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Dossier

Peking


Smogfrei für Olympia
Sonja Ernst
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Hintergrund

Strasse in Peking
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Peking leidet unter Luftverschmutzung
Foto: Mike Christensen

Zu den Olympischen Spielen im Sommer 2008 soll nicht nur ein Fahrverbot für einen blauen Himmel über Peking sorgen. Auch einzelne Fabriken werden dann abgeschaltet. So will Peking zumindest während des Sport-Events der hohen Luftverschmutzung zu Leibe rücken. Mittlerweile sind mehr als drei Millionen Autos auf den Straßen Pekings unterwegs, viele Fabriken sind überaltert. Die Ozon- und Feinstaubwerte in der Pekinger Luft liegen fast immer weit über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation. Neben der Luftverschmutzung leidet Peking auch unter Wassernot. Die Grundwasservorräte reichen nicht mehr aus, um die Stadt ausreichend zu versorgen. Große Pipeline-Projekte sollen nun den Wassermangel beseitigen.

Peking durchläuft zurzeit einen radikalen Wandel. Neben Schanghai soll auch die Hauptstadt zur Weltklasse aufsteigen. Unter Deng Xiaoping hatte ab den 1980er Jahren die Öffnung des Landes begonnen: Schrittweise wurden ausländische Investitionen zugelassen, Privateigentum wurde möglich. In den 1990er Jahren konnte die chinesische Volkswirtschaft mit enormen Wachstumsraten auftrumpfen: Seitdem prosperieren auch die Städte.

Superlative moderner Architektur
So herrscht in Peking derzeit ein wahrer Bau- und Wirtschaftsboom. Entlang des Chang' an Boulevards, der Ost-West-Achse, die südlich der Verbotenen Stadt verläuft, reihen sich die Büro- und Geschäftskomplexe aneinander – gedrungen wirkende Gebäude, begrenzt durch das Höhenlimit rund um die Verbotene Stadt. Erst ab dem dritten, vierten Stadtring schießen die Gebäude auch in die Höhe. Dort steht das China World Trade Center, ebenso der gigantische Wohnkomplex SOHO. Der Name ist dem New Yorker Stadtteil entliehen. Etwas abseits der breiten Straße entsteht die neue Zentrale des chinesischen Staatsfernsehens CCTV. Entworfen von dem niederländischen Architekten Rem Koolhaas ist die CCTV Zentrale zurzeit eines der spektakulärsten Hochhäuser Chinas. Und es ist nur der Anfang einer "neuen Stadt": Rund um die CCTV Zentrale entstehen hunderte neuer Hochhäuser.

Auch die Gebäude für die Olympiade 2008 zeichnen sich teils durch eine markante Architektur aus. Das Olympiagelände entsteht im Norden Pekings: 19 Wettkampfstätten werden neu gebaut, andere aufwändig renoviert. Herzstück wird der Olympia-Park sein: Im "Olympic Green", so der Name, werden tausende neuer Bäume gepflanzt. Dort findet sich das Schwimm- und Hallenstadion sowie das Olympiastadion. Letzteres hat aufgrund der Form seiner Stahlkonstruktion auch schon einen Spitznamen erhalten: Das Vogelnest. Architektonische Superlative sind zunehmend auch in der Hauptstadt zu finden. Peking wird zur World City ausgebaut.

Eingang zum Kaiserpalast
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Heute eine Sehenswürdigkeit: Der Eingang zur Verbotenen Stadt
Foto: Mike Christensen

Die nördliche Hauptstadt
1.000 v. Chr. wurde die Stadt zum ersten Mal erwähnt. Anfang des 15. Jahrhunderts erlebte die Stadt ihre erste Blütezeit. Unter der Ming-Dynastie wurde Peking, wörtlich die "nördliche Hauptstadt", zum politischen Zentrum des chinesischen Reiches. Die Verbotene Stadt wurde erbaut: Auf über 700.000 Quadratmetern entstanden zahlreiche Paläste, Pavillons, Innenhöfe und Gärten umgeben von einer hohen Mauer. Abgeschirmt vom Volk regierten die Kaiser der Ming- und Qing-Dynastie aus der Verbotenen Stadt heraus das Land. Das Zentrum wurde nicht zum öffentlichen Raum, sondern blieb den Mächtigen und ihrem Hofstaat vorenthalten.

