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8. März: Weltfrauentag

Am 8. März begehen Frauen in aller Welt den Internationalen Frauentag. Seit mehr als 100 Jahren fordern Frauen an diesem Tag Gleichberechtigung und prangern die nach wie vor herrschende Gewalt gegen Frauen an.

Eine Frau mit Ballerinas geht am 18.06.2013 in Berlin eine Treppe hinunter. Der bisher heißeste Tag des Jahres lädt zu luftiger Kleidung ein. Foto: Nicolas Armer/dpaFrauen auf dem Weg nach oben? Besonders in Führungspositionen sind Frauen noch unterrepräsentiert. (© picture-alliance/dpa)

"Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte" - das forderte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin 1910 auf dem II. Kongress der Sozialistischen Internationale in Kopenhagen. Ein Jahr später gingen erstmals Frauen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz zum Frauentag auf die Straße. Ihre zentrale Forderung: Einführung des Frauenwahlrechts und Teilhabe an der politischen Macht. Außer in Finnland durften zu diesem Zeitpunkt in keinem europäischen Land Frauen wählen. In Deutschland wurde Frauen dieses Recht erst 1918 zugestanden. In der Schweiz sollte es noch mehr als 40 Jahre dauern, bis Frauen im Jahr 1971 erstmals wählen durften.

Geschichte des Weltfrauentags



Heute blickt der Weltfrauentag auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. In Deutschland wurde der Internationale Frauentag unter der NS-Herrschaft als sozialistischer Feiertag verboten. Stattdessen propagierten die Nationalsozialisten den Muttertag und die "biologische Verpflichtung" der Frau. Im Zuge der neuen Frauenbewegung in der Bundesrepublik Ende der 1960er Jahre gelangte er wieder in das Bewusstsein zurück. Seit den 1980er Jahren hat er in ganz Westeuropa wieder an Bedeutung gewonnen. Die Forderungen hingen wesentlich von den historischen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab: Zu Beginn des letzten Jahrhunderts kämpften Frauen für ihre fundamentalen politischen und bürgerlichen Rechte, wie etwa das Recht auf Bildung. In den 1960er und 70er Jahren erreichte die Frauenbewegung im Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218 einen Höhepunkt. Wichtige Forderungen der Frauenbewegung heute sind die Frage nach der Rolle von Frauen in politischen Entscheidungsprozessen sowie der weltweite Kampf gegen Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Diskriminierung per Gesetz



In Deutschland erhielt mit der Verabschiedung des Grundgesetzes vor 60 Jahren die Gleichbehandlung von Frau und Mann in Gestalt des Gleichstellungsartikels (Art. 3 GG) erstmals Verfassungsrang. Am 1. Juli 1958 wurde die Vorgabe des Grundgesetzes mit dem Inkrafttreten des Gleichberechtigungsgesetzes (GleichberG) dann auch bundesdeutsche Gesetzeswirklichkeit. Zuvor war es Frauen zum Beispiel nicht erlaubt, ohne Zustimmung ihres Ehemannes ein eigenes Bankkonto zu eröffnen. Auch die Verfügungsgewalt über das Geld hatte der Mann. Mit dem Gleichberechtigungsgesetz von 1958 war Diskriminierung per Gesetz jedoch noch nicht abgeschafft. Erst seit 1977 brauchen Ehefrauen nicht mehr die Einwilligung ihres Mannes, um arbeiten zu dürfen. Zudem wurde Vergewaltigung in der Ehe erst 1997 strafbar.

Gegenwärtiger Stand



Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist eine der am weitesten verbreiteten und systematisch begangenen Menschenrechtsverletzungen. "UN Women", die für Gleichberechtigung zuständige Sektion der Vereinten Nationen, definiert Gewalt gegen Frauen als jegliche geschlechtsbasierte Gewalt, durch die Frauen physisch, sexuell oder psychologisch leiden. Auch Männer und Jungen erfahren Gewalt. Gewalt gegen Frauen wird jedoch spezifisch als "in Geschlecht begründet" ("gender-based") definiert, da Frauen durch ihre strukturell benachteiligte Rolle in der Gesellschaft speziellen Formen von Gewalt besonders stark ausgesetzt sind.

