352 2.235
- China 784 573
- Indien 786 859
Europa 202 151
Lateinamerika u. Karibik 126 113
Nordamerika 63 53
Ozeanien (m. Australien) 9 11


Quelle
United Nations Department of Economic and Social Affairs / Population Division World Urbanization Prospects: The 2005 Revision
www.un.org/esa/
www.un.org/esa/

Autor: Prof. Dr. Eckhart Ribbeck




Links ins Internet

International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) - Urbanization

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