Das Ende der letzten Dynastie, der Qing-Dynastie kam 1911. Mit der Gründung der Republik China verlegte die neue Nationalregierung die Hauptstadt nach Nanking. Nach den Kriegswirren nahmen Anfang 1949 die Kommunisten Peking ein. Noch im selben Jahr rief Mao Tse-tung die Volksrepublik China aus – auf dem Tiananmen-Platz.

Die riesige Freifläche erstreckt sich südlich der Verbotenen Stadt. Heute ist der Tiananmen-Platz, der "Platz des Himmlichen Friedens" umrahmt vom Mao-Mausoleum, dem National-Museum und der Großen Halle des Volkes, hier tritt der Nationale Volkskongress, das Parlament, zusammen. 1989 wurde auf dem Tiananmen-Platz der Studenten-Aufstand niedergeschlagen.

Pekings Hochhaeuser
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In Peking herrschen Höhe und Dichte
Foto: Ulf Meyer

Migrationsbewegung in die Stadt
Nach 1949 wuchs die Bevölkerung Pekings jährlich um konstante 1,33 Prozent. 1960 zählte die Stadt schon fast fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. In den 1990er Jahren wuchs die Bevölkerung schneller: Das Wachstum lag bei jährlich 2,84 Prozent. Und so zählte Peking im Jahr 2000 9,7 Millionen Menschen. Am Stadtrand entstanden Vor- und Satellitenstädte. Der städtische Raum griff um sich und umschloss nach und nach auch dörfliche Siedlungen. Fast drei Millionen Menschen leben allein am "urbanen Rand".

Für das Bevölkerungswachstum Pekings in den letzten Jahren hat vor allem der Zuzug der Menschen vom Land gesorgt. In Peking wie überall in China herrscht seit den 1980er-Jahren eine strenge Geburtenkontrolle. Mit dem wirtschaftlichen Boom Chinas hat nun eine große Migrationsbewegung vom Land in die Stadt eingesetzt, denn der Aufschwung findet vor allem in den großen Ballungsräumen wie Peking statt. Schätzungsweise bis zu vier Millionen Wanderarbeiterinnen und -arbeiter leben in Peking. Zum Großteil ohne Registrierung und damit illegal. Verlässt man seinen Wohnsitz braucht es eine vorübergehende Aufenthaltserlaubnis, doch die kostet. Ebenso ist ein Arbeitsvertrag notwendig. Beides bringen viele der jungen Frauen und Männer vom Land nicht mit, wenn sie in der Stadt ihr Glück suchen. Diese "Illegalität" macht sie rechtlos gegenüber den Arbeitgebern, wenn zum Beispiel die Löhne ausbleiben. Der Bauboom Pekings beruht zu einem großen Teil auf diesen billigen Arbeitskräften. Sie leben in sanierungsbedürftigen Wohnhäusern am Stadtrand oder in den alten Quartieren der historischen Stadt. Und obwohl sie am Aufschwung Pekings mitbauen, sind sie nicht Teil der städtischen Gesellschaft.


 
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UNESCO-Weltkulturerbe: Die Verbotene Stadt

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Wie weit die Leidensfähigkeit geht, ist schwer abzuschätzen
Wie weit die Leidensfähigkeit geht, ist schwer abzuschätzen
Millionen Menschen in Peking sind Wanderarbeiter, so Eduard Kögel, Dipl.-Ingenieur und Experte für Stadtplanung und Städtebau in China. Die Stadt existiere nur, weil es diese billigen Arbeitskräfte gibt.

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