Am häufigsten äußert sich Gewalt gegen Frauen in häuslicher und sexueller Gewalt, in sexueller Belästigung sowie emotionaler und psychischer Gewalt. Sexuelle Gewalt ist zudem eine weitverbreitete Kriegstaktik: Durch systematische Vergewaltigungen soll dabei der Widerstand der Bevölkerung gebrochen werden. Auch weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Mord an weiblichen Neugeborenen, Frauenhandel oder sogenannte "Ehrenmorde" zählt die UN zum Feld der Gewalt gegen Frauen.

Besonders betroffen sind in Kriegsgebieten lebende Frauen und Mädchen, die u.a. ethnischen oder sexuellen Minderheiten angehören, keinen legalen Aufenthaltsstatus haben oder etwa in Gefängnissen inhaftiert sind. Das Risiko für arme Frauen, Gewalt ausgesetzt zu sein, ist doppelt so hoch wie für Männer - vor allem in Entwicklungsländern.

In einer weltweiten UN-Umfrage (2011) gaben je Land zwischen 15 und 76 Prozent der Frauen an, schon einmal physische und/oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben. Der Großteil dieser Gewalt findet im häuslichen Umfeld statt.

Gewalt gegen Frauen übergreift alle sozialen Schichten. In Deutschland haben etwa 25 Prozent der Frauen zwischen 16 und 85 Jahren schon einmal Gewalt durch einen Ehemann oder Partner erlebt, so eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Reproduktive Rechte von Frauen

In vielen Ländern der Welt werden die reproduktiven Rechte von Frauen, wie sie z.B. von den Vereinten Nationen 1994 formuliert wurden, nicht hinreichend geschützt. Zu den reproduktiven Rechten gehört unter anderem das Recht auf ein sicheres und selbstbestimmtes Sexualleben, das Recht auf Familienplanung, der Zugang zu effektiven Verhütungsmitteln und das Recht auf Gesundheitsvorsorge für eine sichere Schwangerschaft und Geburt.

Vor allem auf ärmere Frauen in Entwicklungsländern wirkt sich die fehlende Durchsetzung dieser Rechte unmittelbar aus: Die Folge sind unter anderem ungewollte Schwangerschaften, hohe Müttersterblichkeit und sexuell übertragbare Infektionen wie HIV.

Frauen in der Arbeitswelt - Die gläserne Decke

Frauen stellen die überwältigende Mehrheit der weltweit von Armut Betroffenen. Schätzungen gehen von einem Frauenanteil von 70 Prozent aus. Frauen werden sehr häufig schlechter bezahlt als Männer - 2008 betrug der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen weltweit 17 Prozent. Gleichzeitig sind weltweit mehrheitlich Frauen in unsicheren und niedrig bezahlten Arbeitsverhältnissen angestellt. Dadurch sind Frauen auch besonders stark von globalen wirtschaftlichen Ereignissen wie der Finanzkrise betroffen.

In Deutschland sind laut einer Studie von 2009 44 Prozent der Berufstätigen weiblich. Unter diesen haben jedoch sehr viele einen Teilzeitjob: Über 80 Prozent der Teilzeitbeschäftigen sind Frauen. An den Vollzeitbeschäftigten stellen Frauen nur 35 Prozent.

Nach wie vor erhalten berufstätige Frauen für die gleiche Leistung weniger Geld als Männer. Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland liegt seit mehreren Jahren konstant bei 23 Prozent. Innerhalb der EU liegt Deutschland damit an viertletzter Stelle - nur in drei EU-Ländern ist der Unterschied noch größer. Bereinigt nach Gleichheit der Arbeit und Qualifikation liegt der Lohnunterschied in Deutschland noch bei acht Prozent.

Auch in Führungspositionen sind Frauen in Deutschland nach wie vor kaum zu finden: Nur vier Prozent aller beschäftigten Frauen nimmt eine Führungsposition ein. Bei den Männern sind es zehn Prozent. Und das, obwohl Frauen genauso qualifiziert sind wie Männer. Bei den Hochschulabschlüssen sind sie inzwischen sogar in der Mehrheit: Im Jahr 2008 waren über 52 Prozent der HochschulabsolventInnen weiblich.

Gleichzeitig wird unbezahlte Arbeit in Haushalt, Pflege und Erziehung nach wie vor hauptsächlich von Frauen übernommen - auch wenn Frauen berufstätig sind. Diese traditionelle Arbeitsteilung ist immer noch vorherrschend.

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